Presse – Ludwigsburger Kreiszeitung 18.8.2018 – Mit dem Rad längs durch das Land

Von Nord nach Süd mit dem Fahrrad: Der 39 Jahre alte Jochen Böhringer hat beim Race Across Germany gewonnen. Als Erster kam er auf der Strecke von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen ins Ziel. Doch das über 40 Stunden lange Rennen soll noch nicht das höchste der Gefühle für Böhringer sein.[…]

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Presse – Bietigheimer Zeitung 4.7.2018 – In Bestzeit von Flensburg nach Garmisch

Der Tammer Jochen Böhringer hat beim Race Across Germany – ein Non-Stop-Ultracycling-Rennrad-Rennen von Flensburg nach Garmisch über 1100 Kilometer und etwa 7500 Höhenmeter – in der .Kategorie „non-supported“ (also ohne Unterstützung durch ein Begleitfahrzeug) den Sieg eingefahren.[…]

https://www.swp.de/sport/mehr-lokalsport/bietigheim-bissingen/in-bestzeit-von-flensburg-nach-garmisch-27088173.html

Race Across Germany 2018 – Wenn’s läuft dann läuft’s

Es ist schon wieder eine Woche her, aber die Erinnerungen sind noch frisch und so präsent, dass ich zumindest Ausschnitte meiner Reise – von Flensburg nach Garmisch – in diesem Rennbericht niederschreiben möchte. Die Zahlen zum Race Across Germany (RAG – www.raceacrossgermany.de) lesen sich wie jedes Jahr: 1.100km und ca. 7.500hm Non-Stopp Ultracycling. Doch für mich war es dieses Jahr ein komplett neues Event. Während ich letztes Jahr mit Begleitfahrzeug und Supportteam am Start war, habe ich mich dieses Jahr als Solofahrer „non supported“ an die Startlinie gestellt.

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Den Unterschied merkt man sofort, wenn man sich mit seinem Fahrrad in Bewegung setzt. Zwei volle 1-Liter Flaschen im Rahmendreieck, eine 0,6-Liter Flasche in der Trikottasche, eine vollgestopfte Bikepackingtasche unter dem Sattel, eine Tasche für Powerbanks zwischen den Aerobars und ein vollständiges Beleuchtungsset mit Akkus für zwei Nächte, lassen das Rad nicht nur im Wiegetritt gut schwingen, sondern zeigen einem auch bei jedem Antritt und jeder Steigung, dass man nicht alleine auf dem Rad unterwegs ist.

Fahrfertig hat mein Rad einschließlich Gepäck, Verpflegung und Werkzeug ca. 18kg auf die Waage gebracht. Ein Glück ist zumindest ein Teil davon, während der Fahrt, meinem fortwährenden Energiebedarf zum Opfer gefallen 🙂

Die erste Phase

Da Windschattenfahren verboten ist, gehen alle Fahrer und Teams im 2-Minuten-Takt an den Start. Durch meine kurzfristige Planänderung vom RATA (Race Across the Alps) zum RAG hatte ich mich knapp zwei Wochen vor dem Event wohl als letzter angemeldet und „durfte“ somit als Schlusslicht der Solofahrer um 08:30Uhr auf die Strecke. Hinter mir folgten nur noch die drei Viererteams.

Meine Motivation ist dank bester Wetteraussichten gut, und bereits beim Start ist es so warm, dass ich kurz/kurz, nur ergänzt um Armlinge, in die Morgensonne starte. Der Wind zeigt in die richtige Richtung und die flache Strecke raus aus Flensburg regt zum Tempo machen an. Ich muss mich sehr zurück halten und den Powermeter ständig im Blick behalten, um nicht viel zu schnell loszuballern. Das gelingt mir zumindest teilweise. Vor allem als das schnellste Viererteam zu mir aufschließt ist die Versuchung sehr groß ihr Tempo mitzugehen. Immer wieder muss ich mir ins Gedächtnis rufen, dass man das Rennen am ersten Tag nicht gewinnen, aber sehr wohl verlieren kann, wenn man überzieht.

Durch die perfekten Bedingungen gleitet das vordere Drittel des Feldes die ersten 200km in einem 36er Schnitt dahin und es macht so richtig Spaß.

Kein Vergleich zum Vorjahr, in dem Dauerregen die Stimmung deutlich getrübt hat. Die generell günstigen Windverhältnisse kann man auch im Nachgang auf der MyWindSock Auswertung gut sehen:

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MyWindSock Auswertung der Windverhältnisse während des Rennens

Wie man schön sieht, führt der überwiegend von Osten kommende Wind überwiegend zu Seitenwind und auch zu etwas Rückenwind. Falls der Wind von vorne kommt, dann meistens schräg und selten frontal.

Ich kann mich schon innerhalb der ersten Stunde an den anderen „non supported“ Fahrern vorbeischieben und bei den Solofahrern mit Team am frühen Nachmittag irgendwo zwischen Platz 5 und 7 einreihen. Das schnellste Viererteam treffe ich auch von Zeit zu Zeit wieder, da sie zumindest zu Beginn noch Probleme mit der Navigation haben.

Die Verpflegung

Die ersten zwei bis drei Stunden bin ich vom Gewicht der Ladung abgesehen zumindest bzgl. Verpflegung den „supported“ Fahrern gleichgestellt. Ich habe in meiner Flasche im Trikot 3 Packungen Ensure dabei und trinke dazu fleißig Iso aus den vorbereiteten Flaschen am Rahmen. Doch bei den steigenden Temperaturen geht mein Vorrat zusehends zu neige und ich fange an, mich nach Wasserquellen (Tankstellen, Bäckereien, Friedhöfen, Supermärkten, Dönerbuden) am Wegesrand umzusehen. Als mir Marisa Lorenz aus dem Begleitfahrzeug von Sport Floh Wasser anbietet, traue ich mich zuerst nicht, dieses anzunehmen. Schließlich möchte ich meinen „non supported“ Status nicht gefährden und mich regelkonform verhalten. Doch die Verlockung ist groß und so rufe ich kurzerhand die Rennleitung an, um die Situation für das restliche Rennen zu klären. Die Antwort kommt prompt: Wasser annehmen ist okay. Und so lasse ich dankend die ein oder andere Flasche mit frischem Wasser während der Fahrt füllen. Anhalten lässt sich natürlich trotzdem nicht vermeiden, da ich das Wasser wieder mit Isopulver versetzen muss, das ich für ca. 30 Flaschenfüllungen dabei habe. Das funktioniert natürlich nur, solange ich zufällig in der Nähe eines anderen Fahrers bin. Aber zumindest im ersten Renndrittel bietet sich immer wieder die Chance.

