Ziel Rekalibrierung / Black Forest Ultra Bike Marathon Spontanstart

Eigentlich wollte ich kommenden Freitag gemeinsam mit Begleitcrew das Race Across the Alps in Angriff nehmen. In der engen Familie haben wir aber einen Trauerfall zu beklagen 😦 Deshalb wird aus dem RATA-Start kurzfristig nichts, da Beerdigung und RATA zeitgleich stattfinden und das RATA da natürlich hintenansteht.

Deshalb habe ich nach Alternativen Ausschau gehalten, um die aufgebaute RATA-Form anderweitig auf die Straße zu bringen. Und siehe da, das Race Across Germany (RAG) von Flensburg nach Garmisch findet eine Woche später statt. So wird aus dem RATA-Rookie eben ein RAG-Wiederholungstäter. Wobei ich das RAG dieses Jahr ohne Begleitfahrzeug „non-supported“ in Angriff nehmen werde.

Und statt mich heute (Sonntag) für den Start beim RATA zu schonen, habe ich gestern spontan noch für den Black Forest Ultra Bike Marathon gemeldet und zur Abwechslung vom Rennrad mal wieder mein Centurion Backfire Carbon aus dem Stall geholt.

Durch die spontane Entscheidung konnte ich erst am Renntag anreisen und so klingelte mich der Wecker morgens um 4Uhr aus den Federn. Nach kurzer Katzenwäsche ging es direkt mit dem Auto nach Kirchzarten (Südschwarzwald) zum Start.

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Lecker Frühstück für die Autofahrt

Auf der Fahrt zwischen halb fünf und fünf habe ich noch schnell die obligatorischen Expresskalorien zugeführt, damit der Tank zum Start um 07:45Uhr nicht völlig leer ist. Das Warm-up auf dem Rad vor Ort wurde dann auch eher zu einem zweiten Wake-up, da der Kreislauf noch etwas widerwillig auf Sport zu solch unchristlicher Zeit reagiert hat.

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Startaufstellung – top Wetterbedingungen – nicht zu warm und nicht zu kalt

Im Ziel war ich dann positiv von meiner Platzierung überrascht (5. Platz Altersklasse von 266 Finishern und gesamt 20. von 1.212). Überrascht vor allem deshalb, da ich aufgrund der späten Anmeldung aus dem dritten Startblock starten musste, und während des gesamten Rennens nicht wusste an welcher Position ich liege. Von hinten musste man sich dann durch das Feld der Lizenzdamen (die zeitgleich auf dem Kurs die Deutsche Marathon Meisterschaft bestritten) und die vorderen Hobbyblöcke „arbeiten“, die jeweils mit ein paar Minuten Vorsprung auf die Strecke sind. Gut für die Moral, da man ständig überholt. Aber schlecht für die Performance, da man nicht in einer schnellen Gruppe Windschatten fahren kann und die Überholvorgänge vor allem auf engen Trails sehr viel Kraft kosten. Cooles Gefühl, wenn man im Ziel dann trotzdem ein paar Sekunden schneller als die neue Deutsche Meisterin unterwegs war – ich weiß… typisch Machomänner 😉 Bei einem Start im ersten Block hätte es vielleicht sogar aufs Treppchen in der Altersklasse gereicht…, hätte, hätte, Fahrradkette, …

Der Black Forest Ultrabike ist wirklich ein super Event. Die Strecke ist zwar vom technischen Anspruch nichts Besonderes, aber die motivierten Zuschauer, die einen an der Strecke ständig anfeuern, das schöne Veranstaltungsgelände, die gute Zielverpflegung und die top Organisation vor Ort, gleichen das mehr als aus.

Und der Start am frühen Morgen hatte zumindest den Vorteil, dass ich pünktlich zum Anpfiff des Deutschland-Spiels wieder bei meinen Jungs zu Hause war 🙂

Die nächste (sicher auch wieder ausführlichere Story) gibt es dann bald vom Race Across Germany.

Superrandonnée Belchen satt – Auf und nieder immer wieder

Vergangene Woche habe ich ein paar freie Tage zwischen zwei Familienurlauben genutzt, um die 620km und 12.000 Höhenmeter der Superrandonnée „Belchen satt“ unter die Räder zu nehmen. Wie jedes längere Brevet ein kleines Abenteuer, das einen dem straff durchorganisierten Tagesablauf entreißt und körperlich und mental einen Kontrapunkt zum Alltag setzt. In diesem Blogbeitrag möchte ich das Erlebte in mein digitales Gedächtnis brennen und die Vorbereitung, Höhen/Tiefen und weitere Eindrücke mit euch teilen. Für die Randonneure unter euch befindet sich am Ende auch noch meine Packliste zur Inspiration. Eine Warnung gleich vorweg: der Bericht ist analog zur Tour etwas länger geraten 😉

Die Strecke

Organisiert wird die Superrandonnée „Belchen satt“ von der ARA Breisgau. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „Permanente“. D.h. man kann die Strecke ganzjährig angehen. Die Organisatoren Walter und Urban stellen hierzu einen GPX-Track, Routenbeschreibung, Höhenprofil und eine Brevetkarte zur Verfügung. An vordefinierten Kontrollstellen dokumentiert man das eigene Vorankommen mit Fotos, die als Nachweis zur Befahrung der Strecke dienen, und trägt die Durchfahrzeiten in seine Brevetkarte ein. Die Strecke startet und endet in Freiburg und führt durch die eindrucksvolle Landschaft des Südschwarzwaldes, des Schweizer Jura und der Vogesen.

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Quelle: Trackaufzeichnung aus Garmin Connect

Details zum Brevet finden sich allesamt auf der Veranstaltungshomepage:

https://www.ara-breisgau.de/superrandonnee/

Der Name „Belchen satt“ leitet sich dabei von den vielen „Belchen“ bzw. „Ballons“ ab, die man überquert. Zitat dazu von der ARA Breisgau Seite:

Wie der Name schon sagt, führt die Strecke über alle namhaften Belchen (frz.: Ballon) rund ums Dreiländereck, sechs Stück insgesamt:

Deutscher Belchen, Schweizer Belchen, Ballon de Servance, Ballon d’Alsace, Grand Ballon, Petit Ballon

Dazu kommen noch etliche andere, teilweise höchst knackige Anstiege. Der höchste zu befahrende Punkt ist auf dem Chasseral erreicht (1600 m).

Für ein Brevet sind die stark 600km nicht ungewöhnlich. Die besondere Herausforderung der Strecke ergibt sich hingegen durch die vielen Höhenmeter (ca. 12.000), die zum Teil auf extrem steilen Auffahrten und abgeschiedenen Passsträßchen gesammelt werden.

Das ist landschaftlich und aufgrund des fast nicht vorhandenen Autoverkehrs sehr reizvoll. Diese Abgeschiedenheit und Idylle verdient man sich aber hart bei steilsten Rampen bergauf wie bergab und teils zweifelhaftem Straßenbelag. Beides – vor allem in Kombination – stellt einen vor allem in der Nacht vor die ein oder andere Herausforderung bzw. erforderte deutlich mehr Konzentration als es bei einem flachen Brevet der Fall ist.

