Salzkammergut Trophy 2018 – ein langer Tag im Sattel

Die Heimreise am Sonntag ist geschafft und der erste Tag der körperlichen Regeneration im Büro ist auch Geschichte. Zeit für einen Rennbericht zu meiner ersten Teilnahme bei der Salzkammergut Trophy. Schon seit Jahren stand dieses Event auf meiner Wunschliste. Wirbt der Veranstalter doch damit, dass er mit der 210,2km langen und 7.119 Höhenmetern zählenden Strecke, Europas härtesten MTB Marathon im Programm hat. Wer kann da schon widerstehen. Und dieses Jahr sollte es endlich auch für mich soweit sein. Und so nahm ich die Salzkammergut Trophy (SKGT) bereits zu Jahresbeginn in meine Saisonplanung mit auf. Ich hatte schon viel von diesem Event gehört. Zum einen von der tollen Landschaft, zum anderen von der anspruchsvollen Strecke und top Organisation.

Einziges Handycap wurde meine kurzfristige Teilnahme beim Race Across Germany (RAG). Nur knapp zwei Wochen Rennpause zwischen RAG und SKGT waren riskant und ein kurzfristiges Absagen der SKGT nicht unwahrscheinlich. Riskant deshalb, da sich die vollständige körperliche Regeneration nach einer Ultracycling Belastung wie dem RAG durchaus über mehrere Wochen hinziehen kann. Auf jeden Fall war es eine gute Motivation, um nach dem RAG möglichst schnell wieder in den Sattel zu kommen 😉

Und das Gefühl auf dem Rad war eigentlich wieder ganz gut. Einziges Manko war mein linkes Knie, das mir den RAG-Dauereinsatz noch nicht ganz verziehen hatte und noch etwas Voltaren-Zuwendung forderte. Aber auch das war nach zwei Wochen schon fast wieder komplett in Ordnung.

Und so bin ich am Freitag gemeinsam mit Joachim Oberföll nach Bad Goisern (Österreich) aufgebrochen, um mich der nächsten Herausforderung zu stellen. Untergekommen waren wir nur 300 Meter entfernt vom Start in einer „8er WG“ mit 6 weiteren Teilnehmern, die uns und unsere Bikes dankenswerterweise kurzfristig aufgenommen haben. Danke an dieser Stelle nochmal an Lukas Kaufmann (http://kaufmannlukas94.blogspot.com/) für das Asyl.

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8er WG mit zwei 4er Zimmern als perfekte Voraussetzung für erholsamen Schlaf 😉

Der Freitagnachmittag war mit Anmeldeunterlagen holen, Fahrrad und Ausrüstung richten und einem letzten Pasta-Carboloading auch schnell vorbei und jeder hat versucht noch eine Mütze Schlaf zu bekommen, bevor morgens um 03:00Uhr die Wecker klingelten und um 05:00Uhr im Morgengrauen der Startschuss für die Langdistanz fiel.

Endlich geht es los und das Zittern im Startblock hat ein Ende. Da es mit ca. 10° noch sehr kalt ist, bin ich heilfroh, dass es nach ein paar flachen Metern gleich zum Aufwärmen in den ersten langen Anstieg geht.

Ich reihe mich irgendwo bei den ersten 70-100 Teilnehmern in den Bandwurm ein, der sich Biker an Biker den Berg hinaufschiebt. Meine Beine fühlen sich gut an und ich achte streng auf meinen Powermeter, um nicht gleich am ersten Anstieg wichtige Körner für den restlichen Tag zu verschießen.

Die Sonne geht langsam auf und verschafft uns traumhafte Aussichten auf die umliegenden Gipfel.

Und schon kommt das erste Highlight der Strecke: die Ewige Wand mit ihrem sagenhaften Panorama, das man nur durch Drahtseile vom tiefen Abgrund getrennt, genießen kann.