Hier sei generell gesagt, dass der Zusammenhalt bzw. die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer und ihrer Teams super sind. Bei solch einer langen Fahrt werden Konkurrenten zu Leidensgenossen, die sich gemeinsam dem Kampf gegen die Strecke stellen. So werde ich immer wieder von anderen Teams angefeuert und bei Überholvorgängen werden anerkennende Worte ausgetauscht. Der Respekt der Starter untereinander ist allgegenwärtig, da jeder weiß, dass bereits die Anmeldung zu solch einem Event ein nicht unerhebliches Maß an Courage und Training voraussetzt.

Zurück zur Verpflegung: Um wenig Risiko mit der Verdauung einzugehen setze ich voll auf gewohnte Kost und kaufe unterwegs nur relativ wenig nach. Deshalb habe ich beim Start neben den drei Ensure und meinen 30 Dosen Isopulver noch 2 Powerbars und 30 Powergels im Gepäck. Das macht alleine für die Gels schon ~1,3kg 🙂 Nachdem die Ensure nach drei Stunden aufgebraucht sind nehme ich ca. alle 1,5h ein Gel, da meine Planung von einer 48h Zielzeit ausgeht. Als ich im weiteren Rennverlauf merke, dass ich schneller unterwegs bin als geplant, erhöhe ich die Frequenz auf ein Gel je Stunde.

Die einzige Ausnahme bilden:

  • bei ca. Kilometer 250 ein Muffin von einem Kiosk
  • bei Kilometer 465 an der zweiten Timestation zwei eingeschweißte Kuchenstücke und eine Banane, die ich einpacke
  • und eineinhalb Brötchen und ein Landjäger beim Frühstück nach der ersten Nacht

Bzgl. Getränken bleibe ich eisern bei meiner Isomischung mit stillem Wasser und lockere diese nur dreimal mit Cola von der Tankstelle auf. In Summe nehme ich so ca. 11.000 Kilokalorien während dem kompletten Event zu mir. Das deckt ca. die Hälfte meines Bedarfs. Die zweite Hälfte muss mein Körper notgedrungen mit Fett und sicher/leider auch der ein oder anderen verstoffwechselten Muskelzelle beisteuern. Der Heißhunger an den Tagen nach der Veranstaltung sprechen eine deutliche Sprache 😉

Die mittlere Rennphase

Nachdem die ersten 250km noch relativ abwechslungsreich sind, da ich regelmäßig andere Teams treffe, wird es nach der ersten Timestation zunehmends ruhig um mich. Kurz bin ich auf Gesamtplatz 3 der Solofahrer, aber bei einem Verpflegungsstopp und der obligatorischen Durchgabe meiner Zwischenzeit an der Timestation per SMS, werde ich von Norbert Vohn und Florian Schütte wieder eingesammelt und falle auf Platz 5 zurück. In der Kategorie der „non supported“ Fahrer habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits einiges an Vorsprung, so dass ich mich hauptsächlich an den Solofahrern mit Begleitfahrzeug orientiere.

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Fotografin Maresa Lorenz (Team Sport Floh)

Nach einiger Zeit überhole ich Florian vom Team Sport Floh und muss leider von seinem Begleitfahrzeug erfahren, dass es ihm nicht gut geht, und er sich leider auch schon übergeben musste. Bei den dauerhaft hohen Temperaturen natürlich umso schlimmer, da der Körper dadurch noch weiter dehydriert. Ich wünsche ihnen eine schnelle Besserung und drücke weiter auf die Tube. So geht es ohne größere weitere Kontakte zu anderen Teams in den Abend. Als es dunkel wird, ziehe ich meine Reflektorgurte über und schalte das Licht zu. Da ich hierzu am Rad nichts umbauen muss, kann ich mich dabei erneut auf Platz 3 vorschieben.

Kurz nach halb 11 erreiche ich die zweite Timestation bei Kilometer 465 in Bilderlahe – einem kleinen Ort in the middle of nowhere. Dort hat Dieter Göpfert (der Rennleiter) angekündigt, dass er für die „non supported“ Fahrer etwas Proviant und Wasser an einer Bushaltestelle deponieren wird.

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Dieter Göpfert – seit 19 Jahren Rennleiter und Organisator des Race Across Germany

Als ich ankomme, sind er und sein zweiköpfiges Organisationsteam noch vor Ort. Und die Stimmung ist super. Nicht unwesentlich trägt dazu auch eine kleine Gruppe Einheimischer bei, die in Feierlaune, mit dem ein oder anderen Bier im Gepäck, zusammen mit der Rennleitung Stimmung an der Bushaltestelle machen.

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Partypeople an der Timestation 2 in Bilderlahe – einzige offizielle Verpflegungsstation

Vor lauter flotten Sprüchen vergesse ich fast, mir noch etwas aus der Verpflegungsbox einzustecken. Frisch gestärkt und mit vollem Wasservorrat geht es nach kurzem Stopp weiter und der anspruchsvollere Teil der Strecke beginnt.

Kasseler Berge

Diesen Teil könnte man sicher auch mit „auf und nieder – immer wieder“ überschreiben. Die Kasseler Berge werden auf kleinen Sträßchen in einem ständigen auf und ab bezwungen. Ich bin heilfroh, dass ich in Vorbereitung auf das RATA eine Bergübersetzung auf mein Rennrad montiert habe. So sind die Steigungen trotz schwerem Gepäck noch mit erträglichen Trittfrequenzen zu bewältigen. Der Rennverlauf wird auch wieder etwas abwechslungsreicher, da mich von hinten Norbert Vohn überholt und auch das zweitschnellste Viererteam immer wieder aufschließt. Besonderes Glück habe ich auch mit einem Anwohner, der gerade von der Nachtschicht nach Hause kommt, und den ich kurzerhand zum Auffüllen meiner leeren Wasserflaschen verpflichten kann.

