Salzkammergut Trophy 2018 – ein langer Tag im Sattel

Die Heimreise am Sonntag ist geschafft und der erste Tag der körperlichen Regeneration im Büro ist auch Geschichte. Zeit für einen Rennbericht zu meiner ersten Teilnahme bei der Salzkammergut Trophy. Schon seit Jahren stand dieses Event auf meiner Wunschliste. Wirbt der Veranstalter doch damit, dass er mit der 210,2km langen und 7.119 Höhenmetern zählenden Strecke, Europas härtesten MTB Marathon im Programm hat. Wer kann da schon widerstehen. Und dieses Jahr sollte es endlich auch für mich soweit sein. Und so nahm ich die Salzkammergut Trophy (SKGT) bereits zu Jahresbeginn in meine Saisonplanung mit auf. Ich hatte schon viel von diesem Event gehört. Zum einen von der tollen Landschaft, zum anderen von der anspruchsvollen Strecke und top Organisation.

Einziges Handycap wurde meine kurzfristige Teilnahme beim Race Across Germany (RAG). Nur knapp zwei Wochen Rennpause zwischen RAG und SKGT waren riskant und ein kurzfristiges Absagen der SKGT nicht unwahrscheinlich. Riskant deshalb, da sich die vollständige körperliche Regeneration nach einer Ultracycling Belastung wie dem RAG durchaus über mehrere Wochen hinziehen kann. Auf jeden Fall war es eine gute Motivation, um nach dem RAG möglichst schnell wieder in den Sattel zu kommen 😉

Und das Gefühl auf dem Rad war eigentlich wieder ganz gut. Einziges Manko war mein linkes Knie, das mir den RAG-Dauereinsatz noch nicht ganz verziehen hatte und noch etwas Voltaren-Zuwendung forderte. Aber auch das war nach zwei Wochen schon fast wieder komplett in Ordnung.

Und so bin ich am Freitag gemeinsam mit Joachim Oberföll nach Bad Goisern (Österreich) aufgebrochen, um mich der nächsten Herausforderung zu stellen. Untergekommen waren wir nur 300 Meter entfernt vom Start in einer „8er WG“ mit 6 weiteren Teilnehmern, die uns und unsere Bikes dankenswerterweise kurzfristig aufgenommen haben. Danke an dieser Stelle nochmal an Lukas Kaufmann (http://kaufmannlukas94.blogspot.com/) für das Asyl.

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8er WG mit zwei 4er Zimmern als perfekte Voraussetzung für erholsamen Schlaf 😉

Der Freitagnachmittag war mit Anmeldeunterlagen holen, Fahrrad und Ausrüstung richten und einem letzten Pasta-Carboloading auch schnell vorbei und jeder hat versucht noch eine Mütze Schlaf zu bekommen, bevor morgens um 03:00Uhr die Wecker klingelten und um 05:00Uhr im Morgengrauen der Startschuss für die Langdistanz fiel.

Endlich geht es los und das Zittern im Startblock hat ein Ende. Da es mit ca. 10° noch sehr kalt ist, bin ich heilfroh, dass es nach ein paar flachen Metern gleich zum Aufwärmen in den ersten langen Anstieg geht.

Ich reihe mich irgendwo bei den ersten 70-100 Teilnehmern in den Bandwurm ein, der sich Biker an Biker den Berg hinaufschiebt. Meine Beine fühlen sich gut an und ich achte streng auf meinen Powermeter, um nicht gleich am ersten Anstieg wichtige Körner für den restlichen Tag zu verschießen.

Die Sonne geht langsam auf und verschafft uns traumhafte Aussichten auf die umliegenden Gipfel.

Und schon kommt das erste Highlight der Strecke: die Ewige Wand mit ihrem sagenhaften Panorama, das man nur durch Drahtseile vom tiefen Abgrund getrennt, genießen kann.

Die nächsten Stunden laufen ziemlich unspektakulär. Ich nehme regelmäßig an den Verpflegungsstellen frische Isoflaschen, genieße die technisch anspruchsvollen Downhillpassagen, ernähre mich von den Gels, die ich im Trikot selbst mitgebracht habe, und achte darauf nicht zu überziehen – der Tag ist ja noch lang. Um mich herum habe ich immer Gesellschaft anderer Fahrer der A-Distanz und es kommt sogar der ein oder andere kurze Plausch zustande.

Als wir nach einer längeren Runde das zweite Mal an die Ewige Wand kommen, stoßen schnelle Fahrer der B-Distanz zu uns, die später gestartet sind, und diesen Teil der Strecke nur einmal fahren. Ich meine mich zu erinnern, dass nach der nächsten langen Abfahrt eine lange flache Überführungspassage mit ca. 20km rund um den See ansteht. Deshalb hefte ich mich in der Abfahrt an die schnellen B-Fahrer, um auf der kommenden Flachpassage von ihrem Windschatten zu profitieren. In der technischen Abfahrt muss ich hierzu alles geben, da die Jungs auf Fullys und ich nur mit Hardtail unterwegs bin.

Voll am Anschlag geht es die ersten flachen Meter nach Bad Goisern zurück, bevor die Umrundung des Sees ansteht. Ich bin euphorisch, dass ich eine top Gruppe mit B-Fahrern erwischt habe. Was ein Schreck, als sich die Strecke ein paar Meter später aufteilt. Die B-Fahrer dürfen direkt an den See und die A-Fahrer dürfen noch einen „kleinen“ Schlenker mit etlichen hundert Höhenmetern einschieben. Ich bin allein auf weiter Flur – die B-Fahrer alle abgebogen und die ähnlich starken Fahrer der A-Distanz Minuten hinter mir. Ich nehme etwas Druck raus und hoffe, dass meine vorherige Gruppe der A-Fahrer schnell zu mir aufschließt. Als ich selbst am nächsten längeren Schotteranstieg hinter mir niemanden sehe, finde ich mich damit ab längere Zeit alleine unterwegs zu sein, und gebe wieder Schub.

Um den See herum muss ich als Konsequenz daraus leider komplett alleine im Wind fahren. Es sind zwar auch wieder viele B-Fahrer auf der Strecke. Aber die schnellen sind alle schon enteilt und es findet sich leider keine Gruppe, die annähernd ein passendes Tempo für mich fährt. Am See habe ich auch das erste Mal mit meiner Verpflegung zu kämpfen. Meine Trinkflaschen sind beide leer und die nächste Verpflegung ist erst am Ende des Sees in Aussicht. Auf die nächste Gruppe B-Fahrer, die ich überhole, lasse ich einen Hilfeschrei nach Wasser los. Und tatsächlich…eine Fahrerin erbarmt sich meiner und gibt mir ein paar Schlucke aus ihrer Flasche ab. Das gleiche Spiel wiederholt sich noch ein weiteres Mal erfolgreich während der langen Flachpassage. Ich bedanke mich beide Male überglücklich, bin beeindruckt von der Hilfsbereitschaft und flitze weiter.

So langsam gehen auch die Gels in meiner Trikottasche zur Neige, so dass ich bei der nächsten Verpflegungsstation neben einer vollen Isoflasche auch Ausschau nach Gels halte. Die Verpflegungsstationen sind wirklich reichhaltig bestückt und es gibt alles, was das Tourenfahrerherz begehrt (Kuchen, Obst, Käse, Wurst, …). Ich überlege kurz statt Gel auf ein deftiges Vesper umzusteigen. In diesem Moment sagt der Moderator aber meine aktuelle Platzierung durch und ich bin wie elektrisiert. Platz 26 hätte ich bei diesem starken Fahrerfeld nie für möglich gehalten. Jegliche Überlegungen zu längeren Pausen an den Verpflegungsstationen schiebe ich beiseite und ich bin vom Gedanken besessen die Platzierung ins Ziel zu retten, schnappe mir nur schnell eine Banane für die Trikottasche und hoffe auf Gels an den noch folgenden Verpflegungsstellen. Um es vorwegzunehmen: meine Hoffnung wird enttäuscht. Ich bleibe die restliche Fahrt bei Bananen und so viel Kuchen, wie man beim Aufnehmen einer neuen Isoflasche mit der Hand in einem Rutsch in den Mund stopfen kann 😉

Ein paar Kilometer nach der Verpflegung beginnt der berühmt berüchtigte Anstieg zum Salzberg. In steilen Serpentinen geht es Meter um Meter im Pulk der B-Fahrer bergauf und der Schweiß fließt mir in der Mittagshitze von bis zu 33° in Strömen über den ganzen Körper.

Nach den Serpentinen keimt kurz die Hoffnung in mir auf das schlimmste geschafft zu haben. Doch in der Mittagssonne tauchen direkt vor mir die wirklich steilen Rampen des Tages auf, die sich den Fahrern mit bis zu 20-30% Steigung in den Weg stellen. Ich habe zwar extra ein 32er Kettenblatt für meine SRAM Eagle montiert, aber an der steilsten Stelle muss ich bei Trittfrequenzen unter 40 Umdrehungen pro Minute trotzdem einsehen, dass Schieben schneller und kraftsparender geht als Fahren, und steige demütig vom Rad.

Die nächsten zwei Schotteranstiege danach werden nochmals richtig hart. Ich bin schon seit über 8 Stunden unterwegs und die vielen Höhenmeter fordern ihren Tribut. Beim Blick auf die Wattzahlen sehe ich, dass ich nur noch im unteren G2-Bereich unterwegs bin und rechne jederzeit damit, dass mich reihenweise andere Fahrer wieder überholen. Doch scheinbar geht es den anderen jetzt auch nicht mehr besser als mir. Ich werde zwar die letzten 2-3 Stunden noch von zwei Fahrern überholt, kann aber meinerseits auch noch ein paar Plätze gut machen und schiebe mich somit vom 26. auf den 22. Platz vor.

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Platzierung und Zwischenzeiten – ich kann mich kontinuierlich nach vorne arbeiten

Besonders freut es mich als Stefan Schubert, ein direkter Konkurrent auf der A-Strecke, meine verzweifelte Suche nach Gels an einer der letzten Verpflegungsstellen mitbekommt und mir daraufhin ein Gel aus seinem persönlichen Vorrat schenkt. Ganz große sportliche Geste Stefan. Vielen Dank nochmal dafür!!

Die letzte knappe Stunde geht es dann von kleineren Anstiegen ausgenommen fast nur noch bergab oder eben bis ins Ziel. Das Ziel vor Augen kann ich meinem Körper zumindest noch die Durchschnittsleistung der letzten Stunden weiter abwringen und komme nach 11 Stunden und 17 Minuten völlig erschöpft, aber überglücklich über den tollen Rennverlauf im Ziel an.