 

Wieso/Weshalb/Warum

Diese Frage lässt sich auch kurz mit „Warum nicht?“ beantworten 😉 Etwas tiefer in der eigenen Motivation gegraben ist es wohl eher die Lust am Abenteuer bzw. daran etwas Außergewöhnliches zu erleben. So wie Jugendliche das erste Mal wider alle Vernunft eine Nacht durchmachen, so triggert die Grenzüberschreitung bei mir wohl immer noch eine kindliche Freude. Und wie bei jeder Droge, so muss auch hier langsam die Dosis (sprich Kilometer/Höhenmeter) gesteigert werden, damit sich ein veritabler Rausch einstellt 🙂

Und um die Sucht zu befriedigen, habe ich mich in 2018 wieder für einige längere Events angemeldet. Unter anderem zum Race Across the Alps (RATA) dem 24h-Rennen in Schötz und der Extremdistanz bei der Salzkammergut Trophy. Vor allem das Race Across the Alps (RATA) und die Salzkammerguttrophy warten mit richtig vielen Höhenmetern auf die Ausdauerjunkies. Und so habe ich für die Vorbereitung im Frühjahr auch nach einem Brevet mit vielen Höhenmetern Ausschau gehalten und bin dabei über „Belchen satt“ gestolpert. Die Pfingstferien hatten wir für Familienurlaub sowieso schon frei genommen und zwischen dem Santana Tandemtreffen in Bamberg und unserer Kreuzfahrt in der Ägäis war mit vier Tagen gerade genug Zeit, um mit An- und Abreise nach Freiburg einen Ausdauervollrausch einzuplanen und für die kommenden Herausforderungen des Sommers adäquat vorzuglühen.

Vorbereitung

Da das Zeitfenster klein und unflexibel war, konnte ich allerdings auch keinen Mitstreiter gewinnen, und musste das Abenteuer solo in Angriff nehmen. Das war in der Vorbereitung auch meine größte Sorge, da ich nicht einzuschätzen wusste, wie hart mich die Einsamkeit des Schweizer Jura oder der Vogesen mitten in der Nacht mental treffen würde.

Bzgl. Material habe ich auch als Test fürs RATA noch zwei Veränderungen an meinem Rennradsetup vorgenommen. Erstens wurde der Aeroauflieger gegen die deutlich leichteren Spirgrips Innerbarends (http://www.spirgrips.com) ausgetauscht. Und zweitens habe ich die Übersetzung am Rennrad auf steigungsfreundliche 50/34×11/34 umgestellt. Letzteres auch inspiriert durch die Streckenbeschreibung auf der Website und Berichte anderer Finisher der „Belchen satt“, die alle eines gemeinsam hatten: Klagen über Hochprozentiges 🙂

Darüber hinaus war nur eine Unterkunft für die Nacht vor-/nach dem Brevet (https://www.booking.com/hotel/de/theater-am-eck.de.html) und das Zugticket zu ordern. Die Unterkunft ist sicher kein Geheimtipp und die Zimmer winzig, aber mit etwas Experimentierfreude habe ich es sogar geschafft, das Rennrad im Zimmer unterzubringen. Und bei 69,-€ für 3 Nächte im Zentrum von Freiburg sollte man auch keinen großen Luxus erwarten.

Ernährung

Ich wollte das Brevet zwar nicht im Rennmodus fahren, sondern mir unterwegs auch immer wieder Zeit für Fotos oder eine Leckerei am Weg nehmen, aber bzgl. Verpflegung trotzdem ziemlich autark sein. Erstens hatte ich mich im Vorfeld nicht mit den Verpflegungsmöglichkeiten am Weg beschäftigt und zweitens ist es gar nicht so einfach Kohlenhydrate in ausreichender Menge zu sich zu nehmen ohne den Magen massiv zu belasten. Da ist es doch am einfachsten man setzt auf bewährtes. Und je abgelegener die Routenführung bzw. je später in der Nacht, desto schwieriger wird es, überhaupt noch etwas aufzutreiben. Deshalb war meine Satteltasche zu Beginn der Reise neben Kleidung, Werkzeug und Ersatzteilen auch randvoll gefüllt mit Kalorien.

 

Den Start hatte ich auf 06:00Uhr morgens geplant, damit ich möglichst viele Kilometer bei Tageslicht bereits am ersten Tag abspulen konnte. Und da ich wenig optimistisch war davor ein feudales Frühstück aufzutreiben, gab es vor dem Start noch schnell 600kCal aus dem Ensure Plus Tetrapack im Hotelzimmer.

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Frühstückssnack 1,5kCal/ml

 

Am 24.05. drücke ich somit pünktlich um 6 am Martinstor in Freiburg den Startknopf auf meinem Garmin und starte ins Abenteuer. 32h 34min später wieder am selben Ort angekommen, wird das Garmin über 17.000kCal gesammelt haben. Die Verpflegung auf der Strecke zusammengenommen, habe ich ca. 7.000kCal zugeführt, so dass die restlichen 10.000kCal (abzüglich ~2.000kCal Muskel-/Leberglykogen) wohl irgendwo aus den unerschöpflichen körpereigenen Fettspeichern bedient wurden. Jeden der jetzt denkt, das wäre als Diät geeignet, möchte ich gleich enttäuschen. Das entspricht gerade einmal stark einem Kilogramm Körperfett. Und wer die Fressattacken nach einem solchen Event kennt, der weiß auch, dass der Körper sich auch das schnell wieder zurück holt 😉

On the road / Höhen / Tiefen

Kaum ein paar Meter vom Martinstor losgefahren hält der Track schon die erste Herausforderung bereit. In welche Richtung soll man den Rundkurs aus Freiburg heraus fahren? Also schnell nochmal angehalten und auf meiner Backupnavilösung Komot auf dem Handy nachgeschaut, die den Track inklusive kleinen Richtungspfeilen visualisiert. Eines der wenigen fehlenden Features an meinem Garmin…

Sicher jetzt auf dem richtigen Kurs zu sein, trete ich motiviert in die Pedale und erklimme gleich die ersten 900hm auf den Schauinsland und danach über den Hohentann auch gleich noch den Belchen.

Die Wetterlage am frühen Morgen zaubert dabei eine ganz besondere Stimmung:

Die Straße ist zwar patschnass von den Regenfällen der vergangenen Nacht, aber von oben ist alles trocken. Und so begehe ich den Fehler, mich nach den wärmenden Auffahrten, auch gleich die ersten langen Abfahrten in kurzer Hose hinabzustürzen. Da die Temperatur dabei unter 10° Celsius sinkt, heraufspritzende Nässe die kompletten Beine einhüllt und der Windchilleffekt sein Übriges beiträgt, wird es den Knien gleich einmal zu kalt und sie fangen bei der nächsten Auffahrt zum Tiergrüble schon an zu zwicken. Gar nicht gut, wenn man noch über 550km vor sich hat. Das Kopfkino beginnt, und ich male mir schon aus, wie ich kaum in der Schweiz ankommen schon nach einem Bahnhof für die Heimfahrt Ausschau halten muss.

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Kontrollstelle Tiergrüble

Zum Glück falscher Alarm. Je näher ich der Schweizer Grenze komme und je tiefer ins Tal, desto wärmer wird es und auch die Straßen trocknen ab. Und mit der Wärme laufen auch die Knie wieder geschmeidiger und ich verdränge die pessimistischen Gedanken.

In Laufenburg beim Überqueren der Schweizer Grenze ist das Wetter dann schon richtig sonnig und es folgen 20-30km, die sich mit nur leichter Steigung das Tal hinaufziehen. Kaum ist alles richtig trocken, macht sich bereits ein weiterer Effekt der vorhergehenden Nässe bemerkbar. Das heraufspritzende Wasser auf den ersten 100km hat die Kette ziemlich ausgewaschen und das Gleitmittel durch feinen Sand der Schwarzwälder Straßen ersetzt. Die Option den Rest der Strecke mit knirschender Kette zurückzulegen verwerfe ich schnell und halte bei den nächsten Ortsdurchfahrten die Augen nach einem Radladen offen. Und wie gerufen kommt in Balsthal ein Intersport mit Radwerkstatt, dessen Schraubercrew meinem gequälten Antriebsstrang in schönstem Schweizerdeutsch die dringend nötige Zuwendung gewährt. Die Jungs von www.sporthus.ch sind klasse und möchten nicht einmal ein Trinkgeld annehmen, bevor sie mich wieder auf den sonnigen Kurs schicken.