So geht es durch die Nacht. Die Zeit vertreibe ich mir auch mit dem ein oder anderen Telefonat, wobei sich die Nachtschwärmer bis kurz vor 1Uhr nachts und die Frühaufsteher ab 5Uhr morgens quasi die Klinke in die Hand geben. Diese Möglichkeit zur Abwechslung während dem gesamten Rennen bezahle ich ganz bewusst mit dem Mehrgewicht durch eine weitere Powerbank und das Spezialheadset am Helm. Die Motivation, die ich aus den Gesprächen mit Freunden und auch den Kommentaren auf Facebook oder über Whatsapp schöpfe, ist nicht zu unterschätzen, und hilft mir sehr der langen Zeit auf dem Fahrrad mit einer positiven Grundstimmung zu begegnen.

Morgenstund hat Gold im Mund

Am frühen Morgen lege ich noch einen Stopp beim Bäcker ein und setze mich für ein Brötchen kurz hin. Kurz davor lasse ich auch das zweitschnellste Viererteam ziehen. Da der Bäcker aber keine Kundentoilette hat, zieht es mich schnell weiter und in der nächsten größeren Stadt steuere ich eine Tankstelle an, um mich fit für den zweiten Tag zu machen.

Neben der Auffüllung meiner Wasservorräte lege ich dort auch eine neue Schicht Sonnencreme, Kettenöl und Gesäßcreme auf und gönne mir einen Landjäger. Das einzig herzhafte das ich sonst während der Fahrt bekomme, sind regelmäßig Salztabletten, um den Verlust über den Schweiß einigermaßen auszugleichen.

Danach bin ich allein auf weiter Flur. Immer wieder versuche ich zu den vor mir fahrenden Solofahrern aufzuschließen. Aber sobald ich einige Kilometer nähergekommen bin, muss ich wieder irgendwo anhalten, um meinen kontinuierlichen Wasserbedarf zu stillen. Vor allem die dauerhafte Sonneneinstrahlung, die die Temperaturen im Verlauf des Tages auf bis zu 35 Grad ansteigen lässt, macht mir zunehmend zu schaffen. Über weite Teile der Strecke am zweiten Tag gibt es keinerlei Schatten, und die wenigen Wölkchen am Himmel verirren sich viel zu selten vor die Sonne.

So halte ich nicht nur zum Auffüllen der Wasserflaschen, sondern lege auch kurze Stopps an Ortsbrunnen oder Friedhöfen ein, um meinen Kopf und das Trikot nass zu machen und so für zusätzliche Kühlung zu sorgen. Die dritte Trinkflasche opfere ich auch zur Kühlung und benetze mit ihrem Inhalt regelmäßig Nacken und Oberkörper während der Fahrt. So muss ich zwar öfter Anhalten zum Nachtanken, aber ich erleide keinen Hitzeschlag.

Am Nachmittag besucht mich dann noch der Defektteufel und auf freiem Feld – natürlich wieder ohne Schatten in der Nähe – gibt mein vorderer Schlauch den Geist auf und es bleibt mir nichts anderes übrig, als bei einem Stopp in der prallen Sonne, den Schlauch zu wechseln.

Letztes Renndrittel

Auf den letzten 200 Kilometern der Strecke zieht der Kurs nochmals deutlich an. Es wird wieder richtig bergig und die Abenddämmerung mit ihren kühleren Temperaturen lässt viel zu lange auf sich warten. Eigentlich ist jetzt Zeit für den Endspurt, aber die Hitze hat mir den Zahn gezogen. Ich kann zwar weiterhin Zug auf der Kette halten, aber eine Steigerung ist momentan nicht mehr drin. Das merke ich vor allem daran, dass das dritte Viererteam im Tractalis Livetracking immer weiter zu mir aufschließt. Zwischendurch überlege ich sogar, mich gemütlich in ein Eiscafé zu setzen, und den Einbruch der Dämmerung mit einem guten Eisbecher und hochgelegten Beinen abzuwarten, bevor ich weiterfahre. Vor allem da der Abstand zum nächsten „non supported“ Fahrer in der Zwischenzeit auf komfortable 180km angewachsen ist. Doch dann fällt mir ein, dass es neben dem Sieg in der „non supported“ Klasse auch noch eine weitere attraktive Trophäe zu holen gibt…den Streckenrekord „non supported“. Dieser liegt bei 45h41min. Und Schwupps fällt das leckere Eis meinen Ambitionen zum Opfer 😉

Als es endlich abkühlt am Abend, bin ich ziemlich ausgepowert und heilfroh, dass es nur noch ca. 100km bis ins Ziel sind. Diese ziehen sich dann nochmal wie Kaugummi. Es kommen wieder einige Wellen und die Strecke schraubt sich langsam aber sicher auf das Höhenniveau von Garmisch. Da ich bisher noch keine Minute geschlafen habe, macht sich nach Anbruch der Nacht auch die Müdigkeit etwas bemerkbar. Aufgrund der Erschöpfung und der feuchten Luft wird es mir gegen Ende sogar noch richtig kalt und ich muss erstmals Beinlinge und mein langes Wintertrikot überziehen. Jetzt werden die Telefonate mit Freunden besonders wichtig. Ein Anruf jagt den nächsten und so gehen auch diese letzten Stunden vorüber. Kurz vor dem Ziel steht auch mein guter Freund Matthias an der Strecke und feuert mich an. Er ist spontan aus München nach Garmisch gefahren, um mich im Ziel zu empfangen und vom Ziel ins Hotel zu bringen. Als ich das Ortsschild von Garmisch passiere, kommt die Euphorie zurück und ich freue mich schon richtig aufs Ziel…aber der Ort ist lang und die Olympiaschanze liegt ganz am Ende… Doch auch die letzten Meter und Kurven gehen irgendwie vorbei und das Glück ist unbeschreiblich, als ich am Fuß der Olympiaschanze ins Stadion einfahre und mich Matthias und Dieter unter dem Zielbogen empfangen.