Die nächsten Stunden laufen ziemlich unspektakulär. Ich nehme regelmäßig an den Verpflegungsstellen frische Isoflaschen, genieße die technisch anspruchsvollen Downhillpassagen, ernähre mich von den Gels, die ich im Trikot selbst mitgebracht habe, und achte darauf nicht zu überziehen – der Tag ist ja noch lang. Um mich herum habe ich immer Gesellschaft anderer Fahrer der A-Distanz und es kommt sogar der ein oder andere kurze Plausch zustande.

Als wir nach einer längeren Runde das zweite Mal an die Ewige Wand kommen, stoßen schnelle Fahrer der B-Distanz zu uns, die später gestartet sind, und diesen Teil der Strecke nur einmal fahren. Ich meine mich zu erinnern, dass nach der nächsten langen Abfahrt eine lange flache Überführungspassage mit ca. 20km rund um den See ansteht. Deshalb hefte ich mich in der Abfahrt an die schnellen B-Fahrer, um auf der kommenden Flachpassage von ihrem Windschatten zu profitieren. In der technischen Abfahrt muss ich hierzu alles geben, da die Jungs auf Fullys und ich nur mit Hardtail unterwegs bin.

Voll am Anschlag geht es die ersten flachen Meter nach Bad Goisern zurück, bevor die Umrundung des Sees ansteht. Ich bin euphorisch, dass ich eine top Gruppe mit B-Fahrern erwischt habe. Was ein Schreck, als sich die Strecke ein paar Meter später aufteilt. Die B-Fahrer dürfen direkt an den See und die A-Fahrer dürfen noch einen „kleinen“ Schlenker mit etlichen hundert Höhenmetern einschieben. Ich bin allein auf weiter Flur – die B-Fahrer alle abgebogen und die ähnlich starken Fahrer der A-Distanz Minuten hinter mir. Ich nehme etwas Druck raus und hoffe, dass meine vorherige Gruppe der A-Fahrer schnell zu mir aufschließt. Als ich selbst am nächsten längeren Schotteranstieg hinter mir niemanden sehe, finde ich mich damit ab längere Zeit alleine unterwegs zu sein, und gebe wieder Schub.

Um den See herum muss ich als Konsequenz daraus leider komplett alleine im Wind fahren. Es sind zwar auch wieder viele B-Fahrer auf der Strecke. Aber die schnellen sind alle schon enteilt und es findet sich leider keine Gruppe, die annähernd ein passendes Tempo für mich fährt. Am See habe ich auch das erste Mal mit meiner Verpflegung zu kämpfen. Meine Trinkflaschen sind beide leer und die nächste Verpflegung ist erst am Ende des Sees in Aussicht. Auf die nächste Gruppe B-Fahrer, die ich überhole, lasse ich einen Hilfeschrei nach Wasser los. Und tatsächlich…eine Fahrerin erbarmt sich meiner und gibt mir ein paar Schlucke aus ihrer Flasche ab. Das gleiche Spiel wiederholt sich noch ein weiteres Mal erfolgreich während der langen Flachpassage. Ich bedanke mich beide Male überglücklich, bin beeindruckt von der Hilfsbereitschaft und flitze weiter.

So langsam gehen auch die Gels in meiner Trikottasche zur Neige, so dass ich bei der nächsten Verpflegungsstation neben einer vollen Isoflasche auch Ausschau nach Gels halte. Die Verpflegungsstationen sind wirklich reichhaltig bestückt und es gibt alles, was das Tourenfahrerherz begehrt (Kuchen, Obst, Käse, Wurst, …). Ich überlege kurz statt Gel auf ein deftiges Vesper umzusteigen. In diesem Moment sagt der Moderator aber meine aktuelle Platzierung durch und ich bin wie elektrisiert. Platz 26 hätte ich bei diesem starken Fahrerfeld nie für möglich gehalten. Jegliche Überlegungen zu längeren Pausen an den Verpflegungsstationen schiebe ich beiseite und ich bin vom Gedanken besessen die Platzierung ins Ziel zu retten, schnappe mir nur schnell eine Banane für die Trikottasche und hoffe auf Gels an den noch folgenden Verpflegungsstellen. Um es vorwegzunehmen: meine Hoffnung wird enttäuscht. Ich bleibe die restliche Fahrt bei Bananen und so viel Kuchen, wie man beim Aufnehmen einer neuen Isoflasche mit der Hand in einem Rutsch in den Mund stopfen kann 😉