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Zieleinlauf

Von Platz 22 gesamt und elftem Platz in meiner Altersklasse (Ü30) hätte ich bei den über 700 internationalen Teilnehmern auf der Langstrecke niemals zu träumen gewagt. Im Ziel genieße ich die reichhaltige Zielverpflegung und nutze endlich auch das Angebot an Wurst und Käse, das ich an den Verpflegungsstationen aus Zeitmangel und im Hinblick auf eine möglichst gute Platzierung ausgeschlagen hatte (aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben) 😉

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Finisherfoto

Mein Centurion Backfire Carbon Team hat mich wieder einmal nicht enttäuscht. Kein einziger Defekt am Rad auf der langen und anspruchsvollen Strecke. Und auch Tune hat wieder einmal bewiesen, dass leicht nicht unbequem sein muss. Auf dem Tune Carbon Sattel „Komm Vor“ hätte ich auch noch einige Kilometer länger ausgehalten 🙂

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Racefeile – ohne einen einzigen Defekt, aber von den Strapazen gezeichnet

Den Abend lasse ich gemeinsam mit Jo bei einem leckeren Steak, jeder Menge Eis und einer Massage ausklingen, bevor wir am Sonntagmorgen wieder den Weg nach Hause antreten.

Einen riesen Dank auch noch an meinen Schatz Sandra, dass sie so kurz nach dem RAG nochmal beide Augen zugedrückt hat, und mich schon wieder ein Wochenende hat ziehen lassen!

Jetzt ist erst einmal drei Wochen auf sportlicher Ebene Regeneration und Training angesagt, bevor mit den 24h von Schötz das letzte große Saisonhighlight auf mich wartet.

 

 

 

 

 

Race Across Germany 2018 – Wenn’s läuft dann läuft’s

Es ist schon wieder eine Woche her, aber die Erinnerungen sind noch frisch und so präsent, dass ich zumindest Ausschnitte meiner Reise – von Flensburg nach Garmisch – in diesem Rennbericht niederschreiben möchte. Die Zahlen zum Race Across Germany (RAG – www.raceacrossgermany.de) lesen sich wie jedes Jahr: 1.100km und ca. 7.500hm Non-Stopp Ultracycling. Doch für mich war es dieses Jahr ein komplett neues Event. Während ich letztes Jahr mit Begleitfahrzeug und Supportteam am Start war, habe ich mich dieses Jahr als Solofahrer „non supported“ an die Startlinie gestellt.

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Den Unterschied merkt man sofort, wenn man sich mit seinem Fahrrad in Bewegung setzt. Zwei volle 1-Liter Flaschen im Rahmendreieck, eine 0,6-Liter Flasche in der Trikottasche, eine vollgestopfte Bikepackingtasche unter dem Sattel, eine Tasche für Powerbanks zwischen den Aerobars und ein vollständiges Beleuchtungsset mit Akkus für zwei Nächte, lassen das Rad nicht nur im Wiegetritt gut schwingen, sondern zeigen einem auch bei jedem Antritt und jeder Steigung, dass man nicht alleine auf dem Rad unterwegs ist.

Fahrfertig hat mein Rad einschließlich Gepäck, Verpflegung und Werkzeug ca. 18kg auf die Waage gebracht. Ein Glück ist zumindest ein Teil davon, während der Fahrt, meinem fortwährenden Energiebedarf zum Opfer gefallen 🙂

Die erste Phase

Da Windschattenfahren verboten ist, gehen alle Fahrer und Teams im 2-Minuten-Takt an den Start. Durch meine kurzfristige Planänderung vom RATA (Race Across the Alps) zum RAG hatte ich mich knapp zwei Wochen vor dem Event wohl als letzter angemeldet und „durfte“ somit als Schlusslicht der Solofahrer um 08:30Uhr auf die Strecke. Hinter mir folgten nur noch die drei Viererteams.

Meine Motivation ist dank bester Wetteraussichten gut, und bereits beim Start ist es so warm, dass ich kurz/kurz, nur ergänzt um Armlinge, in die Morgensonne starte. Der Wind zeigt in die richtige Richtung und die flache Strecke raus aus Flensburg regt zum Tempo machen an. Ich muss mich sehr zurück halten und den Powermeter ständig im Blick behalten, um nicht viel zu schnell loszuballern. Das gelingt mir zumindest teilweise. Vor allem als das schnellste Viererteam zu mir aufschließt ist die Versuchung sehr groß ihr Tempo mitzugehen. Immer wieder muss ich mir ins Gedächtnis rufen, dass man das Rennen am ersten Tag nicht gewinnen, aber sehr wohl verlieren kann, wenn man überzieht.

Durch die perfekten Bedingungen gleitet das vordere Drittel des Feldes die ersten 200km in einem 36er Schnitt dahin und es macht so richtig Spaß.

Kein Vergleich zum Vorjahr, in dem Dauerregen die Stimmung deutlich getrübt hat. Die generell günstigen Windverhältnisse kann man auch im Nachgang auf der MyWindSock Auswertung gut sehen:

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MyWindSock Auswertung der Windverhältnisse während des Rennens

Wie man schön sieht, führt der überwiegend von Osten kommende Wind überwiegend zu Seitenwind und auch zu etwas Rückenwind. Falls der Wind von vorne kommt, dann meistens schräg und selten frontal.

Ich kann mich schon innerhalb der ersten Stunde an den anderen „non supported“ Fahrern vorbeischieben und bei den Solofahrern mit Team am frühen Nachmittag irgendwo zwischen Platz 5 und 7 einreihen. Das schnellste Viererteam treffe ich auch von Zeit zu Zeit wieder, da sie zumindest zu Beginn noch Probleme mit der Navigation haben.

Die Verpflegung

Die ersten zwei bis drei Stunden bin ich vom Gewicht der Ladung abgesehen zumindest bzgl. Verpflegung den „supported“ Fahrern gleichgestellt. Ich habe in meiner Flasche im Trikot 3 Packungen Ensure dabei und trinke dazu fleißig Iso aus den vorbereiteten Flaschen am Rahmen. Doch bei den steigenden Temperaturen geht mein Vorrat zusehends zu neige und ich fange an, mich nach Wasserquellen (Tankstellen, Bäckereien, Friedhöfen, Supermärkten, Dönerbuden) am Wegesrand umzusehen. Als mir Marisa Lorenz aus dem Begleitfahrzeug von Sport Floh Wasser anbietet, traue ich mich zuerst nicht, dieses anzunehmen. Schließlich möchte ich meinen „non supported“ Status nicht gefährden und mich regelkonform verhalten. Doch die Verlockung ist groß und so rufe ich kurzerhand die Rennleitung an, um die Situation für das restliche Rennen zu klären. Die Antwort kommt prompt: Wasser annehmen ist okay. Und so lasse ich dankend die ein oder andere Flasche mit frischem Wasser während der Fahrt füllen. Anhalten lässt sich natürlich trotzdem nicht vermeiden, da ich das Wasser wieder mit Isopulver versetzen muss, das ich für ca. 30 Flaschenfüllungen dabei habe. Das funktioniert natürlich nur, solange ich zufällig in der Nähe eines anderen Fahrers bin. Aber zumindest im ersten Renndrittel bietet sich immer wieder die Chance.

Hier sei generell gesagt, dass der Zusammenhalt bzw. die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer und ihrer Teams super sind. Bei solch einer langen Fahrt werden Konkurrenten zu Leidensgenossen, die sich gemeinsam dem Kampf gegen die Strecke stellen. So werde ich immer wieder von anderen Teams angefeuert und bei Überholvorgängen werden anerkennende Worte ausgetauscht. Der Respekt der Starter untereinander ist allgegenwärtig, da jeder weiß, dass bereits die Anmeldung zu solch einem Event ein nicht unerhebliches Maß an Courage und Training voraussetzt.

Zurück zur Verpflegung: Um wenig Risiko mit der Verdauung einzugehen setze ich voll auf gewohnte Kost und kaufe unterwegs nur relativ wenig nach. Deshalb habe ich beim Start neben den drei Ensure und meinen 30 Dosen Isopulver noch 2 Powerbars und 30 Powergels im Gepäck. Das macht alleine für die Gels schon ~1,3kg 🙂 Nachdem die Ensure nach drei Stunden aufgebraucht sind nehme ich ca. alle 1,5h ein Gel, da meine Planung von einer 48h Zielzeit ausgeht. Als ich im weiteren Rennverlauf merke, dass ich schneller unterwegs bin als geplant, erhöhe ich die Frequenz auf ein Gel je Stunde.

Die einzige Ausnahme bilden:

  • bei ca. Kilometer 250 ein Muffin von einem Kiosk
  • bei Kilometer 465 an der zweiten Timestation zwei eingeschweißte Kuchenstücke und eine Banane, die ich einpacke
  • und eineinhalb Brötchen und ein Landjäger beim Frühstück nach der ersten Nacht

Bzgl. Getränken bleibe ich eisern bei meiner Isomischung mit stillem Wasser und lockere diese nur dreimal mit Cola von der Tankstelle auf. In Summe nehme ich so ca. 11.000 Kilokalorien während dem kompletten Event zu mir. Das deckt ca. die Hälfte meines Bedarfs. Die zweite Hälfte muss mein Körper notgedrungen mit Fett und sicher/leider auch der ein oder anderen verstoffwechselten Muskelzelle beisteuern. Der Heißhunger an den Tagen nach der Veranstaltung sprechen eine deutliche Sprache 😉

Die mittlere Rennphase

Nachdem die ersten 250km noch relativ abwechslungsreich sind, da ich regelmäßig andere Teams treffe, wird es nach der ersten Timestation zunehmends ruhig um mich. Kurz bin ich auf Gesamtplatz 3 der Solofahrer, aber bei einem Verpflegungsstopp und der obligatorischen Durchgabe meiner Zwischenzeit an der Timestation per SMS, werde ich von Norbert Vohn und Florian Schütte wieder eingesammelt und falle auf Platz 5 zurück. In der Kategorie der „non supported“ Fahrer habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits einiges an Vorsprung, so dass ich mich hauptsächlich an den Solofahrern mit Begleitfahrzeug orientiere.

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Fotografin Maresa Lorenz (Team Sport Floh)

Nach einiger Zeit überhole ich Florian vom Team Sport Floh und muss leider von seinem Begleitfahrzeug erfahren, dass es ihm nicht gut geht, und er sich leider auch schon übergeben musste. Bei den dauerhaft hohen Temperaturen natürlich umso schlimmer, da der Körper dadurch noch weiter dehydriert. Ich wünsche ihnen eine schnelle Besserung und drücke weiter auf die Tube. So geht es ohne größere weitere Kontakte zu anderen Teams in den Abend. Als es dunkel wird, ziehe ich meine Reflektorgurte über und schalte das Licht zu. Da ich hierzu am Rad nichts umbauen muss, kann ich mich dabei erneut auf Platz 3 vorschieben.

Kurz nach halb 11 erreiche ich die zweite Timestation bei Kilometer 465 in Bilderlahe – einem kleinen Ort in the middle of nowhere. Dort hat Dieter Göpfert (der Rennleiter) angekündigt, dass er für die „non supported“ Fahrer etwas Proviant und Wasser an einer Bushaltestelle deponieren wird.

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Dieter Göpfert – seit 19 Jahren Rennleiter und Organisator des Race Across Germany

Als ich ankomme, sind er und sein zweiköpfiges Organisationsteam noch vor Ort. Und die Stimmung ist super. Nicht unwesentlich trägt dazu auch eine kleine Gruppe Einheimischer bei, die in Feierlaune, mit dem ein oder anderen Bier im Gepäck, zusammen mit der Rennleitung Stimmung an der Bushaltestelle machen.