Es ist vollbracht!

Mein Garmin zeigt 1.116km und eine Zeit von 40:33min.

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Das ist deutlich schneller als ich mir jemals hätte vorstellen können und damit Platz 1 der „non supported“ Kategorie, neuer Streckenrekord in dieser Kategorie, ein respektabler 4. Gesamtrang bei den Solofahrern und die Race Across America Qualifikation. Die Endorphine geben alles und die Strapazen und Entbehrungen der Strecke sind für einen Moment vergessen 🙂 Ich genieße den Moment und freue mich, dass ich ihn mit Matthias und dem Organisationsteam teilen kann.

Danke!

Vielen Dank an dieser Stelle vor allem an meine Frau Sandra und meine Kinder, die bei Vorbereitung und Wettkampf oft zeitlich zurückstecken müssen. Ohne diese Unterstützung wäre an die Teilnahme bei einer solchen Veranstaltung überhaupt nicht zu denken. Dies ist auch einer der Gründe, warum eine RAAM-Teilnahme als Solostarter trotz erneuter erfolgreicher Qualifikation, in unserem aktuellen Lebensabschnitt mit kleinen Kindern, nicht in Frage kommt für mich.

Vielen Dank auch an die anderen Starter und ihre Teams für ihre Kameradschaft auf der Strecke und an Matthias für den Empfang im Ziel und die großartige Betreuung im Anschluss. Ein riesen Dank gilt auch meinen Freunden und Kollegen, die mich mit Anrufen, Facebook- und Whatsapp-Kommentaren zu jeder erdenklichen Uhrzeit bei Laune und motiviert gehalten haben. Und natürlich Dieter Göpfert und seinem Team, die dieses tolle Event möglich und mit viel Engagement und Herzblut auch zu etwas Besonderem machen.

Abschlussveranstaltung

Nach kurzem aber intensivem Schlaf im Hotel treibt mich der Hunger am Morgen zum Frühstücksbuffet. Dort treffe ich noch auf die zwei AbbVie Viererteams und ihre Betreuer, die zufällig im gleichen Hotel abgestiegen sind, und wir genießen das Frühstück gemeinsam.

Am Sonntagnachmittag findet dann die Siegerehrung am Fuß der Olympiaschanze statt. Ein schönes Ambiente und ein würdiger Abschluss für das RAG 2018. Jeder gratuliert jedem und alle sind Sieger über die Strecke.

Wie geht’s weiter

In der vergangenen Woche war körperlich erst einmal Regeneration angesagt – auch wenn ich ab Montag gleich wieder arbeiten musste. Mein Körper hat auf diesen Missbrauch wie gewohnt mit größeren Wassereinlagerungen vor allem in den Beinen reagiert, so dass die Waage bereits am Montagabend 7 Kilogramm mehr angezeigt hat, als vor dem Start. Die Wassereinlagerungen und das Ziehen in den Knien hat sich im Verlauf der Woche aber schon wieder normalisiert, wozu sicher auch die zwei 30-minütigen Recoveryfahrten auf der Rolle positiv beigetragen haben. Wie weit die Regeneration in zwei Wochen tatsächlich sein wird, wird sich nächstes Wochenende bei der Salzkammerguttrophy zeigen, wenn ich mit dem MTB die A-Distanz in Angriff nehme…nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Ride on.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Race Across Germany / 24h vor dem Start

Morgen ist der große Tag und ich starte zum zweiten Mal beim Race Across Germany (www.raceacrossgermany.de) – ein non-Stopp Ultracycling Race von Flensburg nach Garmisch über 1.100km und 7.500hm. Die Anspannung steigt und es wird Zeit, dass es morgen früh um 08:30Uhr für mich endlich auf die Strecke geht 🙂

Wenn ihr mich wieder live verfolgen möchtet, so könnt ihr dies hier tun. Ich bin der Punkt mit der Nummer 15:

http://live.tractalis.com/2018/rag2/

Aber Achtung: das sogenannte Dot-Watching kann süchtig machen 😉

Da ich aus privaten Gründen sehr kurzfristig vom Race Across the Alps aufs Race Across Germany umdisponieren musste, habe ich dieses Jahr die „Non-Supported“ Variante gewählt. D.h. ich bin auf der Strecke komplett auf mich alleine gestellt – kein Begleitfahrzeug und kein Support durch ein Begleitteam. Somit muss alles was ich mir unterwegs nicht kaufen kann, oder aus Zeitgründen nicht möchte, selbst auf dem Rad transportiert werden. D.h. Beleuchtung, Powerbanks (für Navigation und Handy), Kleidung (für die unterschiedlichen Temperaturen während des Events), Werkzeug, Ersatzteile und Verpflegung drücken ganz schön aufs Gewicht. So wird mein Fahrrad mit 2 gefüllten Trinkflaschen ca. 18kg auf die Waage bringen, wenn ich von der Startrampe rolle.

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Heavy Load

Zeit verliert man als Non-Supported Fahrer neben dem zusätzlichen Gewicht aber auch durch regelmäßige Stopps, bei denen man an der Strecke irgendwo (Tankstellen, Bäckereien, Brunnen, Friedhöfe, …) den Wassernachschub und sicher auch noch den ein oder anderen Snack sicherstellen muss. Vor allem in den Nachtstunden manchmal eine echte Herausforderung. In der Satteltasche sind zwar ~7.500kCal Energie in Form von Getränkepulver und Gels versteckt, das deckt aber bei weitem nicht den Energiebedarf der kompletten Strecke.

Insofern bin ich gespannt wie schnell ich unterwegs sein kann. Ein Traum wäre, wenn ich es analog letztem Jahr, wieder unter 48 Stunden schaffen würde. Eine Gewissen Hoffnung dazu besteht, da die Wetterverhältnisse deutlich besser werden sollen als letztes Jahr.