Jetzt folgen einige Kilometer, die auf dem Höhenprofil mit nur kurzen Anstiegen gar nicht spektakulär wirken, es aber mit steilen Rampen mit bis zu 20% Steigung ganz schön in sich haben. Ich bin heilfroh, dass ich mich für die Kinderübersetzung 34×34 entschieden habe, sodass ich alles fahren kann. Mit den Rennradschuhen wäre Schieben sowieso keine echte Option gewesen. So vergeht der sonnige Nachmittag wie im Flug und ich erklimme einen Gipfel nach dem anderen und tränke das Oberrohr mit Schweiß, als die Temperaturen bis auf 30° ansteigen. Nach Überquerung von Chilzimmersattel, Weissenstein und einiger weiterer kleinerer Anhöhen erreiche ich gegen 18:00Uhr mit dem Chasseral den höchsten Punkt der Route (1.598m) und genieße die wunderschöne Aussicht.

In La Goule bei Kilometer 276 passiere ich die letzte Kontrollstelle bei Tageslicht und fahre auf kleinsten Straßen weiter in Richtung Frankreich.

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Kontrollstelle La Goule

Die Grenze aus der Schweiz nach Frankreich ist dann auch so unscheinbar, dass ich sie in Gedanken versunken gar nicht wahrnehme. Denn als ich irgendwann denke, dass es langsam Zeit wird für einen Abendsnack stelle ich fest, dass die Autos in der nächsten Ortschaft bereits französische Nummernschilder tragen. Das passt prima, da ich sowieso keine Schweizer Franken dabeihabe und als guter Schwabe beim Anblick der Preise in Schweizer Restaurants sowieso einen Herzinfarkt bekomme. Meinen Wassernachschub hatte ich seit Erreichen der Schweiz somit auch aus öffentlichen Brunnen gedeckt    .

So lange das Wasser kalt daraus hervorfließt und ein kurzer Geschmackstest positiv verläuft gehe ich optimistisch davon aus, dass es nicht nur im Kreis gepumpt wird und halbwegs genießbar ist. Auch wenn Gemeinden gerne abschreckende Schilder (kein Trinkwasser, nicht kontrolliert, …) daran anbringen. Auf den nächsten Kilometern genieße ich noch die Abendsonne.

So lege ich irgendwo in der Nähe von Charmauvillers beim Einbruch der Dämmerung eine Pause zum Abendessen ein und lasse es mir bei zwei Stück leckerem hausgemachten Kuchen gut gehen.

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Abendessen – hausgemachter Apfelkuchen

Die Pause nutze ich auch gleich, um mich für die Nacht wärmer anzuziehen und auch die Beleuchtung am Fahrrad gut auszurichten. Gleich vorweg, die Lupine Piko 7 hat mich auch dieses Mal wieder nicht enttäuscht und mit einer Akkuladung die gesamte Nacht durchgehalten – „We are the Light“ ist bei Lupine tatsächlich mehr als ein schicker Werbeslogan.

So radle ich frisch gestärkt, warm angezogen und voll motiviert in die Nacht und freue mich darüber, dass der Himmel relativ klar ist und abseits der großen Ortschaften die Sternen am Firmament voll erstrahlen. Irgendwo vor Glainans passiert es dann. Ich bin in mein GPS vertieft, um herauszufinden, wann die nächste Kontrollstelle ansteht, und achte dabei nicht auf die Straße, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich ganz ordentlich ist. Es macht plötzlich rums, der Lenker springt mir fast aus der Hand, und eine zehntel Sekunde später gibt mir auch das Hinterrad einen herben Schlag auf den Allerwertesten begleitet vom lauten Zischen der sofort entweichenden Luft meines Hinterreifens.

Mist, Mist, Mist, kurz unachtsam und dann gleich sowas – ein tiefes Schlagloch hat mich in voller Fahrt unerwartet gebremst. Ich halte schnell an und überprüfe, ob auch der vordere Reifen Luft verliert – negativ – wenigstens das – nur ein Schlauch zu wechseln. Ein erneuter kurzer Blick aufs Navi erhärtet meinen Verdacht, dass keine Ortschaft in der Nähe ist und eine Reparatur auf freiem Feld ohne Straßenbeleuchtung ansteht. Also die ganze Fuhre rechts von der Straße auf die taunasse Wiese gepackt und zuallererst die Stirnlampe aus der Satteltasche gekramt, um wenigstens etwas zu sehen.

Schnell ist einer der drei Ersatzschläuche, die ich dabeihabe, eingezogen und das mühsame Aufpumpen mit der Minipumpe beginnt. Der Reifen ist schon richtig prall, als mir beim Pumpen auffällt, dass der Mantel wohl auch etwas abbekommen haben muss. Der Schlauch drückt an einer Stelle schon eine richtige Blase durch die aufgerissene Seitenwand des Mantels. Nur zu gut, dass ich auch einen Ersatzmantel im Gepäck habe. Also Luft wieder raus, Ersatzmantel mit nächstem Schlauch aufgezogen und die Pumperei geht von vorne los. Und Pumpen heißt in diesem Fall mindestens 6-7 bar in den Reifen zu pressen, damit Durchschläge bei der Straßenqualität nicht alle paar Kilometer auftreten. Meine schmächtigen Radlerarme werden schon ganz taub, als endlich genug Druck im Reifen ist und ich die Pumpe (die mit Schraubverschluss auf dem Ventilgewinde befestigt wird) wieder vom Schlauch abdrehe. Beim ersten Zischen denke ich mir noch nichts, aber als mit einem Schlag der Reifen wieder komplett leer ist wird mir klar, dass sich das Sclaverandventil gemeinsam mit der Pumpe vom Ventilstutzen gelöst hat. Mist, Mist, Mist, das kann doch wohl nicht wahr sein. Ventil also wieder in den Ventilstutzen eingedreht und dieses Mal die Pumpe besonders sorgsam ohne jedes Verkanten montiert und die Pumperei beginnt von neuem. Ich mache es kurz…auch die kommenden zwei (oder waren es drei) Versuche führen zum selben Ergebnis. Immer beim Ablösen der Pumpe löst sich auch das Ventil vom Schlauch und die gesamte Mühe verpufft sprichwörtlich mit einem kurzen Zischen in der Atmosphäre. Das Kopfkino rattert und einsetzende Erschöpfung und Frustration helfen auch nicht gerade beim klar denken. Ich bin kurz davor den ganzen Bettel in die Wiese zu pfeffern und mich in meine Rettungsdecke gehüllt dazu zu legen und darauf zu warten, bis es am Morgen wieder hell wird, da ich in diesem Moment glaube, dass es ein Problem mit der Pumpe ist und ich mitten in der Nacht sowieso keine andere aufgetrieben bekomme.

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Reparatur läuft nicht mitten in der Nacht – Schluss mit lustig…

Aber ein Brevet ist eine Prüfung…und was wäre eine Prüfung, bei der alles glatt läuft. Also nochmal tief durchgeatmet und die Gedanken neu sortiert. Evtl. liegt es ja doch nicht an der Pumpe, sondern am Schlauch. Also Schlauch raus und den nächsten Ersatzschlauch eingefädelt. Eine ermüdende Pumporgie später mache ich drei Kreuze und halte selbst die Luft an, als das Ventil seiner eigentlichen Bestimmung beim Abziehen der Pumpe nachkommt und die Luft im Reifen hält. Zwischenprüfung bestanden – es kann wieder weitergehen. Also das nasse Equipment wieder von der Wiese eingesammelt, am Rad verstaut und weiter geht die wilde Fahrt. Ab jetzt tatsächlich etwas wilder, da das Hinterrad einen vermeintlich extremen Höhenschlag abbekommen hat, der bei jeder Radumdrehung einen spürbaren Impuls gehn Sattel sendet. Im Tageslicht am nächsten Morgen sollte sich dann herausstellen, dass der Mantel an einer Stelle tiefer im Felgenbett saß. Das ließ sich aber auch mit erneutem Luftablassen, Mantel ausrichten und Aufpumpen nicht beheben (erst zu Hause hat ein kurzes Erhöhen des Reifendrucks auf 9bar mit der Standpumpe den Mantel korrekt ins Felgenbett springen lassen).