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Partypeople an der Timestation 2 in Bilderlahe – einzige offizielle Verpflegungsstation

Vor lauter flotten Sprüchen vergesse ich fast, mir noch etwas aus der Verpflegungsbox einzustecken. Frisch gestärkt und mit vollem Wasservorrat geht es nach kurzem Stopp weiter und der anspruchsvollere Teil der Strecke beginnt.

Kasseler Berge

Diesen Teil könnte man sicher auch mit „auf und nieder – immer wieder“ überschreiben. Die Kasseler Berge werden auf kleinen Sträßchen in einem ständigen auf und ab bezwungen. Ich bin heilfroh, dass ich in Vorbereitung auf das RATA eine Bergübersetzung auf mein Rennrad montiert habe. So sind die Steigungen trotz schwerem Gepäck noch mit erträglichen Trittfrequenzen zu bewältigen. Der Rennverlauf wird auch wieder etwas abwechslungsreicher, da mich von hinten Norbert Vohn überholt und auch das zweitschnellste Viererteam immer wieder aufschließt. Besonderes Glück habe ich auch mit einem Anwohner, der gerade von der Nachtschicht nach Hause kommt, und den ich kurzerhand zum Auffüllen meiner leeren Wasserflaschen verpflichten kann.

So geht es durch die Nacht. Die Zeit vertreibe ich mir auch mit dem ein oder anderen Telefonat, wobei sich die Nachtschwärmer bis kurz vor 1Uhr nachts und die Frühaufsteher ab 5Uhr morgens quasi die Klinke in die Hand geben. Diese Möglichkeit zur Abwechslung während dem gesamten Rennen bezahle ich ganz bewusst mit dem Mehrgewicht durch eine weitere Powerbank und das Spezialheadset am Helm. Die Motivation, die ich aus den Gesprächen mit Freunden und auch den Kommentaren auf Facebook oder über Whatsapp schöpfe, ist nicht zu unterschätzen, und hilft mir sehr der langen Zeit auf dem Fahrrad mit einer positiven Grundstimmung zu begegnen.

Morgenstund hat Gold im Mund

Am frühen Morgen lege ich noch einen Stopp beim Bäcker ein und setze mich für ein Brötchen kurz hin. Kurz davor lasse ich auch das zweitschnellste Viererteam ziehen. Da der Bäcker aber keine Kundentoilette hat, zieht es mich schnell weiter und in der nächsten größeren Stadt steuere ich eine Tankstelle an, um mich fit für den zweiten Tag zu machen.

Neben der Auffüllung meiner Wasservorräte lege ich dort auch eine neue Schicht Sonnencreme, Kettenöl und Gesäßcreme auf und gönne mir einen Landjäger. Das einzig herzhafte das ich sonst während der Fahrt bekomme, sind regelmäßig Salztabletten, um den Verlust über den Schweiß einigermaßen auszugleichen.

Danach bin ich allein auf weiter Flur. Immer wieder versuche ich zu den vor mir fahrenden Solofahrern aufzuschließen. Aber sobald ich einige Kilometer nähergekommen bin, muss ich wieder irgendwo anhalten, um meinen kontinuierlichen Wasserbedarf zu stillen. Vor allem die dauerhafte Sonneneinstrahlung, die die Temperaturen im Verlauf des Tages auf bis zu 35 Grad ansteigen lässt, macht mir zunehmend zu schaffen. Über weite Teile der Strecke am zweiten Tag gibt es keinerlei Schatten, und die wenigen Wölkchen am Himmel verirren sich viel zu selten vor die Sonne.

So halte ich nicht nur zum Auffüllen der Wasserflaschen, sondern lege auch kurze Stopps an Ortsbrunnen oder Friedhöfen ein, um meinen Kopf und das Trikot nass zu machen und so für zusätzliche Kühlung zu sorgen. Die dritte Trinkflasche opfere ich auch zur Kühlung und benetze mit ihrem Inhalt regelmäßig Nacken und Oberkörper während der Fahrt. So muss ich zwar öfter Anhalten zum Nachtanken, aber ich erleide keinen Hitzeschlag.

Am Nachmittag besucht mich dann noch der Defektteufel und auf freiem Feld – natürlich wieder ohne Schatten in der Nähe – gibt mein vorderer Schlauch den Geist auf und es bleibt mir nichts anderes übrig, als bei einem Stopp in der prallen Sonne, den Schlauch zu wechseln.

Letztes Renndrittel

Auf den letzten 200 Kilometern der Strecke zieht der Kurs nochmals deutlich an. Es wird wieder richtig bergig und die Abenddämmerung mit ihren kühleren Temperaturen lässt viel zu lange auf sich warten. Eigentlich ist jetzt Zeit für den Endspurt, aber die Hitze hat mir den Zahn gezogen. Ich kann zwar weiterhin Zug auf der Kette halten, aber eine Steigerung ist momentan nicht mehr drin. Das merke ich vor allem daran, dass das dritte Viererteam im Tractalis Livetracking immer weiter zu mir aufschließt. Zwischendurch überlege ich sogar, mich gemütlich in ein Eiscafé zu setzen, und den Einbruch der Dämmerung mit einem guten Eisbecher und hochgelegten Beinen abzuwarten, bevor ich weiterfahre. Vor allem da der Abstand zum nächsten „non supported“ Fahrer in der Zwischenzeit auf komfortable 180km angewachsen ist. Doch dann fällt mir ein, dass es neben dem Sieg in der „non supported“ Klasse auch noch eine weitere attraktive Trophäe zu holen gibt…den Streckenrekord „non supported“. Dieser liegt bei 45h41min. Und Schwupps fällt das leckere Eis meinen Ambitionen zum Opfer 😉

Als es endlich abkühlt am Abend, bin ich ziemlich ausgepowert und heilfroh, dass es nur noch ca. 100km bis ins Ziel sind. Diese ziehen sich dann nochmal wie Kaugummi. Es kommen wieder einige Wellen und die Strecke schraubt sich langsam aber sicher auf das Höhenniveau von Garmisch. Da ich bisher noch keine Minute geschlafen habe, macht sich nach Anbruch der Nacht auch die Müdigkeit etwas bemerkbar. Aufgrund der Erschöpfung und der feuchten Luft wird es mir gegen Ende sogar noch richtig kalt und ich muss erstmals Beinlinge und mein langes Wintertrikot überziehen. Jetzt werden die Telefonate mit Freunden besonders wichtig. Ein Anruf jagt den nächsten und so gehen auch diese letzten Stunden vorüber. Kurz vor dem Ziel steht auch mein guter Freund Matthias an der Strecke und feuert mich an. Er ist spontan aus München nach Garmisch gefahren, um mich im Ziel zu empfangen und vom Ziel ins Hotel zu bringen. Als ich das Ortsschild von Garmisch passiere, kommt die Euphorie zurück und ich freue mich schon richtig aufs Ziel…aber der Ort ist lang und die Olympiaschanze liegt ganz am Ende… Doch auch die letzten Meter und Kurven gehen irgendwie vorbei und das Glück ist unbeschreiblich, als ich am Fuß der Olympiaschanze ins Stadion einfahre und mich Matthias und Dieter unter dem Zielbogen empfangen.

Es ist vollbracht!

Mein Garmin zeigt 1.116km und eine Zeit von 40:33min.

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Das ist deutlich schneller als ich mir jemals hätte vorstellen können und damit Platz 1 der „non supported“ Kategorie, neuer Streckenrekord in dieser Kategorie, ein respektabler 4. Gesamtrang bei den Solofahrern und die Race Across America Qualifikation. Die Endorphine geben alles und die Strapazen und Entbehrungen der Strecke sind für einen Moment vergessen 🙂 Ich genieße den Moment und freue mich, dass ich ihn mit Matthias und dem Organisationsteam teilen kann.

Danke!

Vielen Dank an dieser Stelle vor allem an meine Frau Sandra und meine Kinder, die bei Vorbereitung und Wettkampf oft zeitlich zurückstecken müssen. Ohne diese Unterstützung wäre an die Teilnahme bei einer solchen Veranstaltung überhaupt nicht zu denken. Dies ist auch einer der Gründe, warum eine RAAM-Teilnahme als Solostarter trotz erneuter erfolgreicher Qualifikation, in unserem aktuellen Lebensabschnitt mit kleinen Kindern, nicht in Frage kommt für mich.

Vielen Dank auch an die anderen Starter und ihre Teams für ihre Kameradschaft auf der Strecke und an Matthias für den Empfang im Ziel und die großartige Betreuung im Anschluss. Ein riesen Dank gilt auch meinen Freunden und Kollegen, die mich mit Anrufen, Facebook- und Whatsapp-Kommentaren zu jeder erdenklichen Uhrzeit bei Laune und motiviert gehalten haben. Und natürlich Dieter Göpfert und seinem Team, die dieses tolle Event möglich und mit viel Engagement und Herzblut auch zu etwas Besonderem machen.

Abschlussveranstaltung

Nach kurzem aber intensivem Schlaf im Hotel treibt mich der Hunger am Morgen zum Frühstücksbuffet. Dort treffe ich noch auf die zwei AbbVie Viererteams und ihre Betreuer, die zufällig im gleichen Hotel abgestiegen sind, und wir genießen das Frühstück gemeinsam.

Am Sonntagnachmittag findet dann die Siegerehrung am Fuß der Olympiaschanze statt. Ein schönes Ambiente und ein würdiger Abschluss für das RAG 2018. Jeder gratuliert jedem und alle sind Sieger über die Strecke.

Wie geht’s weiter

In der vergangenen Woche war körperlich erst einmal Regeneration angesagt – auch wenn ich ab Montag gleich wieder arbeiten musste. Mein Körper hat auf diesen Missbrauch wie gewohnt mit größeren Wassereinlagerungen vor allem in den Beinen reagiert, so dass die Waage bereits am Montagabend 7 Kilogramm mehr angezeigt hat, als vor dem Start. Die Wassereinlagerungen und das Ziehen in den Knien hat sich im Verlauf der Woche aber schon wieder normalisiert, wozu sicher auch die zwei 30-minütigen Recoveryfahrten auf der Rolle positiv beigetragen haben. Wie weit die Regeneration in zwei Wochen tatsächlich sein wird, wird sich nächstes Wochenende bei der Salzkammerguttrophy zeigen, wenn ich mit dem MTB die A-Distanz in Angriff nehme…nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Ride on.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Race Across Germany / 24h vor dem Start

Morgen ist der große Tag und ich starte zum zweiten Mal beim Race Across Germany (www.raceacrossgermany.de) – ein non-Stopp Ultracycling Race von Flensburg nach Garmisch über 1.100km und 7.500hm. Die Anspannung steigt und es wird Zeit, dass es morgen früh um 08:30Uhr für mich endlich auf die Strecke geht 🙂

Wenn ihr mich wieder live verfolgen möchtet, so könnt ihr dies hier tun. Ich bin der Punkt mit der Nummer 15:

http://live.tractalis.com/2018/rag2/

Aber Achtung: das sogenannte Dot-Watching kann süchtig machen 😉

Da ich aus privaten Gründen sehr kurzfristig vom Race Across the Alps aufs Race Across Germany umdisponieren musste, habe ich dieses Jahr die „Non-Supported“ Variante gewählt. D.h. ich bin auf der Strecke komplett auf mich alleine gestellt – kein Begleitfahrzeug und kein Support durch ein Begleitteam. Somit muss alles was ich mir unterwegs nicht kaufen kann, oder aus Zeitgründen nicht möchte, selbst auf dem Rad transportiert werden. D.h. Beleuchtung, Powerbanks (für Navigation und Handy), Kleidung (für die unterschiedlichen Temperaturen während des Events), Werkzeug, Ersatzteile und Verpflegung drücken ganz schön aufs Gewicht. So wird mein Fahrrad mit 2 gefüllten Trinkflaschen ca. 18kg auf die Waage bringen, wenn ich von der Startrampe rolle.