Ein paar Kilometer nach der Verpflegung beginnt der berühmt berüchtigte Anstieg zum Salzberg. In steilen Serpentinen geht es Meter um Meter im Pulk der B-Fahrer bergauf und der Schweiß fließt mir in der Mittagshitze von bis zu 33° in Strömen über den ganzen Körper.

Nach den Serpentinen keimt kurz die Hoffnung in mir auf das schlimmste geschafft zu haben. Doch in der Mittagssonne tauchen direkt vor mir die wirklich steilen Rampen des Tages auf, die sich den Fahrern mit bis zu 20-30% Steigung in den Weg stellen. Ich habe zwar extra ein 32er Kettenblatt für meine SRAM Eagle montiert, aber an der steilsten Stelle muss ich bei Trittfrequenzen unter 40 Umdrehungen pro Minute trotzdem einsehen, dass Schieben schneller und kraftsparender geht als Fahren, und steige demütig vom Rad.

Die nächsten zwei Schotteranstiege danach werden nochmals richtig hart. Ich bin schon seit über 8 Stunden unterwegs und die vielen Höhenmeter fordern ihren Tribut. Beim Blick auf die Wattzahlen sehe ich, dass ich nur noch im unteren G2-Bereich unterwegs bin und rechne jederzeit damit, dass mich reihenweise andere Fahrer wieder überholen. Doch scheinbar geht es den anderen jetzt auch nicht mehr besser als mir. Ich werde zwar die letzten 2-3 Stunden noch von zwei Fahrern überholt, kann aber meinerseits auch noch ein paar Plätze gut machen und schiebe mich somit vom 26. auf den 22. Platz vor.

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Platzierung und Zwischenzeiten – ich kann mich kontinuierlich nach vorne arbeiten

Besonders freut es mich als Stefan Schubert, ein direkter Konkurrent auf der A-Strecke, meine verzweifelte Suche nach Gels an einer der letzten Verpflegungsstellen mitbekommt und mir daraufhin ein Gel aus seinem persönlichen Vorrat schenkt. Ganz große sportliche Geste Stefan. Vielen Dank nochmal dafür!!

Die letzte knappe Stunde geht es dann von kleineren Anstiegen ausgenommen fast nur noch bergab oder eben bis ins Ziel. Das Ziel vor Augen kann ich meinem Körper zumindest noch die Durchschnittsleistung der letzten Stunden weiter abwringen und komme nach 11 Stunden und 17 Minuten völlig erschöpft, aber überglücklich über den tollen Rennverlauf im Ziel an.

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Zieleinlauf

Von Platz 22 gesamt und elftem Platz in meiner Altersklasse (Ü30) hätte ich bei den über 700 internationalen Teilnehmern auf der Langstrecke niemals zu träumen gewagt. Im Ziel genieße ich die reichhaltige Zielverpflegung und nutze endlich auch das Angebot an Wurst und Käse, das ich an den Verpflegungsstationen aus Zeitmangel und im Hinblick auf eine möglichst gute Platzierung ausgeschlagen hatte (aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben) 😉

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Finisherfoto

Mein Centurion Backfire Carbon Team hat mich wieder einmal nicht enttäuscht. Kein einziger Defekt am Rad auf der langen und anspruchsvollen Strecke. Und auch Tune hat wieder einmal bewiesen, dass leicht nicht unbequem sein muss. Auf dem Tune Carbon Sattel „Komm Vor“ hätte ich auch noch einige Kilometer länger ausgehalten 🙂

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Racefeile – ohne einen einzigen Defekt, aber von den Strapazen gezeichnet

Den Abend lasse ich gemeinsam mit Jo bei einem leckeren Steak, jeder Menge Eis und einer Massage ausklingen, bevor wir am Sonntagmorgen wieder den Weg nach Hause antreten.