Die nächsten Kontrollstellen Glainans, Lure und den Ballon Servance passiere ich dann bei Dunkelheit.

Die Fahrt läuft gut, die Beinchen schnurren und ich bekomme auch keine Probleme mit der Müdigkeit. Aber der Flüssigkeitsnachschub wird zunehmend schwierig. Als ich in Lure um ca. 1Uhr morgens an einer Tankstelle versuche nachts an Cola aus dem Automat zu gelangen, stelle ich leider fest, dass mein Kleingeld nur für eine 0,5Liter Flasche reicht. Als ich ein junges Mädel beim Betanken ihres Autos unvermittelt in einem Kauderwelsch aus Englisch und Französisch anspreche und nach Kleingeld zum Wechseln frage, bekommt sie glaube ich den Schreck ihres Lebens – und kann mir leider auch nicht weiterhelfen. Zum Glück sehe ich in Lure, wie ein Besitzer gerade seine Bar zu macht und kann ihn dazu überreden meine Flaschen mit Leitungswasser aufzufüllen. Das nächste Mal laufe ich völlig trocken bevor es in die Auffahrt zum Ballon d’Alsace geht. Durst macht sich breit und ich halte bei jeder Ortsdurchfahrt verzweifelt nach Brunnen oder einem Friedhof mit Gießwasser Ausschau. Aber nichts zu sehen. Doch da eilt mir die Müllabfuhr zu Hilfe. Als ein Müllauto kurz vor Morgengrauen an einem Stapel gelber Säcke anhält, kann ich den netten Müllmann davon überzeugen, mir seinen Getränkevorrat gegen ein großzügiges Trinkgeld zu überlassen. Schwuppdiwupp fülle ich die 1,5 Liter lauwarmes Wasser aus seiner alten PET-Colaflasche in meine Radflaschen um, und gebe ihm das gute Stück mit 5€ „Pfandgeld“ wieder zurück. In der Not kann man nicht wählerisch sein 😉

Mit frischem Treibstoff mache ich mich auf zum nächsten größeren Gipfel und erklimme in der Morgendämmerung den Ballon d’Alsace, um passenderweise auf dem Gipfel ein Kontrollfoto vor einem Tour de France Denkmal zu schießen.

Im darauffolgenden Tal vor dem Col du Page fahre ich immer wieder durch Frühnebelschwaden, so dass es empfindlich kühl bleibt und ich weiter in langen Radklamotten unterwegs bin.

Generell bin ich in der gesamten Nacht vor allem bei den schnellen Passabfahrten gerade noch so im erträglichen Bereich der Radklamotten unterwegs.

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Screenshot Garmin Connect – von 6° bis 30° Celsius ist alles dabei

Im kleinen Ort Oderen lege ich dann nochmals einen längeren Stopp ein, bevor es in den Endspurt geht. Ich fülle die Flaschen erneut auf und stärke mich in der Morgensonne zur Abwechslung von der Isopampe einmal mit leckeren süßen Stückchen vom Bäcker. Ein wahrer Genuss!

Die letzten Kilometer und Höhenmeter verlaufen dann relativ ereignislos. Es wird nochmals richtig steil und rau auf der folgenden Auffahrt. Aber nach dem bisherigen Streckenverlauf kann mich das auch schon nicht mehr schocken. Die schwindende Konzentration durch den Schlafmangel bemerke ich hauptsächlich dadurch, dass ich mir beim Schalten offensichtlich nicht mehr merken kann, wenn ich bereits im ersten Gang angekommen bin. In den steilen Rampen versuche ich regelmäßig in einen leichteren Gang zu schalten, obwohl ich den leichtesten Gang bereits kurz vorher eingelegt habe. Die regelmäßige eigene Enttäuschung, dass es nicht mehr leichter geht, ist in diesen Momenten schon fast wieder drollig.

So geht es über den Grand Ballon, den Petit Ballon und den Col du Firstplan über die letzten ernsthaften Prüfungen dieser langen Fahrt, wobei es zusehends wieder wärmer wird und der Schweiß erneut in Strömen fließt.

Bei der Abfahrt vom Col du Hundsplan öffnet sich die Rheinebene vor mir und die letzten 50km führen mich hauptsächlich flach, aber mit starkem Gegen- und Seitenwind zurück nach Freiburg zum Martinstor. Damit setzt sich aber sowieso nur der gefühlte Trend fort, den mir nach der Tour auch MyWindSock in der Statistik für meine Fahrt bestätigt.

Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt mir, dass keine „magische“ Zeitgrenze als Motivation zu einem Endspurt herhalten kann und so nehme ich etwas Druck vom Pedal und nutze die letzten 1,5 Stunden zum lockeren Ausfahren. Am Martinstor angekommen durchströmt mich dann die wohlige Freude und tiefe Befriedigung die gesteckte Herausforderung gemeistert und die Fuhre gut ins Ziel gebracht zu haben.

Schnell noch die obligatorischen Kontrollfotos geschossen, die Beine etwas gedehnt und ab zum nächsten Feinkostimbiss, um die geleerten Energiespeicher wieder für zukünftige Abenteuer zu füllen. This is why we ride 😉

Nach einer ausgiebigen Dusche und einem Powernap schlendere ich dann nochmal am Abend gemütlich zurück in die Freiburger Fußgängerzone für den zweiten Regenerationsgang.

 

Epilog

Während ich diesen Bericht schreibe, sitze ich gemütlich am Pooldeck eines Kreuzfahrtschiffes im Ägäischen Meer. Vielleicht hat auch das dazu geführt, dass der Bericht etwas lange geraten ist. Glückwunsch an alle Leser, die es bis zum Epilog geschafft haben 🙂

Nachdem meine Beine die ersten Tage (wie bei mir üblich) mit Wassereinlagerungen auf die lange Belastung reagiert haben, ist in der Zwischenzeit – von kribbelnden Fingern abgesehen – körperlich alles wieder innerhalb der üblichen Toleranzen. „Belchen satt“ war der perfekte Test fürs RATA. Nach ein paar Nächten mit viel Schlaf bin ich auf jeden Fall zuversichtlich, dass auch die 14.000hm des RATA keine unlösbare Aufgabe sind und bin schon richtig heiß darauf dort den Höhenmeterturbo gemeinsam mit meiner Crew zu zünden.

Zuletzt noch vielen herzlichen Dank an Urban und Walter für die Organisation dieser tollen Superrandonnée und die liebevolle Streckengestaltung, die einen zum größten Teil fernab des Verkehrs durch die schöne Landschaft führt. Dieser einsamen Streckenführung ist es auch zu verdanken, dass man unterwegs viel Zeit hat seinen Gedanken nachzuhängen und die Bewältigung der Strecke dadurch auch meditativen Charakter bekommt. Das war sicher nicht mein letztes Brevet der ARA Breisgau!