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Heavy Load

Zeit verliert man als Non-Supported Fahrer neben dem zusätzlichen Gewicht aber auch durch regelmäßige Stopps, bei denen man an der Strecke irgendwo (Tankstellen, Bäckereien, Brunnen, Friedhöfe, …) den Wassernachschub und sicher auch noch den ein oder anderen Snack sicherstellen muss. Vor allem in den Nachtstunden manchmal eine echte Herausforderung. In der Satteltasche sind zwar ~7.500kCal Energie in Form von Getränkepulver und Gels versteckt, das deckt aber bei weitem nicht den Energiebedarf der kompletten Strecke.

Insofern bin ich gespannt wie schnell ich unterwegs sein kann. Ein Traum wäre, wenn ich es analog letztem Jahr, wieder unter 48 Stunden schaffen würde. Eine Gewissen Hoffnung dazu besteht, da die Wetterverhältnisse deutlich besser werden sollen als letztes Jahr.

Im vergangenen Jahr haben mich die Gespräche mit meinem Team im Begleitfahrzeug über Headset am Helm und die regelmäßigen Kommentare meiner Freunde auf Facebook sehr motiviert und mir auch geholfen, die vielen Stunden auf dem Rad mental gut zu bewältigen. Deshalb habe ich mich trotz Zusatzgewicht dazu entschlossen eine zusätzliche Powerbank fürs Handy und das Headset wieder mitzunehmen. Würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere Lust hat mich zwischendurch anzurufen und mir am Telefon etwas die Zeit zu vertreiben. Da über die lange Distanz keine hohe Intensität gefahren wird, ist das problemlos möglich. Falls es gerade nicht passt, so nehme ich einfach nicht ab bzw. rufe zurück. Evtl. kann ich auch das ein oder andere kurze Update auf Facebook bringen.

Jetzt sitze ich erstmal im Zug nach Flensburg, schreibe diese Zeilen, und werde gleich auch noch einen „leckeren“ Rote Beete Saft zur Vorbereitung „genießen“ 🙂

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Nitrat bunkern vor dem Start

Heute Abend um 18:00Uhr startet dann der offizielle Teil in Flensburg mit einem Briefing für die Fahrer, und ich freue mich schon sehr auf neue Bekanntschaften bzw. altbekannte Gesichter aus der Szene.

Ziel Rekalibrierung / Black Forest Ultra Bike Marathon Spontanstart

Eigentlich wollte ich kommenden Freitag gemeinsam mit Begleitcrew das Race Across the Alps in Angriff nehmen. In der engen Familie haben wir aber einen Trauerfall zu beklagen 😦 Deshalb wird aus dem RATA-Start kurzfristig nichts, da Beerdigung und RATA zeitgleich stattfinden und das RATA da natürlich hintenansteht.

Deshalb habe ich nach Alternativen Ausschau gehalten, um die aufgebaute RATA-Form anderweitig auf die Straße zu bringen. Und siehe da, das Race Across Germany (RAG) von Flensburg nach Garmisch findet eine Woche später statt. So wird aus dem RATA-Rookie eben ein RAG-Wiederholungstäter. Wobei ich das RAG dieses Jahr ohne Begleitfahrzeug „non-supported“ in Angriff nehmen werde.

Und statt mich heute (Sonntag) für den Start beim RATA zu schonen, habe ich gestern spontan noch für den Black Forest Ultra Bike Marathon gemeldet und zur Abwechslung vom Rennrad mal wieder mein Centurion Backfire Carbon aus dem Stall geholt.

Durch die spontane Entscheidung konnte ich erst am Renntag anreisen und so klingelte mich der Wecker morgens um 4Uhr aus den Federn. Nach kurzer Katzenwäsche ging es direkt mit dem Auto nach Kirchzarten (Südschwarzwald) zum Start.

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Lecker Frühstück für die Autofahrt

Auf der Fahrt zwischen halb fünf und fünf habe ich noch schnell die obligatorischen Expresskalorien zugeführt, damit der Tank zum Start um 07:45Uhr nicht völlig leer ist. Das Warm-up auf dem Rad vor Ort wurde dann auch eher zu einem zweiten Wake-up, da der Kreislauf noch etwas widerwillig auf Sport zu solch unchristlicher Zeit reagiert hat.

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Startaufstellung – top Wetterbedingungen – nicht zu warm und nicht zu kalt

Im Ziel war ich dann positiv von meiner Platzierung überrascht (5. Platz Altersklasse von 266 Finishern und gesamt 20. von 1.212). Überrascht vor allem deshalb, da ich aufgrund der späten Anmeldung aus dem dritten Startblock starten musste, und während des gesamten Rennens nicht wusste an welcher Position ich liege. Von hinten musste man sich dann durch das Feld der Lizenzdamen (die zeitgleich auf dem Kurs die Deutsche Marathon Meisterschaft bestritten) und die vorderen Hobbyblöcke „arbeiten“, die jeweils mit ein paar Minuten Vorsprung auf die Strecke sind. Gut für die Moral, da man ständig überholt. Aber schlecht für die Performance, da man nicht in einer schnellen Gruppe Windschatten fahren kann und die Überholvorgänge vor allem auf engen Trails sehr viel Kraft kosten. Cooles Gefühl, wenn man im Ziel dann trotzdem ein paar Sekunden schneller als die neue Deutsche Meisterin unterwegs war – ich weiß… typisch Machomänner 😉 Bei einem Start im ersten Block hätte es vielleicht sogar aufs Treppchen in der Altersklasse gereicht…, hätte, hätte, Fahrradkette, …

Der Black Forest Ultrabike ist wirklich ein super Event. Die Strecke ist zwar vom technischen Anspruch nichts Besonderes, aber die motivierten Zuschauer, die einen an der Strecke ständig anfeuern, das schöne Veranstaltungsgelände, die gute Zielverpflegung und die top Organisation vor Ort, gleichen das mehr als aus.

Und der Start am frühen Morgen hatte zumindest den Vorteil, dass ich pünktlich zum Anpfiff des Deutschland-Spiels wieder bei meinen Jungs zu Hause war 🙂

Die nächste (sicher auch wieder ausführlichere Story) gibt es dann bald vom Race Across Germany.

Superrandonnée Belchen satt – Auf und nieder immer wieder

Vergangene Woche habe ich ein paar freie Tage zwischen zwei Familienurlauben genutzt, um die 620km und 12.000 Höhenmeter der Superrandonnée „Belchen satt“ unter die Räder zu nehmen. Wie jedes längere Brevet ein kleines Abenteuer, das einen dem straff durchorganisierten Tagesablauf entreißt und körperlich und mental einen Kontrapunkt zum Alltag setzt. In diesem Blogbeitrag möchte ich das Erlebte in mein digitales Gedächtnis brennen und die Vorbereitung, Höhen/Tiefen und weitere Eindrücke mit euch teilen. Für die Randonneure unter euch befindet sich am Ende auch noch meine Packliste zur Inspiration. Eine Warnung gleich vorweg: der Bericht ist analog zur Tour etwas länger geraten 😉

Die Strecke

Organisiert wird die Superrandonnée „Belchen satt“ von der ARA Breisgau. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „Permanente“. D.h. man kann die Strecke ganzjährig angehen. Die Organisatoren Walter und Urban stellen hierzu einen GPX-Track, Routenbeschreibung, Höhenprofil und eine Brevetkarte zur Verfügung. An vordefinierten Kontrollstellen dokumentiert man das eigene Vorankommen mit Fotos, die als Nachweis zur Befahrung der Strecke dienen, und trägt die Durchfahrzeiten in seine Brevetkarte ein. Die Strecke startet und endet in Freiburg und führt durch die eindrucksvolle Landschaft des Südschwarzwaldes, des Schweizer Jura und der Vogesen.

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Quelle: Trackaufzeichnung aus Garmin Connect

Details zum Brevet finden sich allesamt auf der Veranstaltungshomepage:

https://www.ara-breisgau.de/superrandonnee/

Der Name „Belchen satt“ leitet sich dabei von den vielen „Belchen“ bzw. „Ballons“ ab, die man überquert. Zitat dazu von der ARA Breisgau Seite:

Wie der Name schon sagt, führt die Strecke über alle namhaften Belchen (frz.: Ballon) rund ums Dreiländereck, sechs Stück insgesamt:

Deutscher Belchen, Schweizer Belchen, Ballon de Servance, Ballon d’Alsace, Grand Ballon, Petit Ballon

Dazu kommen noch etliche andere, teilweise höchst knackige Anstiege. Der höchste zu befahrende Punkt ist auf dem Chasseral erreicht (1600 m).

Für ein Brevet sind die stark 600km nicht ungewöhnlich. Die besondere Herausforderung der Strecke ergibt sich hingegen durch die vielen Höhenmeter (ca. 12.000), die zum Teil auf extrem steilen Auffahrten und abgeschiedenen Passsträßchen gesammelt werden.

Das ist landschaftlich und aufgrund des fast nicht vorhandenen Autoverkehrs sehr reizvoll. Diese Abgeschiedenheit und Idylle verdient man sich aber hart bei steilsten Rampen bergauf wie bergab und teils zweifelhaftem Straßenbelag. Beides – vor allem in Kombination – stellt einen vor allem in der Nacht vor die ein oder andere Herausforderung bzw. erforderte deutlich mehr Konzentration als es bei einem flachen Brevet der Fall ist.

 

Wieso/Weshalb/Warum

Diese Frage lässt sich auch kurz mit „Warum nicht?“ beantworten 😉 Etwas tiefer in der eigenen Motivation gegraben ist es wohl eher die Lust am Abenteuer bzw. daran etwas Außergewöhnliches zu erleben. So wie Jugendliche das erste Mal wider alle Vernunft eine Nacht durchmachen, so triggert die Grenzüberschreitung bei mir wohl immer noch eine kindliche Freude. Und wie bei jeder Droge, so muss auch hier langsam die Dosis (sprich Kilometer/Höhenmeter) gesteigert werden, damit sich ein veritabler Rausch einstellt 🙂

Und um die Sucht zu befriedigen, habe ich mich in 2018 wieder für einige längere Events angemeldet. Unter anderem zum Race Across the Alps (RATA) dem 24h-Rennen in Schötz und der Extremdistanz bei der Salzkammergut Trophy. Vor allem das Race Across the Alps (RATA) und die Salzkammerguttrophy warten mit richtig vielen Höhenmetern auf die Ausdauerjunkies. Und so habe ich für die Vorbereitung im Frühjahr auch nach einem Brevet mit vielen Höhenmetern Ausschau gehalten und bin dabei über „Belchen satt“ gestolpert. Die Pfingstferien hatten wir für Familienurlaub sowieso schon frei genommen und zwischen dem Santana Tandemtreffen in Bamberg und unserer Kreuzfahrt in der Ägäis war mit vier Tagen gerade genug Zeit, um mit An- und Abreise nach Freiburg einen Ausdauervollrausch einzuplanen und für die kommenden Herausforderungen des Sommers adäquat vorzuglühen.