Einen riesen Dank auch noch an meinen Schatz Sandra, dass sie so kurz nach dem RAG nochmal beide Augen zugedrückt hat, und mich schon wieder ein Wochenende hat ziehen lassen!

Jetzt ist erst einmal drei Wochen auf sportlicher Ebene Regeneration und Training angesagt, bevor mit den 24h von Schötz das letzte große Saisonhighlight auf mich wartet.

 

 

 

 

 

Ziel Rekalibrierung / Black Forest Ultra Bike Marathon Spontanstart

Eigentlich wollte ich kommenden Freitag gemeinsam mit Begleitcrew das Race Across the Alps in Angriff nehmen. In der engen Familie haben wir aber einen Trauerfall zu beklagen 😦 Deshalb wird aus dem RATA-Start kurzfristig nichts, da Beerdigung und RATA zeitgleich stattfinden und das RATA da natürlich hintenansteht.

Deshalb habe ich nach Alternativen Ausschau gehalten, um die aufgebaute RATA-Form anderweitig auf die Straße zu bringen. Und siehe da, das Race Across Germany (RAG) von Flensburg nach Garmisch findet eine Woche später statt. So wird aus dem RATA-Rookie eben ein RAG-Wiederholungstäter. Wobei ich das RAG dieses Jahr ohne Begleitfahrzeug „non-supported“ in Angriff nehmen werde.

Und statt mich heute (Sonntag) für den Start beim RATA zu schonen, habe ich gestern spontan noch für den Black Forest Ultra Bike Marathon gemeldet und zur Abwechslung vom Rennrad mal wieder mein Centurion Backfire Carbon aus dem Stall geholt.

Durch die spontane Entscheidung konnte ich erst am Renntag anreisen und so klingelte mich der Wecker morgens um 4Uhr aus den Federn. Nach kurzer Katzenwäsche ging es direkt mit dem Auto nach Kirchzarten (Südschwarzwald) zum Start.

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Lecker Frühstück für die Autofahrt

Auf der Fahrt zwischen halb fünf und fünf habe ich noch schnell die obligatorischen Expresskalorien zugeführt, damit der Tank zum Start um 07:45Uhr nicht völlig leer ist. Das Warm-up auf dem Rad vor Ort wurde dann auch eher zu einem zweiten Wake-up, da der Kreislauf noch etwas widerwillig auf Sport zu solch unchristlicher Zeit reagiert hat.

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Startaufstellung – top Wetterbedingungen – nicht zu warm und nicht zu kalt

Im Ziel war ich dann positiv von meiner Platzierung überrascht (5. Platz Altersklasse von 266 Finishern und gesamt 20. von 1.212). Überrascht vor allem deshalb, da ich aufgrund der späten Anmeldung aus dem dritten Startblock starten musste, und während des gesamten Rennens nicht wusste an welcher Position ich liege. Von hinten musste man sich dann durch das Feld der Lizenzdamen (die zeitgleich auf dem Kurs die Deutsche Marathon Meisterschaft bestritten) und die vorderen Hobbyblöcke „arbeiten“, die jeweils mit ein paar Minuten Vorsprung auf die Strecke sind. Gut für die Moral, da man ständig überholt. Aber schlecht für die Performance, da man nicht in einer schnellen Gruppe Windschatten fahren kann und die Überholvorgänge vor allem auf engen Trails sehr viel Kraft kosten. Cooles Gefühl, wenn man im Ziel dann trotzdem ein paar Sekunden schneller als die neue Deutsche Meisterin unterwegs war – ich weiß… typisch Machomänner 😉 Bei einem Start im ersten Block hätte es vielleicht sogar aufs Treppchen in der Altersklasse gereicht…, hätte, hätte, Fahrradkette, …

Der Black Forest Ultrabike ist wirklich ein super Event. Die Strecke ist zwar vom technischen Anspruch nichts Besonderes, aber die motivierten Zuschauer, die einen an der Strecke ständig anfeuern, das schöne Veranstaltungsgelände, die gute Zielverpflegung und die top Organisation vor Ort, gleichen das mehr als aus.