 

Packliste – zur Inspiration für Nachahmungstäter

Packliste Brevet Kommentar
Rettungsdecke Wenn man ungeplant am Wegesrand ein Nickerchen einlegen muss oder man zu wenig warme Radklamotten für die Witterung dabei hat
Radhelm
Radschuhe
Radhose, kurzes Unterhemd, kurzes Trikot, langes Trikot, Armlinge, Beinlinge, Regenüberschuhe, Windweste, Regenjacke, Radhandschuhe
3x Ersatzschlauch
Garmin GPS mit Pulsgurt Das Handy (mit der Komot App) habe ich zum Fotos schießen und als Backupnavigationslösung beim Versagen des Garmins noch mit an Bord
Fahrradschloss Ich habe ein kleines ABUS Zahlenschloss mit Drahtseil – das hindert zwar niemanden mit Werkzeug, dient aber als Wegfahrsperre, wenn man z.B. in einen Supermarkt das Rad kurz nicht im Blickfeld behalten kann
Ausweis Die Tour überquert 3 Mal eine Landesgrenze – sicher ist sicher
2x Fahrradflaschen Gehalten in meinen Tune Flaschenhaltern. Der Tune Rechts-/Linksträger ist ein echter Geheimtipp, wenn es im Rahmen aufgrund Rahmentaschen oder Lampenakku eng wird und man die Flasche in einen normalen Halter nicht mehr rein-/rausschieben kann. Zudem super leicht.
Brevetkarte, Höhenprofil, Beschreibung Kontrollstellen und Streckenbeschreibung
Akkupowerbank zum Nachladen von Garmin / Handy während der Fahrt (ich habe ein ZNEX Notstrøm, das wie eine Minipumpe in eine Rahmenhalterung am Flaschenhalter gesteckt wird)
Multitool (inkl. Kettennieter) und Reifenheber
Minipumpe mit Rahmenbefestigung
Kabelbinder Damit lässt sich so ziemlich alles provisorisch reparieren 😉
Gels, Riegel, Isopulver Lieber etwas mehr als zu wenig
Kleine Sonnencreme Zum Nachcremen unterwegs bei Bedarf am zweiten Tag
Stirnlampe inkl. Batterien Für Reparaturen bei Nacht oder zur Orientierung an den Kontrollstellen
Bikepacking Satteltasche Bei mir hat sich das Modell von Ortlieb (absolut wasserdicht) bestens bewährt
Lupine Piko + LED Heckleuchte Die Lupine Modelle sind über jeden Zweifel erhaben und bei vielen Randonneuren beliebt (We are the Light)
USB-/Lightning-Kabel für Verbindung Handy/GPS mit Powerbank
Reflektorveste-/Gurt für den Oberkörper Pflicht bei Brevets bei schlechten Sichtbedingungen / Dunkelheit
Kleiner Stift Zur Erfassung der Zeiten an den Kontrollstellen auf der Brevetkarte
Kleine Packung Feuchttücher Bei Bedarf als Toilettenpapier (Hygiene am Allerwertesten ist der Schlüssel zu schmerzfreiem Langstreckenradeln) oder zur Reinigung der Hände nach Reparaturen
Fahrradbrille Mit selbsttönenden Variogläsern, damit man Nachts auch noch etwas sieht
Kettenöl Hatte ich nicht dabei – ein kleines Fläschchen davon hätte mir aber den Stopp im Radladen erspart
Kleines Stück Lappen Siehe Kettenöl…
Bargeld, EC-/Kreditkarte Auf jeden Fall auch ein paar Münzen für Getränkeautomaten einpacken 😉
Flickzeug Falls auch der letzte Ersatzschlauch aufgebraucht ist
Ersatzmantel Zum ersten Mal gebraucht bei „Belchen satt“ – aber unendlich froh gewesen ihn dabei zu haben
Bremsbeläge Ich hatte auf der Strecke keine Probleme, hatte aber vorsichtshalber aufgrund der langen Abfahrten welche dabei – wenn das Wetter entsprechend ist, kann es einem schnell die Beläge runterhobeln
Dünne Einweggummihandschuhe Für Reparaturen oder zum Überziehen bei Kälte

Saarland Brevet 430km – Gegenwind formt den Charakter

Am gestrigen Samstag (05.05.2018) war es einmal wieder soweit. Die Herausforderung einer Langstrecke hat mich – wie in der Vergangenheit schon des Öfteren – ins schöne Saarland verschlagen. Die Wettervorhersage war vielversprechend. Sonnenschein von früh bis spät und das bei angenehmen Radfahrtemperaturen. Das gepaart mit der Aussicht ein paar alte Randonneursbekanntschaften und die super freundlichen Gastgeber/Organisatoren Andrea und Stefan wieder zu sehen, hat mich voller Vorfreude am Freitagnachmittag nach Wallerfangen (bei Saarlouis) aufbrechen lassen.

Übernachtet habe ich wieder auf einer Matraze in einem Abstellraum des Wallerfangener Campingplatzes – super praktisch, da der Campingplatz auch Start- und Zielort der Saarlandbrevets ist.

Nach einem leckeren Frühstück mit den anderen Randonneuren ging es los.

Wallerfangen – Wissembourg – Worms

Ich hatte mich für die 430km Runde mit der Route Wallerfangen, Wissembourg, Worms, Bad Kreuznach, Erbeskopf, Wallerfangen entschieden.

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Direkt nach dem Start um 08:00Uhr bin ich mit einer größeren Gruppe auf dem Saarradweg in Richtung Saarbrücken losgerollt. Es war mit 10 Grad noch recht frisch, so dass ich mich zügig an die Spitze der Gruppe gesetzt habe, um die Muskulatur auf Betriebstemperatur zu bekommen. Komplett flach ging es nach Saarbrücken, um denn nach Osten in etwas welligere Gefilde abzubiegen.

In den kommenden Hügeln hat Roman in den Steigungen die Wattzahlen nach oben schnellen lassen, so dass die große Gruppe zusehends kleiner Wurde und wir in Wissembourg an der ersten Kontrolle nur noch zu viert ankamen.

In dieser Konstellation (Roman, Thorsten und ein weiterer Mitstreiter) sind wir dann gemeinsam über leicht welliges Gelände nach Worms aufgebrochen. In der Zwischenzeit war es auch schon so warm, dass wir alle die Arm- und Beinlinge verstaut und in kurzer Hose/Trikot unterwegs waren. Also eigentlich alles top – wenn nur der super starke und zeitweise böige Gegen-/Seitenwind das Vorankommen nicht deutlich erschwert hätte. Mit guter Teamarbeit, bei der sich Roman und ich regelmäßig an der Spitze abgewechselt haben, sind wir in Anbetracht der Umstände trotzdem noch zügig vorangekommen. Und wie sagt man so schön… Gegenwind formt den Charakter 😉

Motiviert hat uns zu dieser Zeit vor allem die Aussicht auf eine schöne Pause bei guter Verpflegung in Worms beim Rewe Markt, den die Frau eines Teilnehmers managt, und bei dem die Teilnehmer traditionell auf halber Strecke mit Snacks und Getränken verwöhnt werden. Dort angekommen habe ich, basierend auf den Erfahrungen der Vergangenheit, den angebotenen Döner gegen ein Fladenbrot mit Schinken getauscht. Ein richtiger Randonneur greift hier eher zum Döner mit Bier und lässt dem Körper einfach genug Zeit zur Verdauung – aber die Randonneursszene ist vielschichtig. Und ich zähle wohl eher zur sportlich orientierten Fraktion, die beim Radeln den Genuss in der Geschwindigkeit und nicht im Kulinarischen sucht. So dass die Verpflegung während der ganzen Fahrt (vom Rewestopp abgesehen) nur aus Powergel und Isogetränken oder Cola von der Tankstelle bestand.

Worms – Bad Kreuznach

Nach einer längeren Pause ging es dann wieder los in Richtung Bad Kreuznach. Die Route wurde deutlich welliger, die Auffahrten steiler und auch der Gegenwind kannte weiter keine Gnade. Also weiter perfekte Bedingungen, um den Charakter zu formen. Und ein lukrativer Tag für alle Windradbetreiber, die es auf diesem Streckenabschnitt auf jeder Kuppe in Hülle und Fülle gab.