Vorbereitung

Da das Zeitfenster klein und unflexibel war, konnte ich allerdings auch keinen Mitstreiter gewinnen, und musste das Abenteuer solo in Angriff nehmen. Das war in der Vorbereitung auch meine größte Sorge, da ich nicht einzuschätzen wusste, wie hart mich die Einsamkeit des Schweizer Jura oder der Vogesen mitten in der Nacht mental treffen würde.

Bzgl. Material habe ich auch als Test fürs RATA noch zwei Veränderungen an meinem Rennradsetup vorgenommen. Erstens wurde der Aeroauflieger gegen die deutlich leichteren Spirgrips Innerbarends (http://www.spirgrips.com) ausgetauscht. Und zweitens habe ich die Übersetzung am Rennrad auf steigungsfreundliche 50/34×11/34 umgestellt. Letzteres auch inspiriert durch die Streckenbeschreibung auf der Website und Berichte anderer Finisher der „Belchen satt“, die alle eines gemeinsam hatten: Klagen über Hochprozentiges 🙂

Darüber hinaus war nur eine Unterkunft für die Nacht vor-/nach dem Brevet (https://www.booking.com/hotel/de/theater-am-eck.de.html) und das Zugticket zu ordern. Die Unterkunft ist sicher kein Geheimtipp und die Zimmer winzig, aber mit etwas Experimentierfreude habe ich es sogar geschafft, das Rennrad im Zimmer unterzubringen. Und bei 69,-€ für 3 Nächte im Zentrum von Freiburg sollte man auch keinen großen Luxus erwarten.

Ernährung

Ich wollte das Brevet zwar nicht im Rennmodus fahren, sondern mir unterwegs auch immer wieder Zeit für Fotos oder eine Leckerei am Weg nehmen, aber bzgl. Verpflegung trotzdem ziemlich autark sein. Erstens hatte ich mich im Vorfeld nicht mit den Verpflegungsmöglichkeiten am Weg beschäftigt und zweitens ist es gar nicht so einfach Kohlenhydrate in ausreichender Menge zu sich zu nehmen ohne den Magen massiv zu belasten. Da ist es doch am einfachsten man setzt auf bewährtes. Und je abgelegener die Routenführung bzw. je später in der Nacht, desto schwieriger wird es, überhaupt noch etwas aufzutreiben. Deshalb war meine Satteltasche zu Beginn der Reise neben Kleidung, Werkzeug und Ersatzteilen auch randvoll gefüllt mit Kalorien.

 

Den Start hatte ich auf 06:00Uhr morgens geplant, damit ich möglichst viele Kilometer bei Tageslicht bereits am ersten Tag abspulen konnte. Und da ich wenig optimistisch war davor ein feudales Frühstück aufzutreiben, gab es vor dem Start noch schnell 600kCal aus dem Ensure Plus Tetrapack im Hotelzimmer.

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Frühstückssnack 1,5kCal/ml

 

Am 24.05. drücke ich somit pünktlich um 6 am Martinstor in Freiburg den Startknopf auf meinem Garmin und starte ins Abenteuer. 32h 34min später wieder am selben Ort angekommen, wird das Garmin über 17.000kCal gesammelt haben. Die Verpflegung auf der Strecke zusammengenommen, habe ich ca. 7.000kCal zugeführt, so dass die restlichen 10.000kCal (abzüglich ~2.000kCal Muskel-/Leberglykogen) wohl irgendwo aus den unerschöpflichen körpereigenen Fettspeichern bedient wurden. Jeden der jetzt denkt, das wäre als Diät geeignet, möchte ich gleich enttäuschen. Das entspricht gerade einmal stark einem Kilogramm Körperfett. Und wer die Fressattacken nach einem solchen Event kennt, der weiß auch, dass der Körper sich auch das schnell wieder zurück holt 😉

On the road / Höhen / Tiefen

Kaum ein paar Meter vom Martinstor losgefahren hält der Track schon die erste Herausforderung bereit. In welche Richtung soll man den Rundkurs aus Freiburg heraus fahren? Also schnell nochmal angehalten und auf meiner Backupnavilösung Komot auf dem Handy nachgeschaut, die den Track inklusive kleinen Richtungspfeilen visualisiert. Eines der wenigen fehlenden Features an meinem Garmin…

Sicher jetzt auf dem richtigen Kurs zu sein, trete ich motiviert in die Pedale und erklimme gleich die ersten 900hm auf den Schauinsland und danach über den Hohentann auch gleich noch den Belchen.

Die Wetterlage am frühen Morgen zaubert dabei eine ganz besondere Stimmung:

Die Straße ist zwar patschnass von den Regenfällen der vergangenen Nacht, aber von oben ist alles trocken. Und so begehe ich den Fehler, mich nach den wärmenden Auffahrten, auch gleich die ersten langen Abfahrten in kurzer Hose hinabzustürzen. Da die Temperatur dabei unter 10° Celsius sinkt, heraufspritzende Nässe die kompletten Beine einhüllt und der Windchilleffekt sein Übriges beiträgt, wird es den Knien gleich einmal zu kalt und sie fangen bei der nächsten Auffahrt zum Tiergrüble schon an zu zwicken. Gar nicht gut, wenn man noch über 550km vor sich hat. Das Kopfkino beginnt, und ich male mir schon aus, wie ich kaum in der Schweiz ankommen schon nach einem Bahnhof für die Heimfahrt Ausschau halten muss.

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Kontrollstelle Tiergrüble

Zum Glück falscher Alarm. Je näher ich der Schweizer Grenze komme und je tiefer ins Tal, desto wärmer wird es und auch die Straßen trocknen ab. Und mit der Wärme laufen auch die Knie wieder geschmeidiger und ich verdränge die pessimistischen Gedanken.

In Laufenburg beim Überqueren der Schweizer Grenze ist das Wetter dann schon richtig sonnig und es folgen 20-30km, die sich mit nur leichter Steigung das Tal hinaufziehen. Kaum ist alles richtig trocken, macht sich bereits ein weiterer Effekt der vorhergehenden Nässe bemerkbar. Das heraufspritzende Wasser auf den ersten 100km hat die Kette ziemlich ausgewaschen und das Gleitmittel durch feinen Sand der Schwarzwälder Straßen ersetzt. Die Option den Rest der Strecke mit knirschender Kette zurückzulegen verwerfe ich schnell und halte bei den nächsten Ortsdurchfahrten die Augen nach einem Radladen offen. Und wie gerufen kommt in Balsthal ein Intersport mit Radwerkstatt, dessen Schraubercrew meinem gequälten Antriebsstrang in schönstem Schweizerdeutsch die dringend nötige Zuwendung gewährt. Die Jungs von www.sporthus.ch sind klasse und möchten nicht einmal ein Trinkgeld annehmen, bevor sie mich wieder auf den sonnigen Kurs schicken.

Jetzt folgen einige Kilometer, die auf dem Höhenprofil mit nur kurzen Anstiegen gar nicht spektakulär wirken, es aber mit steilen Rampen mit bis zu 20% Steigung ganz schön in sich haben. Ich bin heilfroh, dass ich mich für die Kinderübersetzung 34×34 entschieden habe, sodass ich alles fahren kann. Mit den Rennradschuhen wäre Schieben sowieso keine echte Option gewesen. So vergeht der sonnige Nachmittag wie im Flug und ich erklimme einen Gipfel nach dem anderen und tränke das Oberrohr mit Schweiß, als die Temperaturen bis auf 30° ansteigen. Nach Überquerung von Chilzimmersattel, Weissenstein und einiger weiterer kleinerer Anhöhen erreiche ich gegen 18:00Uhr mit dem Chasseral den höchsten Punkt der Route (1.598m) und genieße die wunderschöne Aussicht.

In La Goule bei Kilometer 276 passiere ich die letzte Kontrollstelle bei Tageslicht und fahre auf kleinsten Straßen weiter in Richtung Frankreich.

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Kontrollstelle La Goule

Die Grenze aus der Schweiz nach Frankreich ist dann auch so unscheinbar, dass ich sie in Gedanken versunken gar nicht wahrnehme. Denn als ich irgendwann denke, dass es langsam Zeit wird für einen Abendsnack stelle ich fest, dass die Autos in der nächsten Ortschaft bereits französische Nummernschilder tragen. Das passt prima, da ich sowieso keine Schweizer Franken dabeihabe und als guter Schwabe beim Anblick der Preise in Schweizer Restaurants sowieso einen Herzinfarkt bekomme. Meinen Wassernachschub hatte ich seit Erreichen der Schweiz somit auch aus öffentlichen Brunnen gedeckt    .

So lange das Wasser kalt daraus hervorfließt und ein kurzer Geschmackstest positiv verläuft gehe ich optimistisch davon aus, dass es nicht nur im Kreis gepumpt wird und halbwegs genießbar ist. Auch wenn Gemeinden gerne abschreckende Schilder (kein Trinkwasser, nicht kontrolliert, …) daran anbringen. Auf den nächsten Kilometern genieße ich noch die Abendsonne.

So lege ich irgendwo in der Nähe von Charmauvillers beim Einbruch der Dämmerung eine Pause zum Abendessen ein und lasse es mir bei zwei Stück leckerem hausgemachten Kuchen gut gehen.

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Abendessen – hausgemachter Apfelkuchen

Die Pause nutze ich auch gleich, um mich für die Nacht wärmer anzuziehen und auch die Beleuchtung am Fahrrad gut auszurichten. Gleich vorweg, die Lupine Piko 7 hat mich auch dieses Mal wieder nicht enttäuscht und mit einer Akkuladung die gesamte Nacht durchgehalten – „We are the Light“ ist bei Lupine tatsächlich mehr als ein schicker Werbeslogan.

So radle ich frisch gestärkt, warm angezogen und voll motiviert in die Nacht und freue mich darüber, dass der Himmel relativ klar ist und abseits der großen Ortschaften die Sternen am Firmament voll erstrahlen. Irgendwo vor Glainans passiert es dann. Ich bin in mein GPS vertieft, um herauszufinden, wann die nächste Kontrollstelle ansteht, und achte dabei nicht auf die Straße, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich ganz ordentlich ist. Es macht plötzlich rums, der Lenker springt mir fast aus der Hand, und eine zehntel Sekunde später gibt mir auch das Hinterrad einen herben Schlag auf den Allerwertesten begleitet vom lauten Zischen der sofort entweichenden Luft meines Hinterreifens.

Mist, Mist, Mist, kurz unachtsam und dann gleich sowas – ein tiefes Schlagloch hat mich in voller Fahrt unerwartet gebremst. Ich halte schnell an und überprüfe, ob auch der vordere Reifen Luft verliert – negativ – wenigstens das – nur ein Schlauch zu wechseln. Ein erneuter kurzer Blick aufs Navi erhärtet meinen Verdacht, dass keine Ortschaft in der Nähe ist und eine Reparatur auf freiem Feld ohne Straßenbeleuchtung ansteht. Also die ganze Fuhre rechts von der Straße auf die taunasse Wiese gepackt und zuallererst die Stirnlampe aus der Satteltasche gekramt, um wenigstens etwas zu sehen.