Im vergangenen Jahr haben mich die Gespräche mit meinem Team im Begleitfahrzeug über Headset am Helm und die regelmäßigen Kommentare meiner Freunde auf Facebook sehr motiviert und mir auch geholfen, die vielen Stunden auf dem Rad mental gut zu bewältigen. Deshalb habe ich mich trotz Zusatzgewicht dazu entschlossen eine zusätzliche Powerbank fürs Handy und das Headset wieder mitzunehmen. Würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere Lust hat mich zwischendurch anzurufen und mir am Telefon etwas die Zeit zu vertreiben. Da über die lange Distanz keine hohe Intensität gefahren wird, ist das problemlos möglich. Falls es gerade nicht passt, so nehme ich einfach nicht ab bzw. rufe zurück. Evtl. kann ich auch das ein oder andere kurze Update auf Facebook bringen.

Jetzt sitze ich erstmal im Zug nach Flensburg, schreibe diese Zeilen, und werde gleich auch noch einen „leckeren“ Rote Beete Saft zur Vorbereitung „genießen“ 🙂

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Nitrat bunkern vor dem Start

Heute Abend um 18:00Uhr startet dann der offizielle Teil in Flensburg mit einem Briefing für die Fahrer, und ich freue mich schon sehr auf neue Bekanntschaften bzw. altbekannte Gesichter aus der Szene.

Race Across Germany 2017 – Bericht meiner Begleitcrew

Ein Bericht zum Race Across Germany aus Sicht meiner Begleitcrew, die auch alle zum ersten Mal an einem Ultra Cycling Event teilgenommen haben, und deren Einsatz ich gar nicht hoch genug würdigen kann:

Andreas:

Wir hatten ja keine Ahnung auf was wir uns da eingelassen haben. Blauäugig wie wir waren dachten wir das werden zwei ziemlich langweilige Tage die wir da hinter Jochen her rollen. Vor allem Uta unsere Physiotherapeutin hatte sich auf viel Langeweile eingestellt, schließlich muss Jochen während dem Rennen sicher nur 2-4 Mal massiert werden. Aber es kam alles anders…

Der Morgen von Jochens Start verlief noch recht ruhig – wir hatten 30 Minuten am Startplatz um Jochen vorzubereiten – an unsere Vorbereitung hat dabei niemand gedacht. Der erste Stress für uns begann also direkt nach dem Startschuss – Jochen war längst hinter der ersten Kurve verschwunden und keiner wusste wie man das GPS dazu bringt den Streckenverlauf anzuzeigen oder darauf zu navigieren. Sämtliche Navigationsanweisungen waren ständig nur: “Macht einen U-Turn und fahrt zurück (zum Startpunkt?)”. Geistesgegenwärtig haben wir das Ersatz-Fahrrad-GPS angeworfen und waren von dem Zeitpunkt an wieder sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Nur als nach 15 Minuten immer noch keine Spur von Jochen zu sehen war kamen wieder Zweifel – er kann doch nicht soooo schnell sein, oder doch? Er war so schnell…

Von da an verging die Zeit wie im Flug, Jochen hat stündlich etwas zu essen und zu trinken bekommen – je nach Verkehrslage und Straßenverlauf hat sich die Übergabe durchs Beifahrerfenster während der Fahrt auch mal über 10 Minuten hingezogen. Unserem Zeitgefühl konnten wir dabei nicht trauen – häufig war die Reaktion eher: “Schon wieder?” Uta hat neben der Fahrstilberatung und Optimierung die Dokumentation der zugeführten Kalorien, Pausen und Zwischenzeiten übernommen.

Das Laden der Geräte war definitiv eine Herausforderung. Im Nachhinein hätten wir uns farbkodierte Kabel (nach Steckertyp) gewünscht und eine Box für die zu ladenden Geräte. Der komplette Fußraum zwischen Fahrer und Beifahrersitz lag voll mit Geräten und es war nie klar ob gerade ein passendes Kabel frei ist oder der Ladevorgang eventuell unterbrochen wurde da das Kabel rausgerutscht ist. Immerhin war Jochen am zweiten Tag geistesgegenwärtig genug uns mittags daran zu erinnern, dass seine Lampe für die Nacht noch geladen werden muss – wir hätten den Lampenakku sonst vergessen.

Ein persönliches Low-Light war definitiv als ich übermüdet in der zweiten Nacht am Steuer des Wohnwagens hinter Jochen den Berg mit etwa 60 km/h hinunterfuhr und realisierte: Wenn er jetzt stürzt habe ich keine Chance rechtzeitig zu bremsen – ich würde ihn überfahren. Und Matze der gerade hinten im Wohnwagen in der Küche neue Fahrradflaschen füllt wird quer durch den Wohnwagen geschleudert – und die im hinteren Bett schlafende Uta bekommt dabei auch mehr als ein paar blaue Flecke ab. Was tun? Mehr Abstand halten? Mehr Abstand halten bedeutet aber auch, dass Jochen nicht mehr vom Fernlicht des Wohnwagens profitieren könnte und dementsprechend den Zustand der Straße eventuell nicht richtig einschätzen kann.

Ich hatte es mir zum Ziel gemacht Jochens Facebook Profil regelmäßig zu aktualisieren, was nicht immer so einfach war, da wir größtenteils Abseits großer Straßen und Städte unterwegs waren und wir häufig nur das mobile Steinzeit Internet (EDGE) nutzen konnten. Das Feedback seiner Freunde auf die Beiträge hat uns im Auto aber die Zeit vertrieben und Jochen definitiv motiviert – dank Sprechfunk haben wir ihn immer sofort über die neuesten Kommentare informieren können. Man war plötzlich nicht mehr alleine unterwegs, sondern alle seine Freunde waren bei uns. Dank Konferenzschaltung haben wir auch den einen oder anderen direkt telefonisch mit Jochen verbunden.