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So ging es Kilometer für Kilometer weiter, bis wir schließlich in Bad Kreuznach an der vorletzten Kontrolle in der Araltankstelle unsere Brevetkarte mit einem weiteren Stempel und die Fahrradflaschen mit Nachschub für die nächsten Kilometer gefüllt haben. In meinem Fall fanden auch 1,5 Liter Cola ihren Weg in die Flaschen. Was eine willkommene Abwechslung zum eintönigen Isomix darstellte, aber dank Kohlensäure und leicht undichter Flaschenverschlüsse die bereits vorhandene Isoschicht auf dem Fahrradrahmen mit einer zusätzlichen Colaschicht überzog. So ausgestattet wird jedes Fahrrad zum perfekten Fliegenfänger 🙂

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Bad Kreuznach – Erbeskopf

Beim Aufbruch von der Tankstelle trennten sich dann die Wege von Roman/Thorsten und mir. Die beiden sind als Duo mit etwas verringertem Druck auf dem Pedal in den Hundsrück angegangen, während ich den Beinchen nochmal etwas Feuer geben wollte. So bin ich alleine das Nahetal hinauf und der Abendsonne entgegengefahren. Der letzte Teil der Strecke ist mit Abstand auch der schönste. Das liegt zum einen an den verkehrsarmen Straßen, der idyllischen Landschaft und der besonderen Atmosphäre, die in der Abendsonne entsteht.

Nach Verlassen des Nahetals führt einen die Strecke über etliche Höhenmeter in Richtung Erbeskopf, der liebevoll auch Erbsenkopf genannt wird. Hinauf zum kleinen Ort Bergen wurde es nochmals spannend, da die Durchfahrt aufgrund einer Baustelle gesperrt war und über mehrere Kilometer bergauf für mich nicht klar war, ob die Durchfahrt mit dem Rad gelingt. Zum Glück gab es kurz vor Erreichen von Bergen nur etwa 50 Meter, die tatsächlich schlecht zu befahren waren und schiebend von mir überwunden wurden. Mit Einbruch der Dämmerung habe ich dann auch die Beleuchtung am Rad aktiviert und die bei Brevets vorgeschriebenen Reflektoren übergestreift. So langsam wurde es auch mit Getränken wieder eng und da ich die Strecke aus den vergangenen zwei Jahren bereits kannte war mir klar, dass es auf den nächsten Kilometern keine weiteren Einkaufsmöglichkeiten mehr geben würde. Zum Glück konnte ich bei der Durchfahrt durch den nächsten kleinen Weiler ein altes Rentnerehepaar, das den Abend auf einer Bank vor ihrem Haus genoss, davon überzeugen meine Flaschen mit Leitungswasser wieder aufzufüllen.

Zum Erbeskopf hoch zieht sich die Strecke dann noch etwas. Es wird zwar nie wirklich steil, aber den höchsten Punkt in Deutschland westlich des Rheins muss man sich trotzdem erarbeiten. Oben angekommen sind die letzten Sonnenstrahlen am Horizont verschwunden und mit dem Handyfoto konnte ich noch einen kleinen Streifen Abendrot einfangen, bevor ich mit einer am Straßenschild angeschlossenen Stempelzange meine Brevetkarte selbst markiert und die Beinlinge und Armlinge wieder anzog. Dank hereinbrechender Dunkelheit war es in der Zwischenzeit auf empfindlich kühle 10 Grad abgekühlt und der Temperaturkreis 10° – 30° – 10° war somit geschlossen.

Endspurt nach Wallerfangen

Morgens noch hatte mich Andrea gefragt, wann sie mit unserer Ankunft rechnen soll, damit sie als Empfangskomitee am Campingplatz vor Ort sein kann. Und dank bester Wetterbedingungen hatte ich optimistisch Mitternacht prognostiziert. Dank der extremen Windverhältnisse hatte ich mir eine Ankunft in Wallerfangen noch am selben Tag allerdings schon lange abgeschminkt und beim Aufbruch vom Erbeskopf war es bereits 21:55Uhr. Bei der langen Abfahrt zurück zur Hauptstraße konnte ich aber doch nicht anders mir die verbleibenden Restkilometer und das Höhenprofil etwas genauer anzuschauen. Noch 73 Kilometer zu fahren und 600hm tendenziell bergab (von 800hm auf 200hm). Okay, ein paar kleinere Bergauf Wellen und auch ein paar unangenehmere längere Anstiege, aber trotzdem ein schneller Kurs…

Die aufkommende Erschöpfung half zwar nicht gerade dabei den Dreisatz aus Zeit, Entfernung und Geschwindigkeit aufzulösen, aber nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass ein 36er Schnitt reichen müsste, um gerade noch rechtzeitig vor Mitternacht in Wallerfangen zu sein und Andrea nicht zu enttäuschen 😉

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Eine Herausforderung, aber nicht hoffnungslos – also Challenge accepted! Und so mobilisierte ich für die letzten zwei Stunden die verbliebenen Reserven und ließ es nochmals so richtig krachen. Der Lupine Flaggscheinwerfer im Wechsel in den zwei hellsten Stufen war wieder einmal Gold wert in den schnellen Abfahrten. Durch die kräftezehrenden Rampen war ich mir aber nie ganz sicher, ob es sich tatsächlich ausgehen würde. Erst als 20 Minuten vor Mitternacht nur noch 7-8 Restkilometer auf dem Garmin standen war mir klar, dass es auf jeden Fall reichen würde und ich die letzten Meter in Wallerfangen auch noch einen Gang runter schalten kann, um den aufgebauten Laktatüberschuss noch locker aus den Beinen zu schütteln.

Glücklich über den schönen Verlauf und Ausklang des Tages wurde noch schnell das obligatorische Finisherfoto geschossen, bevor ich mich zu Andrea in das Bistro des Campingplatzes gesellte.

Dort warteten bereits einige Teilnehmer, denen die anstrengenden Windverhältnisse den Spaß genommen hatten, und die unterwegs auf den Windschatten der Deutschen Bahn umgestiegen waren. So war auf jeden Fall für Stimmung gesorgt und ich konnte die leeren Energiespeicher in geselliger Runde wieder auffüllen. Es gab leckeren Kuchen, Kekse und eine große Portion Kartoffelsalat mit Frikadellen.

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Epilog

Um kurz vor 03:00Uhr gewann dann die Müdigkeit die Oberhand und ich zog mich für die zweite Nacht in mein Matratzenlager zurück. Auch Andrea hat erfolglos versucht ein paar Minuten Schlaf in ihrem Liegstuhl zu erhaschen.

Um kurz vor 07:00Uhr erinnerte der Wecker mich dann unerbittlich daran, dass es Zeit zum Aufstehen sei, um dann mit dem Renner zum nächsten Bahnhof nach Saarlouis zu radeln.

Da die Erinnerung noch frisch war, habe ich die Zeit im Zug gleich für diesen Bericht genutzt. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Andrea und Stefan, dass sie bereits seit Jahren die Brevetserie im Saarland organisieren. Und natürlich an Roman und Thorsten für die angenehme Begleitung auf einem Großteil der Strecke. Ich komme wieder 🙂

 

 

 

Die Race Season ist eröffnet – Schönbuch-Trophy 2018

Heute stand mit der Schönbuch Trophy in Herrenberg mein erstes MTB-Rennen der Saison 2018 im Kalender. Nach einem „leckeren“ Frühstück bin ich gut gelaunt aufgebrochen, um meine Centurion Rennfeile (Backfire Carbon Team) ihrer wahren Bestimmung zuzuführen. Mit top Serienausstattung und gepimpt mit ein paar Tune-Teilen ist es sicher das schnellste Mountainbike, auf das ich je eingetreten habe.

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Power Porridge und Rote Bete Turbo Aperitif

Da ich dieses Jahr im Sommer einige längere Distanzen ins Auge gefasst habe, habe ich die Gelegenheit genutzt, ein paar Rennkilometer mehr zu sammeln. Und da in Herrenberg die Kurzdistanz (24km) und Langdistanz (48km) zeitlich so starten, dass man bei zügiger Fahrweise bei beiden Rennen nacheinander an den Start gehen kann, hatte ich mich schon im Vorfeld für beide Varianten angemeldet.