Schnell ist einer der drei Ersatzschläuche, die ich dabeihabe, eingezogen und das mühsame Aufpumpen mit der Minipumpe beginnt. Der Reifen ist schon richtig prall, als mir beim Pumpen auffällt, dass der Mantel wohl auch etwas abbekommen haben muss. Der Schlauch drückt an einer Stelle schon eine richtige Blase durch die aufgerissene Seitenwand des Mantels. Nur zu gut, dass ich auch einen Ersatzmantel im Gepäck habe. Also Luft wieder raus, Ersatzmantel mit nächstem Schlauch aufgezogen und die Pumperei geht von vorne los. Und Pumpen heißt in diesem Fall mindestens 6-7 bar in den Reifen zu pressen, damit Durchschläge bei der Straßenqualität nicht alle paar Kilometer auftreten. Meine schmächtigen Radlerarme werden schon ganz taub, als endlich genug Druck im Reifen ist und ich die Pumpe (die mit Schraubverschluss auf dem Ventilgewinde befestigt wird) wieder vom Schlauch abdrehe. Beim ersten Zischen denke ich mir noch nichts, aber als mit einem Schlag der Reifen wieder komplett leer ist wird mir klar, dass sich das Sclaverandventil gemeinsam mit der Pumpe vom Ventilstutzen gelöst hat. Mist, Mist, Mist, das kann doch wohl nicht wahr sein. Ventil also wieder in den Ventilstutzen eingedreht und dieses Mal die Pumpe besonders sorgsam ohne jedes Verkanten montiert und die Pumperei beginnt von neuem. Ich mache es kurz…auch die kommenden zwei (oder waren es drei) Versuche führen zum selben Ergebnis. Immer beim Ablösen der Pumpe löst sich auch das Ventil vom Schlauch und die gesamte Mühe verpufft sprichwörtlich mit einem kurzen Zischen in der Atmosphäre. Das Kopfkino rattert und einsetzende Erschöpfung und Frustration helfen auch nicht gerade beim klar denken. Ich bin kurz davor den ganzen Bettel in die Wiese zu pfeffern und mich in meine Rettungsdecke gehüllt dazu zu legen und darauf zu warten, bis es am Morgen wieder hell wird, da ich in diesem Moment glaube, dass es ein Problem mit der Pumpe ist und ich mitten in der Nacht sowieso keine andere aufgetrieben bekomme.

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Reparatur läuft nicht mitten in der Nacht – Schluss mit lustig…

Aber ein Brevet ist eine Prüfung…und was wäre eine Prüfung, bei der alles glatt läuft. Also nochmal tief durchgeatmet und die Gedanken neu sortiert. Evtl. liegt es ja doch nicht an der Pumpe, sondern am Schlauch. Also Schlauch raus und den nächsten Ersatzschlauch eingefädelt. Eine ermüdende Pumporgie später mache ich drei Kreuze und halte selbst die Luft an, als das Ventil seiner eigentlichen Bestimmung beim Abziehen der Pumpe nachkommt und die Luft im Reifen hält. Zwischenprüfung bestanden – es kann wieder weitergehen. Also das nasse Equipment wieder von der Wiese eingesammelt, am Rad verstaut und weiter geht die wilde Fahrt. Ab jetzt tatsächlich etwas wilder, da das Hinterrad einen vermeintlich extremen Höhenschlag abbekommen hat, der bei jeder Radumdrehung einen spürbaren Impuls gehn Sattel sendet. Im Tageslicht am nächsten Morgen sollte sich dann herausstellen, dass der Mantel an einer Stelle tiefer im Felgenbett saß. Das ließ sich aber auch mit erneutem Luftablassen, Mantel ausrichten und Aufpumpen nicht beheben (erst zu Hause hat ein kurzes Erhöhen des Reifendrucks auf 9bar mit der Standpumpe den Mantel korrekt ins Felgenbett springen lassen).

Die nächsten Kontrollstellen Glainans, Lure und den Ballon Servance passiere ich dann bei Dunkelheit.

Die Fahrt läuft gut, die Beinchen schnurren und ich bekomme auch keine Probleme mit der Müdigkeit. Aber der Flüssigkeitsnachschub wird zunehmend schwierig. Als ich in Lure um ca. 1Uhr morgens an einer Tankstelle versuche nachts an Cola aus dem Automat zu gelangen, stelle ich leider fest, dass mein Kleingeld nur für eine 0,5Liter Flasche reicht. Als ich ein junges Mädel beim Betanken ihres Autos unvermittelt in einem Kauderwelsch aus Englisch und Französisch anspreche und nach Kleingeld zum Wechseln frage, bekommt sie glaube ich den Schreck ihres Lebens – und kann mir leider auch nicht weiterhelfen. Zum Glück sehe ich in Lure, wie ein Besitzer gerade seine Bar zu macht und kann ihn dazu überreden meine Flaschen mit Leitungswasser aufzufüllen. Das nächste Mal laufe ich völlig trocken bevor es in die Auffahrt zum Ballon d’Alsace geht. Durst macht sich breit und ich halte bei jeder Ortsdurchfahrt verzweifelt nach Brunnen oder einem Friedhof mit Gießwasser Ausschau. Aber nichts zu sehen. Doch da eilt mir die Müllabfuhr zu Hilfe. Als ein Müllauto kurz vor Morgengrauen an einem Stapel gelber Säcke anhält, kann ich den netten Müllmann davon überzeugen, mir seinen Getränkevorrat gegen ein großzügiges Trinkgeld zu überlassen. Schwuppdiwupp fülle ich die 1,5 Liter lauwarmes Wasser aus seiner alten PET-Colaflasche in meine Radflaschen um, und gebe ihm das gute Stück mit 5€ „Pfandgeld“ wieder zurück. In der Not kann man nicht wählerisch sein 😉

Mit frischem Treibstoff mache ich mich auf zum nächsten größeren Gipfel und erklimme in der Morgendämmerung den Ballon d’Alsace, um passenderweise auf dem Gipfel ein Kontrollfoto vor einem Tour de France Denkmal zu schießen.

Im darauffolgenden Tal vor dem Col du Page fahre ich immer wieder durch Frühnebelschwaden, so dass es empfindlich kühl bleibt und ich weiter in langen Radklamotten unterwegs bin.

Generell bin ich in der gesamten Nacht vor allem bei den schnellen Passabfahrten gerade noch so im erträglichen Bereich der Radklamotten unterwegs.

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Screenshot Garmin Connect – von 6° bis 30° Celsius ist alles dabei

Im kleinen Ort Oderen lege ich dann nochmals einen längeren Stopp ein, bevor es in den Endspurt geht. Ich fülle die Flaschen erneut auf und stärke mich in der Morgensonne zur Abwechslung von der Isopampe einmal mit leckeren süßen Stückchen vom Bäcker. Ein wahrer Genuss!

Die letzten Kilometer und Höhenmeter verlaufen dann relativ ereignislos. Es wird nochmals richtig steil und rau auf der folgenden Auffahrt. Aber nach dem bisherigen Streckenverlauf kann mich das auch schon nicht mehr schocken. Die schwindende Konzentration durch den Schlafmangel bemerke ich hauptsächlich dadurch, dass ich mir beim Schalten offensichtlich nicht mehr merken kann, wenn ich bereits im ersten Gang angekommen bin. In den steilen Rampen versuche ich regelmäßig in einen leichteren Gang zu schalten, obwohl ich den leichtesten Gang bereits kurz vorher eingelegt habe. Die regelmäßige eigene Enttäuschung, dass es nicht mehr leichter geht, ist in diesen Momenten schon fast wieder drollig.

So geht es über den Grand Ballon, den Petit Ballon und den Col du Firstplan über die letzten ernsthaften Prüfungen dieser langen Fahrt, wobei es zusehends wieder wärmer wird und der Schweiß erneut in Strömen fließt.

Bei der Abfahrt vom Col du Hundsplan öffnet sich die Rheinebene vor mir und die letzten 50km führen mich hauptsächlich flach, aber mit starkem Gegen- und Seitenwind zurück nach Freiburg zum Martinstor. Damit setzt sich aber sowieso nur der gefühlte Trend fort, den mir nach der Tour auch MyWindSock in der Statistik für meine Fahrt bestätigt.

Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt mir, dass keine „magische“ Zeitgrenze als Motivation zu einem Endspurt herhalten kann und so nehme ich etwas Druck vom Pedal und nutze die letzten 1,5 Stunden zum lockeren Ausfahren. Am Martinstor angekommen durchströmt mich dann die wohlige Freude und tiefe Befriedigung die gesteckte Herausforderung gemeistert und die Fuhre gut ins Ziel gebracht zu haben.

Schnell noch die obligatorischen Kontrollfotos geschossen, die Beine etwas gedehnt und ab zum nächsten Feinkostimbiss, um die geleerten Energiespeicher wieder für zukünftige Abenteuer zu füllen. This is why we ride 😉

Nach einer ausgiebigen Dusche und einem Powernap schlendere ich dann nochmal am Abend gemütlich zurück in die Freiburger Fußgängerzone für den zweiten Regenerationsgang.

 

Epilog

Während ich diesen Bericht schreibe, sitze ich gemütlich am Pooldeck eines Kreuzfahrtschiffes im Ägäischen Meer. Vielleicht hat auch das dazu geführt, dass der Bericht etwas lange geraten ist. Glückwunsch an alle Leser, die es bis zum Epilog geschafft haben 🙂

Nachdem meine Beine die ersten Tage (wie bei mir üblich) mit Wassereinlagerungen auf die lange Belastung reagiert haben, ist in der Zwischenzeit – von kribbelnden Fingern abgesehen – körperlich alles wieder innerhalb der üblichen Toleranzen. „Belchen satt“ war der perfekte Test fürs RATA. Nach ein paar Nächten mit viel Schlaf bin ich auf jeden Fall zuversichtlich, dass auch die 14.000hm des RATA keine unlösbare Aufgabe sind und bin schon richtig heiß darauf dort den Höhenmeterturbo gemeinsam mit meiner Crew zu zünden.

Zuletzt noch vielen herzlichen Dank an Urban und Walter für die Organisation dieser tollen Superrandonnée und die liebevolle Streckengestaltung, die einen zum größten Teil fernab des Verkehrs durch die schöne Landschaft führt. Dieser einsamen Streckenführung ist es auch zu verdanken, dass man unterwegs viel Zeit hat seinen Gedanken nachzuhängen und die Bewältigung der Strecke dadurch auch meditativen Charakter bekommt. Das war sicher nicht mein letztes Brevet der ARA Breisgau!