Die Verpflegung im Begleitfahrzeug: Wir hatten ja leider kein Begleitfahrzeug welches uns regelmäßig mit Essen versorgt hat, daher war ursprünglich der Plan, dass wir mit dem Wohnmobil irgendwo anhalten und uns etwas zu essen kochen. Wir haben das am ersten Tag probiert – ein schnelles Essen: lauwarme Maultaschen mit Ei. Wir haben über eine Stunde benötigt um Jochen wieder einzuholen – das heißt wir haben Jochen knappe 2 Stunden alleine gelassen – eine schlechte Situation für Jochen, da während der Zeit auch noch das Wetter umgeschlagen ist und er eigentlich eine Regenjacke benötigt hätte. Am zweiten Tag gab es morgens ein kurzes Müsli und ein schnell geschmiertes Brötchen – nachmittags haben wir irgendwann realisiert, dass wir ja eigentlich etwas essen sollten – ein weiteres Brötchen und ein paar Kekse waren dann alles für den Tag. Kaffee gab es auch keinen mehr, da Wasser so lange braucht zum Kochen. Beheizbare Kaffee-Thermoskannen wären eine super Idee gewesen.

Das Thema Schlaf: Welcher Schlaf? Wenn ich eins gelernt habe am Wochenende dann wie effektiv 15 Minuten Schlaf sein können – auch wenn man selber der Meinung ist man hat keine Sekunde geschlafen. Da wir jederzeit Fahrer und Beifahrer benötigt haben konnte immer nur einer Schlafen – rein rechnerisch standen also jedem knappe 3 Stunden Schlaf pro Nacht zu – und dies in einem fahrenden Wohnmobil. Das Einschlafen war eine echte Herausforderung, mein Gleichgewichtssinn hat ständig gemeldet: “Du fällst nach links, jetzt nach rechts, ne doch links…” und das Kopfkino hat sich überlegt was wohl bei einem Unfall mit mir passiert – nach zwei Stunden bin ich frustriert wieder aufgestanden – gefühlt ohne tatsächlich geschlafen zu haben. In der zweiten Nacht habe ich mich an die Wohnmobilwand gelehnt und das fallende Gefühl wurde besser, aber auch diesmal bin ich von selber wieder aufgewacht – lange bevor mein eigentliches Schlafkontingent erfüllt war.

Was für ein tolles Team wir waren und wie gut doch alles funktioniert hat, habe ich erst im Ziel realisiert als der Veranstalter mich ausgefragt hat wie die Stimmung von Jochen während der Fahrt war und ob es Zoff gab. Er erzählte mir das deswegen schon Teilnehmer abgebrochen haben oder Begleitfahrzeuge ihren Dienst eingestellt haben und der Fahrer aufgeben musste. Wir hatten ungelogen kein böses Wort während der ganzen Fahrt.

Ergänzung Matthias:

Als Jochen das erste Mal von seiner Idee berichtet hat, das RAG mitzufahren, war mir klar dass ich ihn dabei unterstützen muss. Dass es so ein stressiges langes Wochenende wird war mir nicht klar! Ich hatte sogar eine Zeitung im Gepäck um auftretende Langeweile zu bekämpfen – im Nachhinein eine wirklich lächerliche Annahme.

Wir drei im Begleitfahrzeug hatten wirklich immer gute Laune und haben uns gut ergänzt. Andy hat mit seinen Bildern und Facebook Posts einen wichtigen Beitrag zu Jochens Erfolg geleistet. Es hat mich regelmäßig überwältigt wie viel Anteilnahme und Support von der Facebook Gemeinde kam!

Mit Uta gab es unglaubliche Unterhaltungen und je müder wir wurden desto lustiger wurde es. Ihr hat es Jochen zu verdanken, dass er es so lange so gut auf dem Rad ausgehalten hat.

Jochen war ein guter Fahrer, ich habe mir im Vorfeld schon oft überlegt wie es sein wird wenn es nicht läuft, aber es lief gut und Jochen war zu jeder Zeit bereit seine Flüssignahrung aufzunehmen und Utas Anweisungen zu befolgen.

Nach der ersten längeren Pause musste ich Jochen mehrmals erklären, dass er nicht letzter ist, er war fest der Meinung während der Pause von allen überholt worden zu sein und der langsamste zu sein…irgendwann hat er es dann endlich eingesehen, dass er gut dabei ist und die anderen auch mal eine Pause machen, er will halt immer recht haben 😉

Am zweiten Tag habe ich Jochen ein paar Kilometer auf meinem Rad begleitet, wie gerne hätte ich ihm bei dem unglaublichen Gegen- und Seitenwind Windschatten gegeben, aber das war ja nicht erlaubt! Es hat mich fast zerrissen, ich hätte ihm so gerne mehr geholfen!

Das absolute Low-light waren manche Autofahrer die uns trotz Kennzeichnung auf dem Wohnmobil schimpfend und hupend überholt haben. Manche haben so leichtsinnig und unverschämt überholt, dass wir Jochen die letzten 20h nicht mehr vom Hinterrad weichen wollten. So konnten wir wenigstens verhindern, dass ihn jemand in den Graben fährt.

Die letzten Kilometer waren eine Qual für Jochen und es hat auch uns gequält das anzusehen, aber wir wollten alle nach Garmisch! Die Einfahrt dort war überwältigend, wir standen alle voll unter Strom und es war toll dass Jochen es innerhalb seiner Wunschzeit geschafft hat!

Zu sehen wie schlecht es ihm nach dem Zieleinlauf ging, war nicht schön, aber nach ein paar Stunden Schlaf sah er schon wieder besser aus.

Wir haben alle viel Zeit und Kraft in dieses Rennen investiert, Montags hat es sich so angefühlt, als hätte ich all meine Energie und Kraft an Jochen abgegeben – ich war total erledigt, aber trotzdem glücklich Jochen bei diesem Wahnsinn gut ins Ziel gebracht zu haben.