Als wir ankamen war die Straße leider nass und es regnete noch leicht. Bis zum Start der 24km-Runde hatte das Wetter aber ein Einsehen, der Regen war Geschichte und die Straße nur  noch leicht feucht. Die Wege im Wald hatten den Regen größtenteils rückstandsfrei aufgesogen und die Strecke mit hohem Trailanteil war in top Zustand.

Der erste Akt – 24km Kurzdistanz – Platz 3 Overall

Vor mir im Lizenzblock stand eine ganze Horde Junioren und Jugendfahrer, die mit Ertönen des Startschusses alles mobilisierten, was die jungen Beine hergaben. Und mich beschlich unwillkürlich das flaue Gefühl, dass das Wintertraining wohl doch nicht die gewünschte Wirkung hatte, als die junge Meute den ersten Berg ungebremst im Sprintmodus attackierte. Aber nach den ersten 2 Kilometern war alles wieder im Lot und die Jugend musste ihrem ungestümen Enthusiasmus Tribut zollen und sich einer nach dem anderen wieder hinter den vorderen Herren und Mastersfahrern einsortieren 😉

Das Tempo war aber weiter hoch und 3 schnelle Herren hatten sich im Getümmel der Juniorenmeute etwas von mir abgesetzt. Also Zähne zusammenbeißen und mit der nächsten Gruppen versuchen wieder Boden gut zu machen. Doch die Führenden hatten im Winter wohl auch trainiert… so dauerte es fast die komplette erste Hälfte des Rennens, bis ich mich von meiner aktuellen Gruppe absetzen und zum aktuell Drittplatzierten aufschließen konnte. Der hatte in der Zwischenzeit aber auch schon eine Lücke zum Führungsduo reißen lassen. Mit abwechselnder Führungsarbeit und gegenseitiger Windschattenspende konnten wir zwar die nächste Verfolgergruppe immer schön auf Abstand halten, aber leider auch nicht mehr zum vor uns fahrenden Duo aufschließen. Auf den letzten 3 Kilometern kündigten wir unser Zusammenarbeitsbündnis dann auf und eröffneten den Kampf um Platz 3. Keiner wollte wirklich nachgeben, aber auf dem letzten Kilometer konnte ich dann doch eine kleine Lücke reißen, die ich mit letzter Anstrengung auch ins Ziel retten konnte. Meine Freude im Ziel über den Podiumsplatz in der Gesamtwertung war natürlich groß 🙂

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Das spezielle bei der Schönbuchtrophy ist, dass die ersten drei der Gesamtwertung aus den Altersklassenwertungen heraus genommen werden. Sonst hätte ich mit meiner Zeit auch noch den Altersklassensieg in der Masters Wertung mit nach Hause nehmen können.

Doch wie sagt man so schön… nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Und so ging es schnurstracks wieder zurück zum Auto, um das Trikot und die Flaschen wieder mit neuer Verpflegung für den zweiten Akt zu füllen. Die Siegerehrung musste dadurch für mich auch ausfallen, da diese zeitgleich zur Austragung der Langdistanz stattfand.

Der zweite Akt – 48km Langdistanz – du sollst dich nicht überfressen

Nach dem guten Verlauf des ersten Aktes war meine Motivation ungebrochen und ich wollte auch bei der Langdistanz nochmal richtig Gas geben. Also schnell die Startnummer gewechselt und das Rad wieder fit gemacht für die nächste Runde. Um wieder mit vollen Speichern am Start zu stehen, wurde im Auto also in aller Eile ein Recovery Shake, zwei Gels und eine Flasche Iso in den Rachen gekippt. Das war wohl etwas zu viel des Guten für meinen Magen. Bereits am Start einen halbe Stunde später hatte ich einen hübschen Wasser-/Blähbauch vorzuweisen. Allerdings ohne Beschwerden, so dass ich mir eingeredet habe, dass das ganze Zeug im Rennen schon noch den Weg in die Blutbahn finden würde. Der Startschuss ließ nicht lange auf sich warten und die Rangelei um die vorderen Plätze begann von neuem. Doch bevor es in die erste Kurve ging, lag schon ein größeres Knäuel verkeilter Biker mitten auf der Straße. Im Eifer des Gefechts hatten sich wohl einige Verhakt. Mein Glück, dass ich in meiner Position kurz dahinter noch rechtzeitig abbremsen und ausweichen konnte. Im ersten längeren Anstieg wurde wieder das Feld sortiert. Bereits eine Runde in den Beinen lief es nicht mehr ganz so spritzig, ich konnte aber trotzdem in eine der vorderen Gruppen fahren und mich dort festbeißen. Doch je länger wir unterwegs waren, umso deutlicher meldete sich mein Magen…und um es noch schlimmer zu machen verschob sich das Problem zusehends eine Etage tiefer in den Darm… Die Details erspare ich euch – bei ca. Kilometer 20 hatte der Spaß auf jeden Fall endgültig ein Loch und ich musste äußerst kurzfristig einen unplanmäßigen Notstopp hinter ein paar Bäumen einlegen.

Danach war die Motivation gelinde gesagt leicht angeschlagen. Die schnellen Gruppen waren weg und ich war allein auf weiter Flur. Dafür ging es mir körperlich wieder deutlich besser und nach ein paar Metern konnte ich mich doch wieder motivieren den Zug auf die Kette zu erhöhen und zu einer größeren Gruppe vorzufahren. Diese Gruppe blieb dann auch fast die ganze zweite Runde zusammen. Erst am letzten extrem steilen Stich setzten sich 4 Fahrer – einschließlich mir – vom Rest der Gruppe ab und zogen gemeinsam vollends durch bis ins Ziel. Somit konnte ich mir noch den 12. Platz in meiner Altersklasse sichern. Das war zwar doch etwas unter meinen ursprünglichen Erwartungen, aber nach dem Verlauf der ersten Runde trotzdem zufriedenstellend. Zumindest habe ich wieder einiges über Sporternährung gelernt – falls ich mal wieder auf die glorreiche Idee kommen sollte zwei Rennen direkt hintereinander zu fahren 🙂

Zu Hause angekommen habe ich dann schnell die Glut angeheizt und es gab den Lohn der Arbeit…

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Die Eiweißspeicher wieder auffüllen…

 

Strava 24km:

https://www.strava.com/activities/1536742320/embed/503972d5d9b7ea04cb4b3bd634d29acc39a5f4cb

Strava 48km:

https://www.strava.com/activities/1536742710/embed/58675774e7544888bdd513c677b1a825810a106b

Winterzeit ist Trainingszeit

Es ist Winter und (vom Skifahren abgesehen) die Zeit im Jahr, um die Grundlage für die anstehenden Herausforderungen der kommenden Radsaison zu legen. Um mit prallem Terminkalender aus Familie, Job und Hobbies das maximale aus der limitierten Trainingszeit herauszuholen, versuche ich mein Training möglichst effizient zu gestalten. Und da kommt Thorsten Witt von www.witt-training.de ins Spiel. Bei ihm war ich letzte Woche wieder einmal zur Leistungsdiagnostik. Wie immer war die Betreuung top. Thorsten hat sich viel Zeit genommen. So wurden bei der spiroergometrischen Leistungsdiagnostik wieder die idealen Trainingsbereiche bestimmt. Dabei werden Atemgase und Laktatwerte aus dem Blut am Ohrläppchen während der Belastung ausgewertet, um genau zu ermitteln in welchen Leistungsbereichen im Training z.B. Intervalle oder Grundlageneinheiten idealerweise absolviert werden sollen.