 

Packliste – zur Inspiration für Nachahmungstäter

Packliste Brevet Kommentar
Rettungsdecke Wenn man ungeplant am Wegesrand ein Nickerchen einlegen muss oder man zu wenig warme Radklamotten für die Witterung dabei hat
Radhelm
Radschuhe
Radhose, kurzes Unterhemd, kurzes Trikot, langes Trikot, Armlinge, Beinlinge, Regenüberschuhe, Windweste, Regenjacke, Radhandschuhe
3x Ersatzschlauch
Garmin GPS mit Pulsgurt Das Handy (mit der Komot App) habe ich zum Fotos schießen und als Backupnavigationslösung beim Versagen des Garmins noch mit an Bord
Fahrradschloss Ich habe ein kleines ABUS Zahlenschloss mit Drahtseil – das hindert zwar niemanden mit Werkzeug, dient aber als Wegfahrsperre, wenn man z.B. in einen Supermarkt das Rad kurz nicht im Blickfeld behalten kann
Ausweis Die Tour überquert 3 Mal eine Landesgrenze – sicher ist sicher
2x Fahrradflaschen Gehalten in meinen Tune Flaschenhaltern. Der Tune Rechts-/Linksträger ist ein echter Geheimtipp, wenn es im Rahmen aufgrund Rahmentaschen oder Lampenakku eng wird und man die Flasche in einen normalen Halter nicht mehr rein-/rausschieben kann. Zudem super leicht.
Brevetkarte, Höhenprofil, Beschreibung Kontrollstellen und Streckenbeschreibung
Akkupowerbank zum Nachladen von Garmin / Handy während der Fahrt (ich habe ein ZNEX Notstrøm, das wie eine Minipumpe in eine Rahmenhalterung am Flaschenhalter gesteckt wird)
Multitool (inkl. Kettennieter) und Reifenheber
Minipumpe mit Rahmenbefestigung
Kabelbinder Damit lässt sich so ziemlich alles provisorisch reparieren 😉
Gels, Riegel, Isopulver Lieber etwas mehr als zu wenig
Kleine Sonnencreme Zum Nachcremen unterwegs bei Bedarf am zweiten Tag
Stirnlampe inkl. Batterien Für Reparaturen bei Nacht oder zur Orientierung an den Kontrollstellen
Bikepacking Satteltasche Bei mir hat sich das Modell von Ortlieb (absolut wasserdicht) bestens bewährt
Lupine Piko + LED Heckleuchte Die Lupine Modelle sind über jeden Zweifel erhaben und bei vielen Randonneuren beliebt (We are the Light)
USB-/Lightning-Kabel für Verbindung Handy/GPS mit Powerbank
Reflektorveste-/Gurt für den Oberkörper Pflicht bei Brevets bei schlechten Sichtbedingungen / Dunkelheit
Kleiner Stift Zur Erfassung der Zeiten an den Kontrollstellen auf der Brevetkarte
Kleine Packung Feuchttücher Bei Bedarf als Toilettenpapier (Hygiene am Allerwertesten ist der Schlüssel zu schmerzfreiem Langstreckenradeln) oder zur Reinigung der Hände nach Reparaturen
Fahrradbrille Mit selbsttönenden Variogläsern, damit man Nachts auch noch etwas sieht
Kettenöl Hatte ich nicht dabei – ein kleines Fläschchen davon hätte mir aber den Stopp im Radladen erspart
Kleines Stück Lappen Siehe Kettenöl…
Bargeld, EC-/Kreditkarte Auf jeden Fall auch ein paar Münzen für Getränkeautomaten einpacken 😉
Flickzeug Falls auch der letzte Ersatzschlauch aufgebraucht ist
Ersatzmantel Zum ersten Mal gebraucht bei „Belchen satt“ – aber unendlich froh gewesen ihn dabei zu haben
Bremsbeläge Ich hatte auf der Strecke keine Probleme, hatte aber vorsichtshalber aufgrund der langen Abfahrten welche dabei – wenn das Wetter entsprechend ist, kann es einem schnell die Beläge runterhobeln
Dünne Einweggummihandschuhe Für Reparaturen oder zum Überziehen bei Kälte

Saarland Brevet 430km – Gegenwind formt den Charakter

Am gestrigen Samstag (05.05.2018) war es einmal wieder soweit. Die Herausforderung einer Langstrecke hat mich – wie in der Vergangenheit schon des Öfteren – ins schöne Saarland verschlagen. Die Wettervorhersage war vielversprechend. Sonnenschein von früh bis spät und das bei angenehmen Radfahrtemperaturen. Das gepaart mit der Aussicht ein paar alte Randonneursbekanntschaften und die super freundlichen Gastgeber/Organisatoren Andrea und Stefan wieder zu sehen, hat mich voller Vorfreude am Freitagnachmittag nach Wallerfangen (bei Saarlouis) aufbrechen lassen.

Übernachtet habe ich wieder auf einer Matraze in einem Abstellraum des Wallerfangener Campingplatzes – super praktisch, da der Campingplatz auch Start- und Zielort der Saarlandbrevets ist.

Nach einem leckeren Frühstück mit den anderen Randonneuren ging es los.

Wallerfangen – Wissembourg – Worms

Ich hatte mich für die 430km Runde mit der Route Wallerfangen, Wissembourg, Worms, Bad Kreuznach, Erbeskopf, Wallerfangen entschieden.

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Direkt nach dem Start um 08:00Uhr bin ich mit einer größeren Gruppe auf dem Saarradweg in Richtung Saarbrücken losgerollt. Es war mit 10 Grad noch recht frisch, so dass ich mich zügig an die Spitze der Gruppe gesetzt habe, um die Muskulatur auf Betriebstemperatur zu bekommen. Komplett flach ging es nach Saarbrücken, um denn nach Osten in etwas welligere Gefilde abzubiegen.

In den kommenden Hügeln hat Roman in den Steigungen die Wattzahlen nach oben schnellen lassen, so dass die große Gruppe zusehends kleiner Wurde und wir in Wissembourg an der ersten Kontrolle nur noch zu viert ankamen.

In dieser Konstellation (Roman, Thorsten und ein weiterer Mitstreiter) sind wir dann gemeinsam über leicht welliges Gelände nach Worms aufgebrochen. In der Zwischenzeit war es auch schon so warm, dass wir alle die Arm- und Beinlinge verstaut und in kurzer Hose/Trikot unterwegs waren. Also eigentlich alles top – wenn nur der super starke und zeitweise böige Gegen-/Seitenwind das Vorankommen nicht deutlich erschwert hätte. Mit guter Teamarbeit, bei der sich Roman und ich regelmäßig an der Spitze abgewechselt haben, sind wir in Anbetracht der Umstände trotzdem noch zügig vorangekommen. Und wie sagt man so schön… Gegenwind formt den Charakter 😉

Motiviert hat uns zu dieser Zeit vor allem die Aussicht auf eine schöne Pause bei guter Verpflegung in Worms beim Rewe Markt, den die Frau eines Teilnehmers managt, und bei dem die Teilnehmer traditionell auf halber Strecke mit Snacks und Getränken verwöhnt werden. Dort angekommen habe ich, basierend auf den Erfahrungen der Vergangenheit, den angebotenen Döner gegen ein Fladenbrot mit Schinken getauscht. Ein richtiger Randonneur greift hier eher zum Döner mit Bier und lässt dem Körper einfach genug Zeit zur Verdauung – aber die Randonneursszene ist vielschichtig. Und ich zähle wohl eher zur sportlich orientierten Fraktion, die beim Radeln den Genuss in der Geschwindigkeit und nicht im Kulinarischen sucht. So dass die Verpflegung während der ganzen Fahrt (vom Rewestopp abgesehen) nur aus Powergel und Isogetränken oder Cola von der Tankstelle bestand.

Worms – Bad Kreuznach

Nach einer längeren Pause ging es dann wieder los in Richtung Bad Kreuznach. Die Route wurde deutlich welliger, die Auffahrten steiler und auch der Gegenwind kannte weiter keine Gnade. Also weiter perfekte Bedingungen, um den Charakter zu formen. Und ein lukrativer Tag für alle Windradbetreiber, die es auf diesem Streckenabschnitt auf jeder Kuppe in Hülle und Fülle gab.

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So ging es Kilometer für Kilometer weiter, bis wir schließlich in Bad Kreuznach an der vorletzten Kontrolle in der Araltankstelle unsere Brevetkarte mit einem weiteren Stempel und die Fahrradflaschen mit Nachschub für die nächsten Kilometer gefüllt haben. In meinem Fall fanden auch 1,5 Liter Cola ihren Weg in die Flaschen. Was eine willkommene Abwechslung zum eintönigen Isomix darstellte, aber dank Kohlensäure und leicht undichter Flaschenverschlüsse die bereits vorhandene Isoschicht auf dem Fahrradrahmen mit einer zusätzlichen Colaschicht überzog. So ausgestattet wird jedes Fahrrad zum perfekten Fliegenfänger 🙂

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Bad Kreuznach – Erbeskopf

Beim Aufbruch von der Tankstelle trennten sich dann die Wege von Roman/Thorsten und mir. Die beiden sind als Duo mit etwas verringertem Druck auf dem Pedal in den Hundsrück angegangen, während ich den Beinchen nochmal etwas Feuer geben wollte. So bin ich alleine das Nahetal hinauf und der Abendsonne entgegengefahren. Der letzte Teil der Strecke ist mit Abstand auch der schönste. Das liegt zum einen an den verkehrsarmen Straßen, der idyllischen Landschaft und der besonderen Atmosphäre, die in der Abendsonne entsteht.

Nach Verlassen des Nahetals führt einen die Strecke über etliche Höhenmeter in Richtung Erbeskopf, der liebevoll auch Erbsenkopf genannt wird. Hinauf zum kleinen Ort Bergen wurde es nochmals spannend, da die Durchfahrt aufgrund einer Baustelle gesperrt war und über mehrere Kilometer bergauf für mich nicht klar war, ob die Durchfahrt mit dem Rad gelingt. Zum Glück gab es kurz vor Erreichen von Bergen nur etwa 50 Meter, die tatsächlich schlecht zu befahren waren und schiebend von mir überwunden wurden. Mit Einbruch der Dämmerung habe ich dann auch die Beleuchtung am Rad aktiviert und die bei Brevets vorgeschriebenen Reflektoren übergestreift. So langsam wurde es auch mit Getränken wieder eng und da ich die Strecke aus den vergangenen zwei Jahren bereits kannte war mir klar, dass es auf den nächsten Kilometern keine weiteren Einkaufsmöglichkeiten mehr geben würde. Zum Glück konnte ich bei der Durchfahrt durch den nächsten kleinen Weiler ein altes Rentnerehepaar, das den Abend auf einer Bank vor ihrem Haus genoss, davon überzeugen meine Flaschen mit Leitungswasser wieder aufzufüllen.

Zum Erbeskopf hoch zieht sich die Strecke dann noch etwas. Es wird zwar nie wirklich steil, aber den höchsten Punkt in Deutschland westlich des Rheins muss man sich trotzdem erarbeiten. Oben angekommen sind die letzten Sonnenstrahlen am Horizont verschwunden und mit dem Handyfoto konnte ich noch einen kleinen Streifen Abendrot einfangen, bevor ich mit einer am Straßenschild angeschlossenen Stempelzange meine Brevetkarte selbst markiert und die Beinlinge und Armlinge wieder anzog. Dank hereinbrechender Dunkelheit war es in der Zwischenzeit auf empfindlich kühle 10 Grad abgekühlt und der Temperaturkreis 10° – 30° – 10° war somit geschlossen.