 

 

Race Across Germany – 1.100km – 7.500hm – 47h35min Einzelzeitfahren von Flensburg nach Garmisch

Race Across Germany – 1.100km – 7.500hm – 47h35min Einzelzeitfahren von Flensburg nach Garmisch

Bei meinem ersten Ultra Cycling Abenteuer wurde ich unterstützt durch „Bosch – My Insurance“ (www.bosch-my-insurance.de). Einen Bericht, den ich für das Bosch Intranet geschrieben habe, möchte ich auch gerne mit euch teilen, die mich über Facebook mit Durchhalteparolen unterstützt haben. Da die Mischung von Bildern und Text sich in Facebook Postings schwierig gestaltet ist dies auch mein erster Versuch mit WordPress 😉

Am 30.06. nach all der Vorbereitung war es dann endlich soweit und mein Team und ich standen gemeinsam mit 30 weiteren Teilnehmern an der Startrampe in Flensburg. Die Kurzzusammenfassung: es war verdammt hart, das Team ist alles, Mission accomplished.

 

 Die Details in fünf Akten hier im ausführlichen Bericht:

 

Die Challenge…

bestand darin die 1.100km als Einzelzeitfahren zu meistern. D.h. Windschattenfahren bei anderen Teilnehmern oder fremden Radfahrern war nicht gestattet – jeder Radler war mit seinem Begleitteam auf sich allein gestellt. Da es keine Einteilung in Etappen gab, konnte jeder Teilnehmer selbst entscheiden, ob und wie er seine Pausentaktik wählt. Da es meine erste Teilnahme an einem Ultra Cycling Rennen war und somit keine Erfahrungswerte zur Länge benötigter Schlafpausen und sonstiger Stopps vorhanden war, wurde im Vorfeld ein Plan auf Basis meiner Wunschzeit (48 Stunden) und Infos aus Erfahrungsberichten von Teilnehmern anderer Langstreckenevents erstellt. Konkret war meine Idee 5 längere Pausen (30-45min) für Massagen, Powernaps, Wartungsarbeiten am Rad und Kleidungswechsel zu nutzen, aber auch flexibel zu reagieren, wenn es die Situation erfordern würde.

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Bosch Express

Und das tat sie…das Wetter war bereits zum Start von Dauerregen geprägt. Und dieser Dauerregen hielt auch die ersten ca. 28 Stunden mit nur kurzen Unterbrechungen an.

Dauerregen
Dauerregen

So wurde die erste Pause deutlich nach hinten verlegt, da wir immer in der (unerfüllten) Hoffnung weiterfuhren, dass es bald zu regnen aufhören würde und ich nach der Pause mit frischer, trockener Kleidung aufs Rad steigen könnte. Schlussendlich wurde vor Einbruch der Dunkelheit dann doch eine längere Pause mit Massage, Fahrradwartung, Lichtmontage und Kleidungswechsel eingelegt, obwohl die trockenen Sachen bereits wenige Kilometer nach der Pause wieder durchnässt sein sollten. Die Stimmung im Team und meine Motivation waren bis zur Pause trotzdem gut, da wir außer einem platten Vorderreifen und leichten Scheuerstellen in den Kniekehlen bisher keine Probleme hatten und auch sehr gut im gesteckten Zeitplan lagen.

Nachtfahrt
Nachtfahrt

So kämpften wir uns durch die Nacht (und das Bergland bei Kassel) und nach einer weiteren Massagepause im Morgengrauen, die ich auch für einen 5-minütigen Powernap nutzte wurde der zweite Tag eingeläutet.

Das Ziel…

die 48h Marke zu knacken (und damit die Qualifikationszeit zum Race Across America – RAAM – zu schaffen) war zu diesem Zeitpunkt noch realistisch, aber die ersten 600km im Dauerregen bei Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad machten meinen Knien zusehends zu schaffen. Am späten Vormittag zeigte sich der Wettergott zwar von seiner gnädigen Seite und stoppte die Regenfluten (im Tausch gegen starke Seiten- und Gegenwinde), aber Schmerzen und eine Schwellung in den Knien ließen die Leistung deutlich sinken und der Zeitplan geriet immer mehr in Bedrängnis. Bei einer weiteren Physiobehandlung am Nachmittag war klar, dass das Ziel neu justiert werden musste und das neue realistische Ziel das Finish im Zeitlimit von 57h sein sollte.

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Utas magische Hände

So ging es dann Kilometer um Kilometer durch die hügelige Landschaft. Die reduzierte Geschwindigkeit und der warme Wind waren zwar schlecht für die Moral, aber scheinbar gut für meine Knie. Die Schmerzen ließen im Laufe der Zeit wieder nach und mit nachlassendem Schmerz kam auch die Leistung und höhere Geschwindigkeiten zurück. So ging es in den Abend und als das Teilnehmer-Tracking mich nur noch wenige Kilometer hinter dem amtierenden Deutschen 24h-Mountainbikemeister (Fritz Geers) zeigten und wir ihn dann sogar überholen konnten, war im Kopf wieder alles im Lot und ich musste mich sogar zurückhalten, um nicht deutlich zu schnell in die zweite Nacht zu radeln – die 48h Zielzeit waren wieder in greifbarer Nähe! Dieses Hoch hielt bis nach Mitternacht an, aber mit zunehmender Belastungsdauer und vielleicht auch der Kühle der Nacht kamen die Schmerzen in den Knien wieder unbarmherzig zurück. Kurz vor der Morgendämmerung forderte dann auch die Müdigkeit schließlich ihren Tribut und beim Anzeichen erster Halluzinationen und Sekundenschlafattacken wurde sofort die letzte längere Pause und damit ein 15-minütiger Powernap eingelegt. Die letzten 70km und Höhenmeter nach Garmisch wurden dann zur wahren Herausforderung des RAG. Die Knie wollten nicht mehr, das schlechte Wetter kam mit Regen zurück und der Kilometerzähler bewegte sich nur noch unendlich langsam vorwärts. Doch auch diese Stunden gingen – vor allem dank meines super motivierenden Teams – vorüber und mit der Einfahrt in den Zielbereich direkt vor der Olympiaschanze in Garmisch hat mich mein Körper auch mit einer Endorphindusche der Extraklasse belohnt. Die Strapazen waren zumindest für einen kurzen Moment vergessen und verdrängt durch das überschwängliche Glücksgefühl das RAG auf Platz 4 gefinisht und mit 47h35min sogar mit einer Qualifikation fürs Race Across America beendet zu haben.