Und der Start am frühen Morgen hatte zumindest den Vorteil, dass ich pünktlich zum Anpfiff des Deutschland-Spiels wieder bei meinen Jungs zu Hause war 🙂

Die nächste (sicher auch wieder ausführlichere Story) gibt es dann bald vom Race Across Germany.

Die Race Season ist eröffnet – Schönbuch-Trophy 2018

Heute stand mit der Schönbuch Trophy in Herrenberg mein erstes MTB-Rennen der Saison 2018 im Kalender. Nach einem „leckeren“ Frühstück bin ich gut gelaunt aufgebrochen, um meine Centurion Rennfeile (Backfire Carbon Team) ihrer wahren Bestimmung zuzuführen. Mit top Serienausstattung und gepimpt mit ein paar Tune-Teilen ist es sicher das schnellste Mountainbike, auf das ich je eingetreten habe.

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Power Porridge und Rote Bete Turbo Aperitif

Da ich dieses Jahr im Sommer einige längere Distanzen ins Auge gefasst habe, habe ich die Gelegenheit genutzt, ein paar Rennkilometer mehr zu sammeln. Und da in Herrenberg die Kurzdistanz (24km) und Langdistanz (48km) zeitlich so starten, dass man bei zügiger Fahrweise bei beiden Rennen nacheinander an den Start gehen kann, hatte ich mich schon im Vorfeld für beide Varianten angemeldet.

Als wir ankamen war die Straße leider nass und es regnete noch leicht. Bis zum Start der 24km-Runde hatte das Wetter aber ein Einsehen, der Regen war Geschichte und die Straße nur  noch leicht feucht. Die Wege im Wald hatten den Regen größtenteils rückstandsfrei aufgesogen und die Strecke mit hohem Trailanteil war in top Zustand.

Der erste Akt – 24km Kurzdistanz – Platz 3 Overall

Vor mir im Lizenzblock stand eine ganze Horde Junioren und Jugendfahrer, die mit Ertönen des Startschusses alles mobilisierten, was die jungen Beine hergaben. Und mich beschlich unwillkürlich das flaue Gefühl, dass das Wintertraining wohl doch nicht die gewünschte Wirkung hatte, als die junge Meute den ersten Berg ungebremst im Sprintmodus attackierte. Aber nach den ersten 2 Kilometern war alles wieder im Lot und die Jugend musste ihrem ungestümen Enthusiasmus Tribut zollen und sich einer nach dem anderen wieder hinter den vorderen Herren und Mastersfahrern einsortieren 😉

Das Tempo war aber weiter hoch und 3 schnelle Herren hatten sich im Getümmel der Juniorenmeute etwas von mir abgesetzt. Also Zähne zusammenbeißen und mit der nächsten Gruppen versuchen wieder Boden gut zu machen. Doch die Führenden hatten im Winter wohl auch trainiert… so dauerte es fast die komplette erste Hälfte des Rennens, bis ich mich von meiner aktuellen Gruppe absetzen und zum aktuell Drittplatzierten aufschließen konnte. Der hatte in der Zwischenzeit aber auch schon eine Lücke zum Führungsduo reißen lassen. Mit abwechselnder Führungsarbeit und gegenseitiger Windschattenspende konnten wir zwar die nächste Verfolgergruppe immer schön auf Abstand halten, aber leider auch nicht mehr zum vor uns fahrenden Duo aufschließen. Auf den letzten 3 Kilometern kündigten wir unser Zusammenarbeitsbündnis dann auf und eröffneten den Kampf um Platz 3. Keiner wollte wirklich nachgeben, aber auf dem letzten Kilometer konnte ich dann doch eine kleine Lücke reißen, die ich mit letzter Anstrengung auch ins Ziel retten konnte. Meine Freude im Ziel über den Podiumsplatz in der Gesamtwertung war natürlich groß 🙂

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Das spezielle bei der Schönbuchtrophy ist, dass die ersten drei der Gesamtwertung aus den Altersklassenwertungen heraus genommen werden. Sonst hätte ich mit meiner Zeit auch noch den Altersklassensieg in der Masters Wertung mit nach Hause nehmen können.