Endspurt nach Wallerfangen

Morgens noch hatte mich Andrea gefragt, wann sie mit unserer Ankunft rechnen soll, damit sie als Empfangskomitee am Campingplatz vor Ort sein kann. Und dank bester Wetterbedingungen hatte ich optimistisch Mitternacht prognostiziert. Dank der extremen Windverhältnisse hatte ich mir eine Ankunft in Wallerfangen noch am selben Tag allerdings schon lange abgeschminkt und beim Aufbruch vom Erbeskopf war es bereits 21:55Uhr. Bei der langen Abfahrt zurück zur Hauptstraße konnte ich aber doch nicht anders mir die verbleibenden Restkilometer und das Höhenprofil etwas genauer anzuschauen. Noch 73 Kilometer zu fahren und 600hm tendenziell bergab (von 800hm auf 200hm). Okay, ein paar kleinere Bergauf Wellen und auch ein paar unangenehmere längere Anstiege, aber trotzdem ein schneller Kurs…

Die aufkommende Erschöpfung half zwar nicht gerade dabei den Dreisatz aus Zeit, Entfernung und Geschwindigkeit aufzulösen, aber nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass ein 36er Schnitt reichen müsste, um gerade noch rechtzeitig vor Mitternacht in Wallerfangen zu sein und Andrea nicht zu enttäuschen 😉

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Eine Herausforderung, aber nicht hoffnungslos – also Challenge accepted! Und so mobilisierte ich für die letzten zwei Stunden die verbliebenen Reserven und ließ es nochmals so richtig krachen. Der Lupine Flaggscheinwerfer im Wechsel in den zwei hellsten Stufen war wieder einmal Gold wert in den schnellen Abfahrten. Durch die kräftezehrenden Rampen war ich mir aber nie ganz sicher, ob es sich tatsächlich ausgehen würde. Erst als 20 Minuten vor Mitternacht nur noch 7-8 Restkilometer auf dem Garmin standen war mir klar, dass es auf jeden Fall reichen würde und ich die letzten Meter in Wallerfangen auch noch einen Gang runter schalten kann, um den aufgebauten Laktatüberschuss noch locker aus den Beinen zu schütteln.

Glücklich über den schönen Verlauf und Ausklang des Tages wurde noch schnell das obligatorische Finisherfoto geschossen, bevor ich mich zu Andrea in das Bistro des Campingplatzes gesellte.

Dort warteten bereits einige Teilnehmer, denen die anstrengenden Windverhältnisse den Spaß genommen hatten, und die unterwegs auf den Windschatten der Deutschen Bahn umgestiegen waren. So war auf jeden Fall für Stimmung gesorgt und ich konnte die leeren Energiespeicher in geselliger Runde wieder auffüllen. Es gab leckeren Kuchen, Kekse und eine große Portion Kartoffelsalat mit Frikadellen.

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Epilog

Um kurz vor 03:00Uhr gewann dann die Müdigkeit die Oberhand und ich zog mich für die zweite Nacht in mein Matratzenlager zurück. Auch Andrea hat erfolglos versucht ein paar Minuten Schlaf in ihrem Liegstuhl zu erhaschen.

Um kurz vor 07:00Uhr erinnerte der Wecker mich dann unerbittlich daran, dass es Zeit zum Aufstehen sei, um dann mit dem Renner zum nächsten Bahnhof nach Saarlouis zu radeln.

Da die Erinnerung noch frisch war, habe ich die Zeit im Zug gleich für diesen Bericht genutzt. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Andrea und Stefan, dass sie bereits seit Jahren die Brevetserie im Saarland organisieren. Und natürlich an Roman und Thorsten für die angenehme Begleitung auf einem Großteil der Strecke. Ich komme wieder 🙂

 

 

 

Die Race Season ist eröffnet – Schönbuch-Trophy 2018

Heute stand mit der Schönbuch Trophy in Herrenberg mein erstes MTB-Rennen der Saison 2018 im Kalender. Nach einem „leckeren“ Frühstück bin ich gut gelaunt aufgebrochen, um meine Centurion Rennfeile (Backfire Carbon Team) ihrer wahren Bestimmung zuzuführen. Mit top Serienausstattung und gepimpt mit ein paar Tune-Teilen ist es sicher das schnellste Mountainbike, auf das ich je eingetreten habe.

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Power Porridge und Rote Bete Turbo Aperitif

Da ich dieses Jahr im Sommer einige längere Distanzen ins Auge gefasst habe, habe ich die Gelegenheit genutzt, ein paar Rennkilometer mehr zu sammeln. Und da in Herrenberg die Kurzdistanz (24km) und Langdistanz (48km) zeitlich so starten, dass man bei zügiger Fahrweise bei beiden Rennen nacheinander an den Start gehen kann, hatte ich mich schon im Vorfeld für beide Varianten angemeldet.

Als wir ankamen war die Straße leider nass und es regnete noch leicht. Bis zum Start der 24km-Runde hatte das Wetter aber ein Einsehen, der Regen war Geschichte und die Straße nur  noch leicht feucht. Die Wege im Wald hatten den Regen größtenteils rückstandsfrei aufgesogen und die Strecke mit hohem Trailanteil war in top Zustand.

Der erste Akt – 24km Kurzdistanz – Platz 3 Overall

Vor mir im Lizenzblock stand eine ganze Horde Junioren und Jugendfahrer, die mit Ertönen des Startschusses alles mobilisierten, was die jungen Beine hergaben. Und mich beschlich unwillkürlich das flaue Gefühl, dass das Wintertraining wohl doch nicht die gewünschte Wirkung hatte, als die junge Meute den ersten Berg ungebremst im Sprintmodus attackierte. Aber nach den ersten 2 Kilometern war alles wieder im Lot und die Jugend musste ihrem ungestümen Enthusiasmus Tribut zollen und sich einer nach dem anderen wieder hinter den vorderen Herren und Mastersfahrern einsortieren 😉

Das Tempo war aber weiter hoch und 3 schnelle Herren hatten sich im Getümmel der Juniorenmeute etwas von mir abgesetzt. Also Zähne zusammenbeißen und mit der nächsten Gruppen versuchen wieder Boden gut zu machen. Doch die Führenden hatten im Winter wohl auch trainiert… so dauerte es fast die komplette erste Hälfte des Rennens, bis ich mich von meiner aktuellen Gruppe absetzen und zum aktuell Drittplatzierten aufschließen konnte. Der hatte in der Zwischenzeit aber auch schon eine Lücke zum Führungsduo reißen lassen. Mit abwechselnder Führungsarbeit und gegenseitiger Windschattenspende konnten wir zwar die nächste Verfolgergruppe immer schön auf Abstand halten, aber leider auch nicht mehr zum vor uns fahrenden Duo aufschließen. Auf den letzten 3 Kilometern kündigten wir unser Zusammenarbeitsbündnis dann auf und eröffneten den Kampf um Platz 3. Keiner wollte wirklich nachgeben, aber auf dem letzten Kilometer konnte ich dann doch eine kleine Lücke reißen, die ich mit letzter Anstrengung auch ins Ziel retten konnte. Meine Freude im Ziel über den Podiumsplatz in der Gesamtwertung war natürlich groß 🙂

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Das spezielle bei der Schönbuchtrophy ist, dass die ersten drei der Gesamtwertung aus den Altersklassenwertungen heraus genommen werden. Sonst hätte ich mit meiner Zeit auch noch den Altersklassensieg in der Masters Wertung mit nach Hause nehmen können.

Doch wie sagt man so schön… nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Und so ging es schnurstracks wieder zurück zum Auto, um das Trikot und die Flaschen wieder mit neuer Verpflegung für den zweiten Akt zu füllen. Die Siegerehrung musste dadurch für mich auch ausfallen, da diese zeitgleich zur Austragung der Langdistanz stattfand.

Der zweite Akt – 48km Langdistanz – du sollst dich nicht überfressen

Nach dem guten Verlauf des ersten Aktes war meine Motivation ungebrochen und ich wollte auch bei der Langdistanz nochmal richtig Gas geben. Also schnell die Startnummer gewechselt und das Rad wieder fit gemacht für die nächste Runde. Um wieder mit vollen Speichern am Start zu stehen, wurde im Auto also in aller Eile ein Recovery Shake, zwei Gels und eine Flasche Iso in den Rachen gekippt. Das war wohl etwas zu viel des Guten für meinen Magen. Bereits am Start einen halbe Stunde später hatte ich einen hübschen Wasser-/Blähbauch vorzuweisen. Allerdings ohne Beschwerden, so dass ich mir eingeredet habe, dass das ganze Zeug im Rennen schon noch den Weg in die Blutbahn finden würde. Der Startschuss ließ nicht lange auf sich warten und die Rangelei um die vorderen Plätze begann von neuem. Doch bevor es in die erste Kurve ging, lag schon ein größeres Knäuel verkeilter Biker mitten auf der Straße. Im Eifer des Gefechts hatten sich wohl einige Verhakt. Mein Glück, dass ich in meiner Position kurz dahinter noch rechtzeitig abbremsen und ausweichen konnte. Im ersten längeren Anstieg wurde wieder das Feld sortiert. Bereits eine Runde in den Beinen lief es nicht mehr ganz so spritzig, ich konnte aber trotzdem in eine der vorderen Gruppen fahren und mich dort festbeißen. Doch je länger wir unterwegs waren, umso deutlicher meldete sich mein Magen…und um es noch schlimmer zu machen verschob sich das Problem zusehends eine Etage tiefer in den Darm… Die Details erspare ich euch – bei ca. Kilometer 20 hatte der Spaß auf jeden Fall endgültig ein Loch und ich musste äußerst kurzfristig einen unplanmäßigen Notstopp hinter ein paar Bäumen einlegen.

Danach war die Motivation gelinde gesagt leicht angeschlagen. Die schnellen Gruppen waren weg und ich war allein auf weiter Flur. Dafür ging es mir körperlich wieder deutlich besser und nach ein paar Metern konnte ich mich doch wieder motivieren den Zug auf die Kette zu erhöhen und zu einer größeren Gruppe vorzufahren. Diese Gruppe blieb dann auch fast die ganze zweite Runde zusammen. Erst am letzten extrem steilen Stich setzten sich 4 Fahrer – einschließlich mir – vom Rest der Gruppe ab und zogen gemeinsam vollends durch bis ins Ziel. Somit konnte ich mir noch den 12. Platz in meiner Altersklasse sichern. Das war zwar doch etwas unter meinen ursprünglichen Erwartungen, aber nach dem Verlauf der ersten Runde trotzdem zufriedenstellend. Zumindest habe ich wieder einiges über Sporternährung gelernt – falls ich mal wieder auf die glorreiche Idee kommen sollte zwei Rennen direkt hintereinander zu fahren 🙂

Zu Hause angekommen habe ich dann schnell die Glut angeheizt und es gab den Lohn der Arbeit…

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Die Eiweißspeicher wieder auffüllen…

 

Strava 24km:

https://www.strava.com/activities/1536742320/embed/503972d5d9b7ea04cb4b3bd634d29acc39a5f4cb

Strava 48km:

https://www.strava.com/activities/1536742710/embed/58675774e7544888bdd513c677b1a825810a106b