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Im Ziel in Garmisch

Die Verpflegung…

kann man durchaus als eintönig bezeichnen. Um kein Risiko mit Magenproblemen einzugehen wurde – beginnend mit dem Frühstück vor dem Rennen – während des gesamten RAG komplett auf Flüssignahrung gesetzt. D.h. penibel überwacht durch mein Begleitteam habe ich jede Stunde eine 200ml-Mahlzeit (300kcal) Ensure Plus „genossen“. Ensure Plus wird normalerweise bei gesundheitlich eingeschränkten Menschen zur enteralen Ernährung verwendet und ist in 6 allesamt klebrig-süßen und nach 2 Tagen Dauerkonsum nur noch mäßig leckeren Geschmacksrichtungen zu haben 🙂

Verpflegungsgenuss

Dazu gab es dann immer noch eine Fahrradflasche kohlenhydratreiches Isogetränk – je nach aktuellem Empfinden mal mit, mal ohne Koffeinzusatz. Da ich während dem gesamten RAG keinerlei verpflegungsbedingte Beschwerden oder Schwächephasen hatte, würde ich jederzeit wieder auf diese Strategie setzen.

Nach so viel einseitiger Ernährung während der Belastung, muss im Ziel natürlich für Ausgleich gesorgt werden:

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Regenerationsturbo im Ziel nach der Siegerehrung

 

Das Team…

ist neben einer guten körperlichen und mentalen Vorbereitung sicher der größte und nicht zu unterschätzende Erfolgsfaktor. Und ich hatte das beste Team, das man sich nur wünschen kann! Uta (Physio und Quell unerschöpflichen Wissens), Matthias und Andreas (je Wohnmobilfahrer, Mechaniker, Social Media Reporter, Fotografen, Mentalcoaches, …) hatten sich auf eine ziemlich langweilige Fahrt einmal längs durch Deutschland eingestellt. Bezeichnend, dass sie sich alle Studiumsunterlagen, Zeitungen und andere Ablenkung eingepackt hatten und meine größte Sorge im Vorfeld war eigentlich auch, dass sich die Crew zu Tode langweilt… doch nichts davon wurde wirklich gebraucht.

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Gesamtes Team (von links): Andreas, Uta, Jochen, Matthias

Das Team war mit meiner Verpflegung aus dem fahrenden Wohnmobil, Fotos schießen, Navigation, Massagen, Fahrradwartung, Aufladen diverser elektronischer Geräte und meiner Motivation mehr als ausgelastet und kam kaum dazu sich um die eigenen Belange wie Schlaf und Essen zu kümmern.

Elektrosmog
Elektrosmog (kleine Auswahl) im Wohnmombilfußraum

So hat in der Nacht zwar immer ein Crewmitglied versucht im Wechsel zu schlafen, aber das Geheimnis wie man in einem fahrenden Wohnmobil auf kurvigen Landstraßen gespickt mit vielen Ortsdurchfahrten erholsamen Schlaf findet, konnte nur Uta erfolgreich knacken. Das wichtigste technische Equipment, das wir neben meinem Fahrrad dabeihatten, war definitiv das Hightech-Headset, mit dem ich trotz Fahrtwind ohne Störgeräusche in dauerndem Kontakt mit meiner Crew stand. Und die Crew gab alles, um mich mit motivierenden und zum Teil auch sehr humorvollen Gesprächen bei Laune zu halten. Uta – als Quell unerschöpflichen Wissens – konnte zu wirklich jedem noch so obskuren Thema die Diskussionen mit detailreichem Fachwissen anheizen und war mit ihren magischen Händen und umfangreichem physiotherapeutischen Know-How ein Garant für schnelle Regeneration und deutlich reduzierte Beschwerden. Andis regelmäßige Fotos und Facebookpostings führten zu vielfältigen Kommentaren und Unterstützung aus meinem Familien-, Bekannten-, Freundes- und Kollegenkreises, die vorgelesen durch meine Crew immer wieder die Füllung für die notwendigen Motivationsspritzen lieferten. Und Matthias – einer meiner engsten Freunde – behielt in jeder Situation den Überblick, war mit helfender Hand immer genau da, wo gerade Not am Mann war und ließ es sich nicht nehmen am Nachmittag des zweiten Tages auch ein paar Kilometer an meiner Seite aufs Rad zu steigen (einen Bericht aus Sicht des Teams gibt es unten in den Kommentaren zum Beitrag).

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Wartungsarbeiten am Radler

Eine besondere Überraschung wartete am zweiten Tag in Person meines Mitarbeiters an der Strecke, der meine Position im Livetracking verfolgt hatte und sich als passionierter Radler für einige Kilometer unserem Team anschloss und mich auf dem Rad in der Nähe von Schweinfurt begleitete.

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Ein Bosch Kollege

 Mein Dank…

gilt zu aller erst meinen unschlagbaren Teammitgliedern, die jeder einzelne ihre Zeit, ihren Schlaf und jede Menge Energie in die Verwirklichung meines Traums investiert haben – und natürlich meiner Frau, die es mit einem leicht verrückten aushält. Ohne das Team wäre ich sicher nicht in Garmisch angekommen. Sie haben sich nicht zuletzt im Ziel, nachdem die Anspannung des Rennens abgefallen war, und ich mich für kurze Zeit dank Kreislauf- und Knieproblemen de Facto nicht mehr selbständig fortbewegen konnte, rührend um mich gekümmert. Dass das gemeinsame Erreichen des Ziels nicht selbstverständlich ist zeigt auch die Tatsache, dass knapp die Hälfte der Teilnehmer das Rennen – sicher auch wegen den schlechten Wetterbedingungen – vorzeitig beenden musste und nicht in Garmisch ankam.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch den top Support durch Bosch My Insurance, die sich von meinem Traum des Race Across Germany mitreißen ließen, und mich in vielfältiger Art und Weise unterstützt haben! We are Bosch 🙂

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Team Bosch My Insurance am Start