Doch wie sagt man so schön… nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Und so ging es schnurstracks wieder zurück zum Auto, um das Trikot und die Flaschen wieder mit neuer Verpflegung für den zweiten Akt zu füllen. Die Siegerehrung musste dadurch für mich auch ausfallen, da diese zeitgleich zur Austragung der Langdistanz stattfand.

Der zweite Akt – 48km Langdistanz – du sollst dich nicht überfressen

Nach dem guten Verlauf des ersten Aktes war meine Motivation ungebrochen und ich wollte auch bei der Langdistanz nochmal richtig Gas geben. Also schnell die Startnummer gewechselt und das Rad wieder fit gemacht für die nächste Runde. Um wieder mit vollen Speichern am Start zu stehen, wurde im Auto also in aller Eile ein Recovery Shake, zwei Gels und eine Flasche Iso in den Rachen gekippt. Das war wohl etwas zu viel des Guten für meinen Magen. Bereits am Start einen halbe Stunde später hatte ich einen hübschen Wasser-/Blähbauch vorzuweisen. Allerdings ohne Beschwerden, so dass ich mir eingeredet habe, dass das ganze Zeug im Rennen schon noch den Weg in die Blutbahn finden würde. Der Startschuss ließ nicht lange auf sich warten und die Rangelei um die vorderen Plätze begann von neuem. Doch bevor es in die erste Kurve ging, lag schon ein größeres Knäuel verkeilter Biker mitten auf der Straße. Im Eifer des Gefechts hatten sich wohl einige Verhakt. Mein Glück, dass ich in meiner Position kurz dahinter noch rechtzeitig abbremsen und ausweichen konnte. Im ersten längeren Anstieg wurde wieder das Feld sortiert. Bereits eine Runde in den Beinen lief es nicht mehr ganz so spritzig, ich konnte aber trotzdem in eine der vorderen Gruppen fahren und mich dort festbeißen. Doch je länger wir unterwegs waren, umso deutlicher meldete sich mein Magen…und um es noch schlimmer zu machen verschob sich das Problem zusehends eine Etage tiefer in den Darm… Die Details erspare ich euch – bei ca. Kilometer 20 hatte der Spaß auf jeden Fall endgültig ein Loch und ich musste äußerst kurzfristig einen unplanmäßigen Notstopp hinter ein paar Bäumen einlegen.

Danach war die Motivation gelinde gesagt leicht angeschlagen. Die schnellen Gruppen waren weg und ich war allein auf weiter Flur. Dafür ging es mir körperlich wieder deutlich besser und nach ein paar Metern konnte ich mich doch wieder motivieren den Zug auf die Kette zu erhöhen und zu einer größeren Gruppe vorzufahren. Diese Gruppe blieb dann auch fast die ganze zweite Runde zusammen. Erst am letzten extrem steilen Stich setzten sich 4 Fahrer – einschließlich mir – vom Rest der Gruppe ab und zogen gemeinsam vollends durch bis ins Ziel. Somit konnte ich mir noch den 12. Platz in meiner Altersklasse sichern. Das war zwar doch etwas unter meinen ursprünglichen Erwartungen, aber nach dem Verlauf der ersten Runde trotzdem zufriedenstellend. Zumindest habe ich wieder einiges über Sporternährung gelernt – falls ich mal wieder auf die glorreiche Idee kommen sollte zwei Rennen direkt hintereinander zu fahren 🙂

Zu Hause angekommen habe ich dann schnell die Glut angeheizt und es gab den Lohn der Arbeit…

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Die Eiweißspeicher wieder auffüllen…

 

Strava 24km:

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Strava 48km:

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