Der Test geht bis zur Ausbelastung, wobei die Intensität immer weiter zunimmt. So dass das ganze ziemlich vorhersehbar völlig außer Atem und mit signifikanter Schweißentwicklung endet 😉 In meinem Fall bei über 17mmol/l Laktat. Vielleicht sollte ich mich statt auf die Langstrecken doch eher auf die kurzen Disziplinen konzentrieren…

Im Anschluss habe ich gleich noch mein neues #centurion Race Hardtail beim Bikefitting von ihm anpassen lassen. Konkret wurden der Vorbau getauscht und die Sattelposition und Position des Fußes auf den Pedalen optimiert. Das Material und dessen Einstellung taugen somit schon mal nicht als Ausrede – jetzt muss nur noch der innere Schweinhund beim Training im Winter überwunden werden und die Saison kann kommen 🙂

Trek zum heiligen Lake Brighu (4.270hm)

In den letzten drei Tagen haben mein Vater und ich noch ein besonderes Highlight unserer Indienreise erlebt. Organisiert und begleitet von Sarah Appelt von www.chalo-reisen.de haben wir den Aufstieg von Manali zum heiligen Lake Brighu auf 4270 Metern Höhe in Angriff genommen. Es geschafft zu haben und dieses besondere Erlebnis auch noch mit meinem siebzig jährigen Vater teilen zu können hat mich stolz und glücklich gemacht.

Die Route

Am ersten Tag sind wir die ersten Kilo- und Höhenmeter aus Manali heraus mit dem Geländewagen chauffiert worden.

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Von dort sind wir am ersten Tag auf ca. 3.500 Höhenmeter aufgestiegen und haben die erste Nacht verbracht. Unser einheimischer Bergführer hat ein gemächliches Tempo vorgegeben, so dass alle aus der Gruppe gut mitgekommen sind. Trotzdem ein komisches Gefühl relativ langsam zu gehen und trotzdem aufgrund der Höhe schon außer Atem zu sein. Am zweiten Tag ging es dann in der ersten Tageshälfte weiter bergauf zum eigentlichen Highlight unseres Treks – dem heiligen Lake Brighu auf 4.270 Metern. Ein tolles Gefühl es mit dem eigenen Vater geschafft zu haben.

Danach ging es noch etwas auf der Höhe weiter mit tollen Ausblicken auf die umliegenden Sechstausender bevor wir wieder zur Baumgrenze (die hier auf stark 3.000 Höhenmetern liegt) abgestiegen sind und dort unser Camp für die zweite Nacht aufgeschlagen haben.

Am dritten Tag ging es dann nur noch bergab, was zwar den Puls und die Atmung nicht mehr in die Höhe getrieben hat, aber umso mehr die Knie in Anspruch nahm. Mein Vater Martin hat auch diese Etappe, wie auch die Tage davor, trotz hoher Stufen und rutschiger/gerölliger Passagen ohne jegliche Probleme gemeistert. So sind alle unversehrt am Zielort des Tracks in Vashist angekommen. Dort entspringen heiße Schwefelquellen. Das Wasser war an diesem Tag aber so heiß, dass wir das Bad in den Quellen ausgelassen haben. Von dort ging es die letzten Kilometer mit einem Tuk-Tuk (dreirädrige Autorikscha) zurück zum Startort Manali.

Das Team

Neben Martin und mir waren noch zwei Israelische Frauen und unsere Reiseveranstalterin Sarah Appelt Teil der Wandergruppe. Begleitet und versorgt wurden wir von einer vierköpfigen Crew. Einem Bergführer, zwei Helfern und unserem Horseman. Jeder musste nur sein Tagesgepäck selbst tragen. Die Zelte und die Verpflegung/Austrüstung fürs Camp wurden auf die drei Pferde verteilt.

Die Crew verstand es mit einfachsten Mitteln im Camp ein wahres Festmahl zu zaubern. So gab es gleich bei Ankunft im jeweiligen Camp einen kleinen Snack mit Tee und zum Abendessen ein Mehrgängemenü mit Suppe, Hauptspeiße und Nachtisch. Und auch beim Frühstück war mit Omlette, Rührei, Pfannkuchen, Obstsalat, Müsli und Toast für alles gesorgt, was das Herz begehrt 🙂

 

Die Camps

Die Crew selbst hat die Nächte dann im Küchenzelt verbracht, während wir in kleinen Igluzelten untergebracht waren.

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Die Camps waren immer an einem kleinen Wasserlauf gelegen, so dass genug Wasser zum Kochen oder für eine kleine Katzenwäsche zur Verfügung stand.

Das Wetter

Mit dem Wetter hatten wir wirklich Glück. Es gab zwar immer Mal wieder Wolken, die in einer Nacht auch ein paar Regentropfen abgegeben haben. Aber im Großen und Ganzen hat die Sonne gescheint und wir hatten klare Sichtverhältnisse und konnten die Ausblicke zu den umliegenden Gipfeln genießen. In den Nächten wurde es vor allem in den frühen Morgenstunden mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt empfindlich kalt. So dass wir uns mit Mütze in unsere warmen Schlafsäcke vergraben haben.

Alles in Allem wirklich ein super Erlebnis. Wenn ihr auch einmal einen Trip in Indien plant, dann kann ich euch www.chalo-reisen.de nur wärmstens empfehlen. Jetzt sitzen wir gerade im Nachtbus von Manali nach Delhi, um am heutigen Tag dann den Taj Mahal in Agra zu besichtigen.

MTB Himalaya 2017 – Etappe 7/8 und Finish :-)

Geschafft!! Marcus, mein Vater und ich sind wohlbehalten im Ziel in Dharamshala angekommen und haben es uns nach einer Woche im Zelt die letzte Nacht im Hotel so richtig gut gehen lassen.

Die Quintessenz: geniale Landschaften, top Trails, super Camps, viele neue Freundschaften aus aller Welt und ein hochmotiviertes Organisationsteam haben die Woche zu einem unvergesslichen Erlebnis verschmelzen lassen, das ich jedem fitten Mountainbiker nur wärmstens empfehlen kann.

Bevor wir es aber im Ziel bei der Finisherparty krachen lassen konnten, mussten noch Etappe 7 und 8 überwunden werden.

Etappe 7

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Auf der siebten Etappe führten 89km und über 2.100hm über verblockte Trails und einige Tragepassagen vorbei an einigen der schönsten Aussichten des gesamten Rennens.

Unter anderem sind wir am Startplatz eines weltweit bekannten Paragliding Hotspots vorbeigekommen, von dem aus auch schon Gleitschirm Worldcups gestartet sind.

Bei Marcus und mir lief es jeweils gut und wir konnten die Etappe so richtig genießen.

Das Camp war wieder wunderschön auf dem Sportgelände eines Landwirtschaft-Colleges am Fuße einiger Himalayariesen gelegen.

 

Etappe 8

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Die letzte Etappe war mit nur 56km zwar nicht besonders lang. Da die 1.740hm aber trotzdem untergebracht werden mussten ging es eigentlich nie eben, sondern entweder steil bergauf oder bergab. Vor allem der letzte Anstieg hat auf losem Geröll nochmals richtig Körner gekostet, so dass das Überqueren der letzten Ziellinie nochmals hart erkämpft werden musste. Erst einmal im Ziel angekommen sind natürlich alle Strapazen vergessen und man sonnt sich im Erreichten und einer monströsen Endorphindusche.

 

Nachdem wir uns letzte Nacht im Hotelbett so richtig erholt haben, geht es heute zu einer langen Autofahrt nach Manali von wo mein Vater und ich dann zu einem dreitägigen Treck durch die höheren Regionen des Himalaya aufbrechen werden. Nach all dem Trubel des Rennens freuen wir uns schon auf ein paar ruhigere Tage. Amina (Marcus Freundin) ist gestern auch angereist und die beiden werden auch noch ein paar Tage in den Bergen und Delhi anhängen.